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Die Folgen der Corona-Pandemie könnten die Wohnungsnot weiter verschärfen. Das fürchtet Ines Lobenstein, Caritas-Mitarbeiterin in Wolfratshausen.

Bericht über Obdachlosenarbeit

Wolfratshausen: Corona-Krise könnte Wohnungsnot verschärfen

Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein schlägt Alarm: Die Wohnungsknappheit in Wolfratshausen „dramatisiert sich immer weiter“.

Wolfratshausen Ines Lobenstein fürchtet, dass sich durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise die Wohnungsnot weiter verschärfen wird. Im Hauptausschuss des Stadtrats gab die Caritas-Mitarbeiterin am Dienstagabend ihren alljährlichen Bericht über die Obdachlosenarbeit in Wolfratshausen ab.

Im vergangenen Jahr mussten insgesamt 37 Personen in den Notunterkünften der Stadt untergebracht werden. Aktuell leben dort 25 Menschen. Die Bewohner teilen sich in zwei Gruppen auf. „Es gibt eine gewisse Fluktuation“, erklärte Lobenstein. Ein Teil der Menschen würde in einer Notlage für ein oder zwei Monate ein Obdach benötigen und dann eine eigene Wohnung finden. Den anderen Teil bezeichnet Lobenstein als „Stammkundschaft“. Dies sind Menschen, die „wegen psychischer Probleme oder Alkoholmissbrauch auf dem Wohnungsmarkt keine Chance mehr haben“. Es gebe auch Fälle, bei denen sie keinem Vermieter guten Gewissens raten könne, diese Person zu nehmen. „Dann kriege ich nie wieder eine Wohnung für jemanden, der sie wirklich benötigt.“

Stadt unterhält zwei Notunterkünfte für Obdachlose

Es gibt aber auch andere Fälle. „Ein Mann lebt mit seinen zwei fünfjährigen Söhnen nun schon zwei Jahre in einer unserer Unterkünfte“, schilderte Lobenstein. Der Alleinerziehende bestreitet seinen Lebensunterhalt mit einem eigenen Job und könnte sich eine Wohnung leisten. Ihn und seine Kinder könne sie „guten Gewissens jedem Vermieter empfehlen“, so die Caritas-Mitarbeiterin. Das Problem: „Er spricht noch kein perfektes Deutsch, ist Afrikaner und alleinerziehender Vater. Für Vermieter sind das alles Hinderungsgründe, ihm eine Wohnung zu überlassen.“ Die Situation in der Unterkunft sei für die junge Familie „sehr, sehr unschön“.

Derzeit unterhält die Stadt zwei Notunterkünfte für Obdachlose: ein Haus mit drei Wohnungen am Steghiaslweg, wo momentan 14 Personen in einer WG zusammenleben, und das sogenannte Haus Schlickenrieder an der Münchner Straße. Von den 16 Menschen, die dort im Laufe des vergangenen Jahres Obdach fanden, sind vier wieder ausgezogen. Aufgelöst wurde die Notunterkunft an der Sauerlacher Straße 15. Wie berichtet wird das denkmalgeschützte Biedermeier-Gebäude saniert und musste dafür komplett geräumt werden. Die Bewohner – sechs „schwer vermittelbare Menschen“ waren dort zuletzt untergebracht – bezogen die neuen Wohnungen am Steghiaslweg.

„Wohnungsknappheit dramatisiert sich immer weiter“

Bislang konnte die Stadt allen Hilfesuchenden ein Dach über dem Kopf bieten. Für die Zukunft macht sich Lobenstein allerdings Sorgen. „Die Wohnungsknappheit dramatisiert sich immer weiter“, sagte sie in der Sitzung. Durch die Corona-Krise sei der Zuzug zwar etwas zurückgegangen, dafür seien immer mehr Menschen am Ort wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie von Arbeitslosigkeit bedroht. Sie „werden sich die hohen Mieten hier nicht mehr leisten können“. Auch „für Friseure, Krankenschwestern und viele andere Berufsfelder“ sei die Situation sehr schwierig, weil Neubauten fast ausschließlich im Hochpreis-Segment geplant würden. Die finanziell weniger gut gestellten Menschen blieben auf der Strecke. Lobenstein appellierte mit Nachdruck dafür, den sozialen Wohnungsbau weiter zu forcieren.

Die Stadtratsfraktionen dankten der Caritas-Mitarbeiterin für ihren Einsatz. „Wir sehen, dass wir durch Ihre Arbeit hier sehr gut aufgestellt sind“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Das „herausragende Miteinander zwischen Stadt und Caritas ist sehr viel wert.“  dst

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