Auf Nummer sicher: Bevor sie sich an Weihnachten mit Familienmitgliedern treffen, wollen sich viele Menschen noch auf das Coronavirus testen lassen. Foto: Tom Weller/dpa
+
Auf Nummer sicher: Bevor sie sich an Weihnachten mit Familienmitgliedern treffen, wollen sich viele Menschen noch auf das Coronavirus testen lassen.

Corona-Abstrich auf den letzten Drücker

Arztpraxen stellen sich auf Ansturm vor Weihnachten ein

Bis Weihnachten sind es nur noch wenige Tage. In Arztpraxen rechnet man damit, dass sich vorher noch viele Bürger auf Corona testen lassen wollen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Den Heiligabend verbringen die meisten Menschen am liebsten im Kreise ihrer Familie. In Zeiten einer weltweiten Pandemie stellen sich viele jedoch die Frage, ob eine gemeinsame Feier eine große Ansteckungsgefahr birgt, insbesondere für die älteren Verwandten aus der Risikogruppe. Mit einem Corona-Test wollen viele dieses Risiko weitestgehend ausschließen. Deshalb rüsten sich Arztpraxen und Teststationen in der Region für einen Ansturm vor den Feiertagen.

„Ja, wir rechnen mit einem vermehrten Andrang“, sagt Ulrike Krivec. Laut der Pressesprecherin der Aicher Group, die das Testcenter an der Flinthöhe betreut, ist eine personelle Aufstockung allerdings nicht nötig, „da die zur Verfügung stehenden Termine nicht ausgebucht sind“. Von bis zu 200 Patienten können in der Einrichtung täglich Tests abgenommen werden. „Im Dezember haben wir bislang eine Auslastung von rund 48 Prozent“, sagt Krivec. Im November lag diese Zahl mit 55 Prozent, also durchschnittlich 110 Abstrichen täglich, etwas höher. Im Oktober (41 Prozent) und September (37 Prozent) buchten Interessenten weniger Termine. Die Betreuung der Patienten, die ohne Symptome sind, übernehmen auf der Flinthöhe täglich ein Arzt, ein „Einsatzabschnittsleiter“ sowie drei Testhelfer“. Wer sich auf das Virus testen lassen möchte, muss ein bisschen Geduld mitbringen: In der Regel dauere es nach der Abnahme 24 bis 48 Stunden, bis das Ergebnis vorliege, erklärt Krivec. „Dies ist jedoch abhängig von dem zuständigen Labordienstleister.“ Einen Termin für den Corona-Test kann man online vereinbarn (www.coronatest-toelz.de).

Auf der Flinthöhe gibt es noch Kapazitäten

Das Testcenter auf der Flinthöhe stehe für freiwillige Tests zur Verfügung, wer Symptome habe, lasse sich bei einem Hausarzt testen, erklärt der Tölzer Allgemeinmediziner Dr. Matthias Bohnenberger. Dass nicht alle Testungen in den Arztpraxen abgenommen werden müssen, sei eine wichtige Erleichterung für ihn und seine Kollegen: „Die Praxen sind aktuell voll“, sagt er. Zum einen, weil das zu dieser Jahreszeit meist so ist, zum anderen, weil sich Patienten wegen Corona-Symptomen testen lassen möchten. Dafür gelten klare Regeln: Um ein Ansteckungsrisiko auszuschließen, ist eine telefonische Voranmeldung nötig. „Man kann nicht einfach in die Praxis marschieren und sich mit einem Verdacht auf das Corona-Virus ins Wartezimmer setzen“, mahnt Bohnenberger. Stattdessen bittet er den Patienten, zu klingeln und vor der Tür zu warten, bis eine Arzthelferin ihn in ein freies Zimmer führt.

In der Wolfratshauser Hausarztpraxis an der Loisach sitzen Dr. Martina Mauerer vor allem symptomfreie Patienten gegenüber: „In der Mehrzahl sind es aktuell freiwillige Tests“, die die Medizinerin und ihr Team durchführen. Sie rechnet damit, dass dieser Anteil vor den Weihnachtstagen ansteigt. „Wir kriegen schon jetzt Anfragen, ob Patienten am 22. oder 23. Dezember für einen Corona-Test vorbeikommen können.“ Ob ein so kurzer Zeitraum für einen Labortest ausreicht, könne sie nicht garantieren. „Üblicherweise dauert es im Moment nicht sehr lange, meist nur einen Tag, bis die Ergebnisse da sind“, sagt sie. Wenn mehr getestet wird und die Labore möglicherweise wegen der Feiertage nicht mehr in voller Mannschaftsstärke besetzt sind, „kann es aber auch länger dauern“.

Lesen Sie auch: Ausnahmezustand in der DHL-Zustellbasis

Zwei Tage vor Heiligabend „besteht die Chance, dass die Zeit noch reicht. Garantieren will ich es aber niemandem.“ Möglich sei es jedoch, einen Schnelltest durchzuführen: „Dann liegt das Ergebnis in 20 bis 30 Minuten vor“, sagt Mauerer. Absolute Sicherheit kann sie aber auch bei einem negativen Ergebnis keinem ihrer Patienten mitgeben: „Die Tests sind nur eine Momentaufnahme, das darf man nicht vergessen.“

Dr. Jörg Lohse bestätigt die Aussage seiner Kollegin. Der Münsinger Arzt vergleicht die unterschiedlichen Ergebnisse mit Fotografien: „Die Labortests sind noch schärfere Fotos als die Schnelltests.“ In beiden Fällen kann sich die fotografierte Szene „aber schon ein paar Minuten später verändern“. Einen Test vor Weihnachten hält er dennoch „für sehr sinnvoll – wenn man beim Verwandtenbesuch trotzdem vorsichtig ist“. Lohse kann „jeden Menschen verstehen, der sichergehen möchte“. Wer erst kurz vor Heiligabend einen Test machen lasse, müsse sich vermutlich mit einem Schnelltest begnügen, „die sind aber inzwischen auch von guter Qualität“.

In Senioreneinrichtungen müssten Besucher vor dem Verwandtenbesuch ein negatives Testergebnis vorlegen. „In diesem Fall werden die Patienten auf Kosten des Staats getestet“, erklärt der Münsinger. Ein freiwilliger Schnelltest koste – samt Service-Leistung, Attest und Material – 30 Euro. Dominik Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare