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Benjamin Braun verbrachte in Föhrenwald, dem heutigen Waldram, eine glückliche Jugend. 

Er war ein wichtiger und großherziger Zeitzeuge

Die Bürger fürs Badehaus trauern um Benjamin Braun

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Benjamin Braun war der letzte Jude, der im DP-Lager Föhrenwald heiratete. Zuvor war er in der Mikwe, dem rituellen Reinigungsbad, untergetaucht. Jetzt ist der große Zeitzeuge in München gestorben. 

Wolfratshausen/München – „Displaced Persons“: So hießen im amerikanischen Amtsjargon die heimatlos gewordenen Menschen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Föhrenwald – dem heutigen Waldram – eine vorübergehende Bleibe fanden. Hinter diesem nüchternen Begriff verbargen sich unfassbare Schicksale wie das von Benjamin Braun, der vor dem Antisemitismus durch die ganze Welt floh. Polen, Russland, Sibirien, Amerika, Deutschland und noch viele andere Länder: Überall begegnete ihm der gleiche Hass, 13 Mal musste er fliehen oder umsiedeln. Gerade deshalb hat er sich so für das Projekt Badehaus stark gemacht, ohne Verbitterung, mit Herzenswärme und Wohlwollen. Jetzt ist der wichtige Zeitzeuge im Alter von 87 Jahren in München gestorben.

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Als Zeitzeuge war der gebürtige Pole für den Erinnerungsort Badehaus eminent wichtig. 

In ihrer Trauerrede am Neuen jüdischen Friedhof in München-Freimann erinnerte die Vorsitzende des Vereins „Bürger fürs Badehaus“, Dr. Sybille Krafft, an einen Menschen, der trotz aller Schicksalsschläge „nicht nur den Willen und die Kraft zur Erinnerung, sondern auch den Willen und die Kraft zur Versöhnung hatte“. Beni – so hieß er für seine Freunde – war es, der zusammen mit seiner Frau Chana die Existenz einer Mikwe, also eines jüdischen Ritualbades, im Haus am Kolpingplatz bezeugte. Dort waren Benjamin und Chana Braun im Jahr 1955 vor ihrer Hochzeit – der letzten jüdischen Hochzeit, die in Föhrenwald gefeiert wurde – eingetaucht. „Damit wurden all unsere Gegner, die unsere Erinnerungsinitiative desavouieren wollten, Lügen gestraft“, sagte Krafft. Nach Max Mannheimer waren die Brauns auch die ersten Juden, die dem Verein beigetreten sind.

Der Verstorbene erzählte gerne, dass Föhrenwald für ihn der Ort in der Welt ist, an dem er am glücklichsten war. Krafft erinnerte sich in ihrer Trauerrede daran, dass sie das zunächst gar nicht glauben konnte. Glückliche Tage? Ausgerechnet im Land der Täter? Doch nach allem, was Braun und seine Familie zuvor erduldet hatten, musste ihm dieses „letzte jiddische Schtetl auf europäischem Grund“ wie ein Paradies vorkommen. „Hier hat er mit Chana, der Liebe seines Lebens, die Schatten der Vergangenheit für kostbare Augenblicke weggesungen und weggetanzt.“

Im Erinnerungsort Badehaus ist die bewegte und bewegende Lebensgeschichte von Benjamin Braun eine der zentralen Leitbiografien. Mit seiner Lebensgeschichte seinen Zeitzeugeninterviews und mit seinen Dokumenten ist er auch für künftige Generationen im „Wald der Erinnerung“ verewigt. Auf die Frage, welchen Satz er jungen Menschen mit auf den Weg geben möchte, sagte er: „Wer seine Vergangenheit vergisst oder verdrängt, hat keine ruhige Zukunft auf der Welt“. 

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