Einmal durchatmen: Die Klassenzimmer werden regelmäßig gelüftet. Die Stadt möchte nun mit dezentralen Lüftungsanlagen nachbessern.
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Einmal durchatmen: Die Klassenzimmer werden regelmäßig gelüftet. Die Stadt möchte nun mit dezentralen Lüftungsanlagen nachbessern.

Schulen in Waldram und Weidach werden aufgerüstet – Hammerschmiedweg erst später

Wegen Corona: Schulen erhalten Lüftungsanlagen - Kosten gehen in die Millionen

  • VonDominik Stallein
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Corona im Klassenzimmer? Keine schöne Vorstellung. Die Stadt Wolfratshausen möchte Schüler besser schützen und baut Lüftungsanlagen in zwei Schulen ein. Die Schule am Hammerschmiedweg fehlt im Beschluss.

Wolfratshausen – Wie können Schulen die Kinder am besten schützen? Diese Frage treibt viele politische Gremien seit Beginn der Corona-Pandemie um. Der Bauausschuss des Stadtrats hat sich in seiner Sitzung am Mittwochabend festgelegt: In den Schulhäusern in Waldram und Weidach werden dezentrale Lüftungsanlagen eingebaut. In der Schule am Hammerschmiedweg auch – aber erst später. Die Kommune hofft auf Zuschüsse, preiswert werden die Umrüstungen dennoch nicht.

Wolfratshausen will Kinder vor Krankheiten schützen - Lüftungsanlagen werden teuer

Der Deutsche Städtetag hat sich in der Raumluftfrage positioniert: In einem Rundschreiben betont die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Vereinigung: „Mobile Lüftungsgeräte sind kein taugliches Mittel, um damit alle Schulräume und Gebäude auszustatten.“ Lediglich in Einzelfällen könnten diese tragbaren Geräte helfen, die Luftqualität in Schulen – zusätzlich zum Lüften – zu verbessern. „Die Stadt Wolfratshausen wird deshalb keine mobilen Luftfilter anschaffen“, so die Verwaltung in der Beschlussvorlage für die Mitglieder des Fachausschusses. Auch die Stadt Geretsried hatte mehrheitlich abgelehnt, solche Geräte zu kaufen.

Wolfratshausen: Weidach und Waldram werden nachgerüstet - die größte Schule erst später

In den Schulen in Waldram und Weidach werden die Klassenzimmer anders nachgerüstet. Die Kommune setzt auf sogenannte dezentrale Lüftungsgeräte. Es handelt sich um Einbauten in Fenstern, die den Raum be- und entlüften. Wie Architekt Thomas Wenig, Mitarbeiter im Rathaus-Referat „Planen und Umwelt“ betonte, seien diese „vor dem Hintergrund der Pandemie und der Luftqualität hinsichtlich Nutzen und Nachhaltigkeit durchaus überlegenswert“. Einer möglichen Keimbelastung der Raumluft würde „wirkungsvoll entgegengewirkt“ – dasselbe gelte mit Blick auf die CO2-Konzentration im Klassenzimmer. Gleichzeitig würde durch das dezentrale Lüftungssystem „ein großer Teil der Wärme zurückgewonnen“, so Wenig.

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Grünen-Rat kritisiert: Größte Schule der Stadt fehlt im Beschluss

Im Bauausschuss herrschte Einigkeit über den Sinn der Maßnahme: Jeweils einstimmig votierten die Räte für den Einbau in den Klassenzimmern in Waldram, Weidach sowie im Hort und in der Mensa in Waldram. Diskussionen gab es, weil die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg – die größte in der Loisachstadt – in diesem Beschluss nicht inbegriffen ist. Das Gebäude wird wie berichtet generalsaniert und erweitert – mit der Fertigstellung ist aber erst in Jahren zu rechnen. Dr. Hans Schmidt (Grüne) kritisierte: „Wir haben jetzt eine Pandemie und jetzt den Bedarf.“ Drei bis fünf Jahre auf das Ende der Baumaßnahmen zu warten, hielt er für „unverantwortlich“. Laut Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) ist es aber wenig sinnvoll, „Räume auszustatten, die wir bald sanieren oder abreißen“. Alle Klassenzimmer in der Hammerschmiedschule sollen im Laufe der Arbeiten mit dezentralen Lüftern ausgestattet werden. Das reichte dem Großteil des Ausschusses.

Corona: Lüftungsanlagen in Wolfratshauser Schulen kosten wohl 1,4 Millionen

Pro Klassenzimmer schätzt die Stadtverwaltung die Kosten für die Umrüstung auf etwa 27 500 Euro. Die drei Maßnahmen kosten zusammengerechnet rund 1,4 Millionen Euro. Die Kommune hofft auf Zuschüsse des Bundes. Etwa 740 000 Euro muss die Stadt für die Aufrüstung der Klassenräume voraussichtlich selbst berappen. „Eine langfristige Lösung ist sinnvoll, auch wenn die Anschaffungskosten höher sind“, betonte der Bürgermeister. Wann die Lüftungsanlagen eingebaut werden können, ist unklar. Zum einen, weil die Geräte im Moment sehr gefragt sind und mit langen Lieferzeiten gerechnet werden muss. Zum anderen, weil es nicht möglich ist, die Umbauten während des laufenden Unterrichtsbetriebs vorzunehmen, erklärte Wenig.

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