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Ein Sinnbild für Glaube, Hoffnung und Frieden: Die aufgefädelten Kraniche hängt Yoshi Kinoshita unter dem Vordach der Musikschule auf.

Japanischer Brauch in schwierigen Zeiten

Wunsch nach Frieden und Hoffnung: Kinderchorleiter Yoshi Kinoshita faltet mit Musikschülern 1000 Kranich-Origami

Wolfratshausen – „Senbazuru“ – ein Sinnbild für Glaube, Hoffnung und Frieden für die Welt. So beschreibt Yoshi Kinoshita den japanischen Brauch des Kranich-Origami. 1000 Vögel müssen gefaltet werden, dann gewährt einem der majestätische Kranich einen Herzenswunsch. Der Kinderchorleiter der Musikschule Wolfratshausen und seine jungen Sänger haben es sich zur Aufgabe gemacht, selbst 1000 Origami-Kraniche herzustellen und auf Fäden zu ziehen. So möchten sie in einer schwierigen Zeit ein Zeichen setzen.

Etwa 200 Papierkraniche haben die Kinder und Kinoshita bis Anfang Mai gefaltet. „Jeder macht zu Hause so viel er kann und möchte“, erklärt der Chorleiter. Manche haben einen Kranich gefaltet, andere einen ganzen Korb voll. Einige der Sänger haben sich gemeinsam mit ihren Familien ans Werk gemacht.

Kinoshita geht es nicht darum, die hohe Zahl möglichst schnell zu erreichen. Wer faltet, soll seine Gedanken dabei bündeln und an jene denken, denen er Glück wünscht, so der Deutsch-Japaner. Er glaubt, dass die Corona-Krise auch eine Chance ist, zur Ruhe zu kommen und seine Haltung zu ändern.

Auch das ginge nicht von heute auf morgen. „Wir wissen nicht, was noch alles auf die Menschen zukommt und welches Leid noch entstehen wird.“ In den Medien werde man mit Berichten von überfüllten Krankenhäusern und sterbenden Menschen konfrontiert. Aber auch Kinder, die nicht nach draußen gehen können und von ihren Freunden abgeschnitten sind, leiden unter der Situation. „Mit unseren 1000 Kranichen haben wir den Wunsch, das Leid auf dieser Welt zu lindern“, sagt Kinoshita. Er betont aber auch, dass es schon vor der Pandemie genügend Gründe für diesen Wunsch gegeben hätte. Damit spielt der Chorleiter vor allem auf den Klimawandel an: „Er wird noch viel mehr Leid bringen als die aktuelle Krise.“

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Der Kranich hat in Japan eine besondere Bedeutung. In alten Legenden heißt es, dass der Vogel 1000 Jahre lebt. Jeder Origami-Kranich stellt also ein Lebensjahr des heiligen Tiers dar. Dass das Falten in Gemeinschaftsarbeit stattfindet, ist keine Seltenheit. So ist es für japanische Klassen üblich, beim Besuch der Hiroshima-Gedenkstätte große Zahlen der kleinen Origami-Werke mitzubringen. „Inzwischen hängen dort Millionen“, berichtet Kinoshita. Die aufgefädelten Kraniche des Wolfratshauser Chors hängt Kinoshita unter dem Vordach der Musikschule auf. Dort sind sie geschützt – aber auch für jedermann sichtbar. 

lm

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