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In Wolfratshausen soll eine psychiatrische Klinik entstehen - Bedarf ist massiv gestiegen

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Von: Dominik Stallein

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Eine junge Frau sitzt verzweifelt auf dem Boden
Die Corona-Maßnahmen sorgen laut Umfragen für eine heftige psychische Belastung bei vielen Menschen. Nicht nur deshalb soll in Wolfratshausen eine Klinik für Jugendliche und Erwachsene entstehen. © Christin Klose/dpa

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen. Wolfratshausen möchte nun entgegensteuern: In der Loisachstadt sollen Tageskliniken für Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie entstehen.

Wolfratshausen – Es waren zwei der am meisten diskutierten Themen des Sommers: Über den Klinikstandort Wolfratshausen wurde monatelang gerungen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit gerade bei jungen Menschen führten bundesweit zu kontroversen Diskussionen. Jetzt erwartet die Kommune eine Aufwertung der Kliniklandschaft.

Corona-Folge: Mehr psychisch Kranke - In Wolfratshausen soll jetzt eine Klinik entstehen

An der Königsdorfer Straße könnten künftig psychiatrische Tageskliniken eröffnen. Der Bauausschuss machte den Weg frei für eine Änderung des Bebauungsplans.

Der Bezirk Oberbayern hat klare Ziele formuliert: Menschen mit einer psychischen Erkrankung sollen möglichst nahe an ihrem Wohnort ambulante und individuelle Behandlungen wahrnehmen können. In Wolfratshausen und der Umgebung sei keine angemessene Versorgung im Bereich der Erwachsenenpsychiatrie vorhanden – die nächsten Angebote sind in München oder in Berg am Starnberger See. Für Kinder und Jugendliche gibt es zwar am Obermarkt eine Ambulanz der Heckscher-Klinik. Das Raumangebot ist jedoch begrenzt. „Es wurde festgestellt, dass diese Ambulanz allein für die Versorgung der minderjährigen Bevölkerung im Landkreis nicht ausreichend ist“, konstatierte Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend.

Wolfratshausen möchte Klinikstandort stärken: Psychiatrische Einrichtung auf dem Weg

Nun gibt es Pläne, die Versorgung psychischer Kranker in der Loisachstadt zu verbessern: An der Königsdorfer Straße 17 sollen neue Tageskliniken sowohl für Erwachsenen- als auch für Jugendpsychiatrie entstehen. Bürgermeister Heilinglechner begrüßt diesen Plan der Kliniken des Bezirks Oberbayern (kurz: kbo). „Ein weiterer Klinikstandort wäre ein immenser Vorteil und ein wichtiger Faktor für die Stadt“, betonte er. Das Behandlungsfeld nehme „immer weiter zu“. Zuletzt machten Erhebungen Schlagzeilen, dass im Zuge der Corona-Pandemie der Bedarf an psychiatrischer Betreuung massiv angestiegen ist. „Wir müssen dankbar sein, dass die kbo uns ausgesucht hat“, meinte SPD-Stadtrat Fritz Schnaller. „Der Bedarf ist da“, fügte Dr. Hans Schmidt an. Das Gesundheitsministerium hält in Wolfratshausen 16 weitere Plätze in der Kinder- und Jugend-, sowie 20 in der Erwachsenenpsychiatrie für nötig.

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Die sollen mit einem Neubau geschaffen werden. Denkbar wären auf dem Areal nahe der Berufs- und Realschule zwei verschiedene Gebäude-Varianten, über die im Gremium diskutiert wurde. Für die Öffentlichkeit wurden die einzelnen Varianten jedoch nicht zur Verfügung gestellt. Das Gremium favorisierte einen Neubau mit Tiefgarage. Der würde etwas weniger massiv ausfallen und für dessen Errichtung müssten weniger Bäume auf dem Areal gefällt werden.

Dr Hans Schmidt „Der Bedarf ist da“, findet der Grünen-Stadtrat, sorgt sich aber um den Baumbestand.
Dr Hans Schmidt „Der Bedarf ist da“, findet der Grünen-Stadtrat, sorgt sich aber um den Baumbestand. © Peter Knoblich

Grünen-Politiker möchte Baumschutz nicht vergessen - aber sieht Bedarf nach psychiatrischer Einrichtung

Vor allem dem Umweltreferenten Dr. Hans Schmidt war Letzteres ein Anliegen: Er betonte, dass möglichst viele Bäume erhalten werden sollen, die auf dem Grundstück stehen. Zum Beispiel eine 16 Meter hohe, mindestens 20 Jahre alte Bergulme, die über drei Meter vom geplanten Neubau entfernt steht, aber trotzdem fallen könnte. Außerdem hat der Umweltreferent große Bäume auf dem Grundstück entdeckt, die nicht als zu erhaltende Gewächse im alten Bebauungsplan verzeichnet sind – und demnach entfernt werden könnten. „Wenn die Bäume gesichert sind, wäre diese Variante für uns zustimmungsfähig“, sagte der Grünen-Stadtrat.

Wolfratshausen bringt Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie auf den Weg

Auch der Rest des Gremiums hieß den Plan gut. Nur Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) hatte Bedenken. „Bauwerber ist Bauwerber – egal, ob uns gefällt, was er bauen möchte.“ Auch wenn es um eine psychiatrische Tagesklinik gehe, „kann ich den Plänen nicht zustimmen“, sagte er. Vor allem die Überschreitung der im Plan festgelegten Grundfläche schreckten ihn ab. Kugler hob als einziger seine Hand gegen die Bebauungsplanänderung. Mit 8:1 Stimmen machte der Ausschuss den Weg frei für die Änderung.  dst

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