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Volles Haus: Gut 500 Besucher fanden am Freitag den Weg in die Loisachhalle, um genau die Musik und die Literatur zu sehen und zu hören, die die Nazis vom Erdboden verschwinden lassen wollten. 

Künstler und Schüler erinnern an „Entartete Kunst“

Bewegender Gedenkabend zur Bücherverbrennung

Moderne Kunst war den Nazis ein Dorn im Auge. Gnadenlos verfolgten sie die Künstler und stellten ihre Werke auf den Index. Genau daran erinnerte eine Gedenkabend in der Loisachhalle. 

Eröffneten den Abend: Die Waldramer Grundschüler präsentierten den „Feuervogel“ von Igor Strawinsky, ein Ballett aus dem Jahr 1910. Dieses wichtige Werk der Moderne bezeichneten die Nazis als „entartet“ - wie vieles andere auch. 

Wolfratshausen – Viel Aufwand betrieben der Historische Verein Wolfratshausen, der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) und der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, um am Freitag in der Loisachhalle einen dreistündigen Gedenkabend zur Bücherverbrennung und sogenannter „entarteter Musik“ zu gestalten. Den rund 500 Besuchern in der nahezu ausverkauften Loisachhalle gefiel die anspruchsvolle Mischung aus Lesungen, Musikeinlagen und Choreografien. Am 10. Mai 1933 wurden in 22 deutschen Universitätsstädten die Werke jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller in der Öffentlichkeit verbrannt.

Und nicht nur das: In Flammen gingen damals auch Notenpapiere der Komponisten Arnold Schönberg, Kurt Weill und Igor Strawinsky auf. Letzterer schuf mit dem „Feuervogel“ ein Ballett, das den Gedenkabend am Freitag eröffnete: Kinder der Grundschule Waldram hüpften in gelb-roten Kostümen über die Bühne und wurden dafür mit reichlich Applaus belohnt. Danach kündigten die beiden Moderatorinnen Assunta Tammelleo und Dr. Sybille Krafft mit erklärenden Einleitungen beziehungsweise Kurz-Interviews die folgenden Programmhöhepunkte an. So erfuhr das Publikum zum Beispiel von der in Icking lebenden Jazz-Legende Klaus Doldinger, den schon als Kind die Musik amerikanischer Besatzungssoldaten faszinierte.

Weitaus düsterer klang dagegen das von Herbert Zipper komponierte Dachau-Lied in der Interpretation von Wolfratshauser Realschülern. „Stacheldraht mit Tod geladen, ist um unsere Welt gespannt. Drauf ein Himmel ohne Gnaden sendet Frost und Sonnenbrand“, heißt es dort am Anfang. Nicht weniger erschütternd waren die von der bekannten bayerischen Schauspielerin Ilse Neubauer („Die Hausmeisterin“) vorgelesenen Texte zur Reichskristallnacht. Da tat es gut, dass der 13-jährige Waldorfschüler Felix Lorenz zwischendurch ein Musikstück von Felix Mendelssohn Bartholdy zum Besten gab.

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Jazz-Legende aus Icking: Klaus Doldinger im Gespräch mit Moderatorin Dr. Sybille Krafft. Doldinger huldigte dem Jazz - eine Musik, die die Nazis nicht hören wollten. 

Nach Claus Steigenbergers Lesung aus Lion Feuchtwangers Bestseller „Exil“ und einer beschwingten Darbietung der Kinderoper „Brundibár“ durch die Musikschule Wolfratshausen, gönnten die Veranstalter den Besuchern ein halbstündige Verschnaufpause. Dort ließen sich die vielen optischen und akustischen Eindrücke gut verarbeiten. Die international renommierte Jazzerin Stephanie Lottermoser leitete im Anschluss mit der Moritat von Mackie Messer aus der von Kurt Weill komponierten Dreigroschenoper die zweite Halbzeit ein. Es folgten eine anspruchsvolle Zwölfton-Performance der Mittelschule Geretsried und ein pantomimischer Parforceritt des Ickinger Künstlers Peter Spielbauer, der mit seinem mitgebrachten Beil ein Buch zerhackte.

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Den Werken von Bertolt Brecht und Kurt Weill widmeten sich anschließend Ickinger Gymnasiasten und Wolfratshauser Mittelschüler. Ungewohnt ernst präsentierte sich danach die Schauspielerin Marianne Sägebrecht, die, begleitet von Geigerin Andrea Schumacher, Szenen aus dem dadaistischen Stück „Kaspar ist tot“ von Hans Arp vortrug. Als Geretsrieder Gymnasiasten und Realschüler mit ihren Lehrerinnen abschließend den Coco-Schumann-Evergreen „Bei mir bist du schön“ sangen, zeigte sich auch Schirmherr und Bürgermeister Klaus Heilinglechner ergriffen. „Ich bin überwältigt, dass ihr den Gedenkabend so unterhaltsam präsentiert habt“, lobte er alle Beteiligten. Peter Herrmann

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