Josef Seitner, Flößer aus Wolfratshausen-Weidach
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Uraltes Handwerk: Die Flößerei steckt pandemiebedingt in ernsthaften Schwierigkeiten. Eine große Investition jährlich: die Holzstämme. Wenn München sie spenden würde, hätte Josef Seitner nichts dagegen.

Josef Seitner findet es gut

Münchner CSU will Wolfratshauser Flößern Holz spenden

  • Volker Ufertinger
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Auch in München sorgt man sich jetzt um den Erhalt der Wolfratshauser Flößerei. Die Idee, Stämme zur Verfügung zu stellen, kommt bei Josef Seitner gut an.

Wolfratshausen/München – Die Flößerei verbindet Wolfratshausen und München auf besonders schöne Art und Weise. Daher verwundert es nicht, dass die Existenznot der Flößer auch in der Landeshauptstadt registriert worden ist. Die CSU im Rathaus hat jetzt den Antrag gestellt, der forstwirtschaftliche Betrieb der Stadt möge den Flößern geeignete Baumstämme stiften. „Die Flößerei ist nicht nur ein Freizeitvergnügen, sondern eine der schönen Münchner Traditionen“, heißt es im Antrag.

Josef Seitner aus Weidach verhehlt nicht, dass eine solche Spende willkommen wäre. „Der Ansatz ist nicht schlecht“, sagt der Flößer. Die Bäume – es sind Fichten – muss er jedes Jahr neu kaufen. Es handelt sich um eine beachtliche Investition: Jeder „Frischbaum“ kostet zwischen 175 und 250 Euro. Wenn man weiß, dass jedes Floß aus 14 Stämmen besteht und die Seitners über drei verfügen, kann man sich ausrechnen, dass der Preis in Summe in die Tausende geht. „Früher hatten wir sechs Flöße“, so Seitner. „Da hätte man sich dann schon einen Fiat davon kaufen können.“

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Der hohe Preis hängt auch damit zusammen, dass geeignete Fichten schwer zu finden sind. „Sie müssen schön gerade gewachsen sein und das richtige Alter mitbringen.“ Außerdem sollten sie zum Zeitpunkt der Abholzung möglichst trocken sein, sprich: Es geht nach Mondphasen. „Wir sind zwischen der Jachenau und Augsburg unterwegs, um das Richtige zu finden“, so Seitner. Verkaufen lässt sich das Holz im Herbst nur schwer. Es ist strapaziert von den vielen Fahrten auf der Isar, und Nägel stecken außerdem drin, das drückt den Preis.

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Der Weidacher vermutet hinter der Aktion der Münchner CSU Ex-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, der sich kürzlich für die Flößer stark gemacht hatte. Allerdings: „Geredet hat mit mir noch keiner, ich warte ab.“ Seitner will die Not seines Betriebs nicht dramatisieren. „Freilich ist es nicht einfach, aber wie uns geht es vielen. Man braucht sich nur die Gastronomen anschauen.“ Über Politikern, die unbequeme Entscheidungen treffen müssen, will er nicht den Stab brechen. „Die machen das doch auch nicht gerne. Aber die Gesundheit ist nun einmal das Wichtigste.“

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