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Selbstbewusst: Die 15-jährige Emilie Fröhner leitet die „Fridays for Future“-Gruppe in Wolfratshausen.

Realschülerin (15) brennt für den Klimaschutz

Jeden Freitag: Deswegen wird in Wolfratshausen jetzt Krach gemacht

Emilie Fröhner (15) ist erklärte Klimaschützerin. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät die Wolfratshauserin ihre Beweggründe - und warum es freitags so laut ist in der Altstadt.

Wolfratshausen – Als sie zum ersten Mal an einem Freitagvormittag nach München zur „Fridays for Future“-Demo fuhr, hätte Emilie Fröhner auch einen Verweis in Kauf genommen. So sehr brannte die 15-jährige Realschülerin aus Wolfratshausen damals schon für den Klimaschutz. Heute, gut ein Jahr später, leitet sie zusammen mit ihren Freunden David und Annika die Wolfratshauser Bewegung, der eine kleine Gruppe von etwa zehn Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren angehört.

Seit Anfang Juli stehen die Mädchen und Buben jeden Freitag ab 14 Uhr für eine Viertelstunde in der Altstadt und machen mit Blechtrommeln, Schildern und Parolen auf aktuelle Umweltthemen wie etwa den geforderten Ausstieg aus dem Kohleabbau deutlich vor dem Jahr 2038 aufmerksam.

Auf ihrem Shirt steht: „Rettet die Wale“

„Nachdem ich in München war und dann beim Sommerkongress von ,Fridays for Future‘ in Dortmund und dort dieses gemeinsame Einstehen für eine Sache live miterlebt habe, wollte ich unbedingt in Wolfratshausen eine Ortsgruppe gründen“, erzählt Emilie, ein selbstbewusstes Mädchen mit langen Haaren, „Rettet die Wale“-T-Shirt, kurzer Hose und Turnschuhen. Das gelang ihr Anfang des Jahres. Eigentlich sollten die Freitags-Demos schon im März beginnen, doch die Corona-Pandemie kam den jungen Umweltaktivisten dazwischen.

Aber jetzt wollen sie loslegen, denn „die Klimakrise wartet nicht, bis Corona vorbei ist“, wie Emilie sagt. Ihre Generation sei die letzte, die noch eine Umkehr bewirken könne. Wie ihr Vorbild Greta Thunberg („Was die losgetreten hat, ist großartig“) scheut die 15-jährige Wolfratshauserin die Öffentlichkeit nicht. Kürzlich trat sie auf Einladung des Umweltreferenten des Stadtrats, Dr. Hans Schmid von den Grünen, bei einem Livestream im Hinterhalt auf. Thema: Wie kann die Stadt klimafreundlicher werden? Emilie, die sich vegan ernährt, viel Fahrrad fährt und so weit wie möglich auf Plastik verzichtet, will vor allem mehr und bessere Radwege, um den Umstieg aufs Zweirad attraktiver zu machen. „Das Autochaos“ in der Stadt müsse eingedämmt werden. Außerdem fordert sie, dass die Stadt verstärkt auf erneuerbare Energien wie Photovoltaik oder Holzhackschnitzel setzt. Schließlich wünscht sie sich einen Bürgerrat. Er würde zu „umweltbewussteren Entscheidungen“ führen, glaubt sie.

Stadt Wolfratshausen hat den Klimanotstand ausgerufen

Auch wenn ,Fridays for Future‘ unabhängig von Parteien oder Organisationen arbeitet, tauschen sich Emilie und ihre Mitstreiter mit örtlichen Verbänden wie den Grünen oder dem Bund Naturschutz aus. „Die haben Erfahrung. Warum sollten wir da nicht drauf zurückgreifen?“, findet sie. Wolfratshausen habe den Klimanotstand ausgerufen. Jetzt müsse die Stadt danach handeln, sagt Emilie. Nur wenn möglichst viele – auch junge – Menschen darauf drängten, könne es klappen. Selbst während der Sommerferien wollen die Umweltaktivisten freitags auf die Straße gehen. Ums Schuleschwänzen geht es den jungen Leuten also keineswegs, wie ihnen manchmal vorgeworfen wird. Das Plenum, das sich einmal in der Woche treffe, bereite weitere Aktionen vor, berichtet die Sprecherin.

Der Klimaschutz ist Emilies ganz großes Ziel, aber auch der soziale Bereich liegt ihr am Herzen. Nach dem Realschulabschluss wolle sie sich neben dem Engagement bei „Fridays for Future“ erst einmal ein Jahr lang sozial betätigen, „vielleicht bei Sea-Watch“, erzählt sie: „Ich freue mich total auf dieses freie Jahr“. Anschließend ist eine Ausbildung zur Krankenschwester geplant.

Und wenn sie jemand „Öko“ nennt?

Die Neuntklässlerin weiß im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen genau, was sie will. Dass sie von Mitschülern manchmal als „Öko“ belächelt wird, stört sie nicht mehr. „Anfangs habe ich mit denen diskutiert. Aber inzwischen sage ich mir: Lass sie reden.“ In ihrem Freundeskreis gebe es genügend junge Leute, die ihren Einsatz gut fänden, auch wenn sie nicht selber auf Demos gingen. „Es herrscht eine große Unzufriedenheit“, hat Emilie Fröhner festgestellt. Leider werde das Thema Klimaschutz in der Schule kaum behandelt. Auch deshalb sei die „Fridays for Future“-Bewegung so wichtig. 

Nächste Aktion

Die nächste Protestaktion findet an diesem Freitag, 24. Juli, um 14 Uhr in der Wolfratshauser Altstadt statt. Unter dem Motto „Aufwachen! Klimanotstand“ wird mit allerlei Instrumenten Lärm gemacht.

Tanja Lühr

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