+
Wegen Unterschlagung musste sich ein Busfahrer 

Aus dem Amtsgericht

Busfahrer wegen Unterschlagung angeklagt - Verfahren eingestellt 

  • schließen

Richter Helmut Berger bewertet die Verhältnisse im Abrechnungswesen des betroffenen Unternehmens als chaotisch.

Wolfratshausen Ein Busfahrer soll eingenommene Fahrgelder nicht ordnungsgemäß mit seinem Arbeitgeber abgerechnet haben. Insgesamt mehr als 7000 Euro. Nun stand der 62-Jährige, der den größten Teil des Geldes bereits zurückgezahlt hat, wegen Unterschlagung vor Gericht. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

„Das ist ein großes Kuddelmuddel, anders kann man es nicht sagen“, kommentierte Richter Helmut Berger die chaotischen Verhältnisse im Abrechnungswesen des Unternehmens, von denen eine Zeugin berichtete. Die Fahrer seien regelmäßig darauf hingewiesen worden, wie sie abzurechnen hatten. „Da gab es genaue Vorschriften.“ Aber als die 63-Jährige im Oktober 2017 ihre Arbeit als Standortkoordinatorin in der Wolfratshauser Filiale der DB Region Bus Bayern GmbH angetreten hatte, stellte sie fest: „Es gab mehrere Fahrer, die ihr Fahrgeld nicht abgegeben haben. Teilweise ein halbes bis ein Jahr lang nicht.“

Der Angeklagte, der vom persönlichen Erscheinen zur Verhandlung entbunden worden war, hatte über seinen Verteidiger eine Erklärung abgegeben. Es sei ihm nie gesagt worden, dass er monatlich abrechnen müsse, zitierte der Verteidiger aus der schriftlichen Stellungnahme seines Mandanten, der einräumte, dass er im Zeitraum von Mai 2017 bis Februar 2018 Fahrgelder einbehalten hatte. Allerdings sei dies nur in Absprache mit einem Vorgesetzten geschehen, der ihm gestattet habe, später abzurechnen. Das Geld habe er für eine kostspielige medizinische Behandlung seiner schwerkranken Tochter gebraucht.

So eine Praxis sei nicht erlaubt gewesen, betonte die ehemalige Standortkoordinatorin entrüstet: „um Gottes Willen, nein.“ Wegen der häufig schlampigen Abrechnungen sei sie „teilweise abends Bus gefahren und habe das Geld selbst abgeholt“, erklärte die Frau, die inzwischen in Rente ist. Gegen zwei Fahrer hatte das Unternehmen schließlich Anzeige erstattet. Bei zwei weiteren war davon abgesehen worden, weil sie das einbehaltene Fahrgeld nach Aufforderung sofort komplett zahlen konnten.

Die Frage des Richters, wie es sein könne, dass niemand fragt, wo das Geld bleibt, antwortete die Zeugin: „Es ist nicht überprüft worden.“ Der Angeklagte hatte, nachdem er von der Standortleiterin zur Abrechnung aufgefordert worden war, mehrmals größere Summen zurückgezahlt. Zudem werde ein monatlicher Betrag von seinem Lohn einbehalten. „Er ist der Meinung, dass inzwischen sämtliche Forderungen beglichen worden sind“, sagte der Anwalt des Busfahrers.

Auch interessant: „Gehe mit positiven Erinnerungen“: Direktorin Andrea Titz verlässt das Amtsgericht

„Das ist ein ganz großer Mist“, stellte Richter Berger fest. Bestätigt wurde er in seiner Einschätzung von der „Sachbearbeiterin Finanzen“, die seit Oktober 2018 in der Ingolstädter Zentrale des Unternehmens die Fahrgeldeinnahmen kontrolliert. Im Hinblick auf Probleme bei den Abrechnungsmodalitäten sei Wolfratshausen „der schlimmste Standort“, sagte die Zeugin. Daraufhin regte der Verteidiger erneut an, das Verfahren einzustellen. Diesmal stimmten Staatsanwalt und Richter zu. Als Gegenleistung muss der Busfahrer 750 Euro (in sechs Raten) an den Tierschutzverein Wolfratshausen und Umgebung zahlen. 

rst

Lesen Sie auch: Die Zitate des Jahres 2019 aus dem Amtsgericht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beste Grundlagen für einen vergnüglichen Abend
Die Theatergruppe des Trachtenvereins St. Sebald bringt das Stück „D’Wahl-Lump’n“ auf die Bühne.
Beste Grundlagen für einen vergnüglichen Abend
Kommunalwahl 2020: Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser im Porträt
Hubert Oberhauser will Bürgermeister von Egling bleiben. Er ist Kandidat der Freien Wähler. Warum eine Kieswüste seine Herzensangelegenheit ist.
Kommunalwahl 2020: Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser im Porträt
Im Landgasthof Berg bleibt die Küche kalt
Am 1. März schließt das Traditionslokal. Ab Ostern gibt’s nur noch Kaffee und Kuchen
Im Landgasthof Berg bleibt die Küche kalt
Wolfratshausen: Glückliches Ende einer Vermisstensuche
Ein Großaufgebot der Polizei suchte am Donnerstagabend nach einem Wolfratshauser (80). Nach zweieinhalb Stunden fand die Vermisstensuche ein glückliches Ende.
Wolfratshausen: Glückliches Ende einer Vermisstensuche

Kommentare