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Harte Zeiten: Vielen Kulturschaffenden und -veranstaltern wie Wolfgang Ramadan (re., hier beim Wolfratshauser Flussfestival) bricht in diesen Tagen ihr Lebensunterhalt weg.

Keine Veranstaltungen

Corona: Existenzgefährdende Lage für Künstler

Keine Auftritte, keine Konzerte: Wie hiesige Kulturschaffende und -veranstalter die Einschränkungen erleben

Bad Tölz-Wolfratshausen Konzerte? Verboten. Messen? Abgesagt. Kabarett? Verschoben. Seit wegen des Coronavirus das öffentliche Leben still liegt, kämpfen Veranstalter und Bühnen um die Treue ihrer Besucher und Ersatztermine, manche um ihre Existenz.

„Wir arbeiten bis zum Anschlag“, berichtet Wolfgang Ramadan, der das Kulturprogramm Brotzeit&Spiele ins Leben gerufen hat und organisiert. „Wir sagen nichts ab, wir verschieben, aber das ist ein riesiger organisatorischer Aufwand.“ Seit knapp 20 Jahren bieten die preisgekrönten Veranstaltungen mit Musikern, Schauspielern und Kabarettisten eine „kulturelle Grundversorgung“, wie der Ickinger sie nennt. Nun droht der Reihe das Aus. Sie ist nicht subventioniert, das finanzielle Risiko trägt Ramadan selbst. „Die aktuelle Situation ist existenzgefährdend, ich habe diese Saison komplett vorfinanziert“, so der Kabarettist.

Die aktuellen Corona-Zahlen im Landkreis

Von den rund 100 Veranstaltungen in diesem Jahr haben bisher lediglich zwei stattgefunden. Sobald das Publikum sein Geld zurückfordere, gebe es Brotzeit&Spiele nicht mehr. „Wir sind auf die Solidarität unserer Besucher angewiesen“, sagt Ramadan. Er hofft, dass sich die Abo-Kunden auf die neuen Termine einlassen und treu bleiben. Die Stimmung seiner vier Mitarbeiter ist angespannt. Einer der Kollegen hatte kürzlich am Telefon sogar einen Nervenzusammenbruch, der Notarzt musste gerufen werden.

Etwas gelassener kann Michel Amato in die Zukunft schauen. Er betreibt die Wolfratshauser Musikbar D’Amato im Schützenhaus nebenberuflich. Auch er möchte sein Programm verschieben, ebenso private Festivitäten, die bei ihm abgehalten werden sollten. „Aber als Nebenerwerbsgastronom bin ich wirtschaftlich längst nicht so betroffen wie andere“, sagt er. Sollte die Stadt ihm und seinen Leidensgenossen finanziell unter die Arme greifen wollen, werde er die Hilfe ablehnen. Amato: „Da gibt es Veranstalter, die es dringender brauchen als ich.“

Assunta Tammelleo von der Kleinkunstbühne Hinterhalt in Gelting versucht ebenfalls, nicht schwarz zu sehen. „Auch ich arbeite komplett unsubventioniert, habe aber noch einen Hauptberuf“, erklärt sie. Ihr Service-Personal verzichte momentan teilweise auf die Bezahlung, um die Kulturbühne zu entlasten. „Mit Live-Kultur sieht es für die nächste Zeit schlecht aus, aber wir haben uns schon Alternativen überlegt.“ Gemeinsam mit dem Kulturverein Isar-Loisach hat der Hinterhalt damit begonnen, Künstler aufzuzeichnen, um die Videos zum Streaming freizugeben. Tammelleo ist frohen Mutes: „Wir sind hier draußen doch ziemlich privilegiert.“ Man könne spazieren gehen, kochen und alles nachholen, was man schon lange einmal vorhatte.

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Im Irschenhauser Hollerhaus geht es ebenfalls ungewohnt ruhig zu. „Wir sind am Verschieben und Warten“, sagt Lia Schneider-Stöckl, die die Galerie führt. „Etwas anderes können und dürfen wir momentan nicht tun.“ Sie sorgt sich vor allem um die Künstler, die sich momentan in der Schwebe befinden. „Das Hollerhaus kann die kritische Zeit abfedern, aber für die Freiberufler ist sie ein großes Problem“, so Schneider-Stöckl.

In der Wolfratshauser Loisachhalle fallen die Mieteinnahmen aus. „Wir haben vorerst alles storniert“, berichtet Pächter Dominik Tabak. Neben den Konzerten und Ausstellungen bangt er auch um die Abibälle, die geplant waren. „Die Ausfälle bedeuten für uns große finanzielle Einbußen.“ Wie an allen Veranstaltern nagt an ihm die Unwissenheit, ab wann man sich wieder auf eine neue Normalität einstellen kann. Tabak: „Wir wissen einfach nicht, wie es weitergeht.“

lm

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