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Dialog zwischen „Spaziergängern“ und „WOR tolerant“ kommt in Gang - Aufruf zu Besonnenheit

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Von: Volker Ufertinger

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Am Montagabend standen sich die Spaziergänger (li., ohne Maske) und die Gegendemonstranten gegenüber.
Noch am vergangenen Montag standen sich Spaziergänger und Gegendemonstranten in der Altstadt gegenüber. Jetzt scheint ein Dialog in Gang zu kommen. Die Initiative von Dr. Josef Hingerl zur Versöhnung brauchen sie dafür nicht. © Sabine Hermsdorf-Hiss/ Archiv

„WOR tolerant“ und die „Spaziergänger“ haben sich auf baldige Dialogrunden verständigt. Vom Hingerlschen Vorstoß zur Versöhnung sind beide Seiten überrascht.

Wolfratshausen – Die „Spaziergänger“ und die Organisatoren der Menschenkette gehen aufeinander zu. In einer gemeinsamen Presseerklärung, die sowohl in der Facebookgruppe „WOR tolerant“ als auch auf der Telegram-Gruppe „Friedensboten Wolfratshausen“ (bis vor kurzem „Freiheitsboten Wolfratshausen“) am Wochenende veröffentlicht wurde, betonen beide Seiten, dass sie gemeinsam auf einen offenen Dialog hinarbeiten wollen, der alle aus dieser „bedrückenden Situation hinausführt.“

Bei einem Gespräch am Freitag wurde gemeinsam überlegt, wie es gelingen kann, sich jenseits der Demonstrationen und „Spaziergänge“ inhaltlich zu verständigen. Dabei ist laut Pressemitteilung die Idee entstanden, Dialogräume und Dialogrunden zu schaffen, in denen regelmäßig und für alle offen eine einzelne, vorab definierte Themen besprochen werden können. „Beiden Seiten ist klar, dass wir nicht die Corona-Politik der Länder und des Bundes verändern können, aber beide Seiten haben den Wunsch nach einem offenen, demokratischen Austausch von Sachargumenten formuliert“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung.

Spaziergänger distanzieren sich von Rechtsextremen

Für die Vertreter der Menschenkette ist es von großer Wichtigkeit, dass sich die „Spaziergänger“ nicht von rechtsextremen Gruppen und deren Ideologie vereinnahmen lassen. Diese Gefahr ist den „Spaziergängern“ bewusst, heißt es in der Pressemitteilung. Ein erster Schritt sei folgende Erklärung: „Wir distanzieren uns von Gewalt und Extremismus gleich welcher Art. Wir bitten auch darum, von Demo-Tourismus zu den Spaziergängen in Wolfratshausen abzusehen.“ Unterzeichnet haben diese für die Vertreter der Menschenkette entscheidenden Sätze drei maßgebliche Spaziergänger mit ihren Initialen, nämlich I.H., N.P. sowie C.H.

Beiden Gruppen ist klar, dass die Corona-Einschränkunge eines Tages aufgehoben werden. „Bis dahin, und auch dann müssen wir uns alle – gerade in einer kleinen Stadt wie Wolfratshausen – wieder in die Augen sehen können. Daher bitten beiden Seite erneut für die Veranstaltung am Montag um „besonnene und ruhige Stimmung.“ Die „Spaziergänger“ werden wohl ab 18.30 Uhr wieder vom Edeka an der Sauerlacher starten und dann durch die Altstadt und die Bahnhofstraße marschieren. Die Menschenkette trifft sich um 18.30 Uhr an der alten Floßlände, um sich an beiden Seiten der Loisach aufzustellen und für einen solidarischen Weg aus der Pandemie stark zu machen.

Beide Seiten betonen, dass sie vom Versöhnungsgipfel, den Dr. Josef Hingerl beim Landratsamt angemeldet hat, „überrascht“ waren. Wie berichtet will der Anwalt, der sich bislang als scharfer Kritiker der staatlichen Corona-Maßnahmen hervorgetan hat, am Marienplatz beide Gruppen zusammenführen und zum Gespräch bewegen. Der Jurist hatte seinen Vorstoß laut Pressemitteilung mit keiner der beiden Seiten abgesprochen. „Beide Seiten wissen das Angebot von Herr Hingerl zu würdigen“, heißt es in der Mitteilung. Eingehen wird darauf aber offenbar niemand.

Der Wolfratshauser Anwalt hält an seinem Plan eines Rundgangs ab 18.30 Uhr fest (Obermarkt, Bahnhofstraße, Floßkanal, Sauerlacher Straße, Johannisgasse). Dabei sollen die Menschen beider Seiten miteinander ins Gespräch kommen. Wie er in einer Video-Botschaft auf seiner Facebook-Seite mitteilt, habe er den Rundkurs auch beantragt, um einem Verbot der Spaziergänge durch das Landratsamt wie in Starnberg zuvorzukommen. Masken sind nach Angaben Hingerls bei diesem Spaziergang nicht nötig. Der Plan, dass die Dialogwilligen Kerze und Maske mitbringen und sich daran erkennen, ist damit hinfällig. Unerwünscht sind Schilder, um Sticheleien zu vermeiden. „Ich freue mich auf diesen Montag“, schreibt Hingerl. „Wolfratshausen lebt ein Beispiel für Bayern.“

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