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Kein Allheilmittel, aber eine beliebte Variante: An den rot markierten Straßenzügen könnten sich die Wolfratshauser Stadträte Tempo-30-Zonen vorstellen.

Der Lärm soll raus

An diesen Stellen könnte bald Tempo 30 gelten

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Wolfratshausen – Tempo 30, Flüsterasphalt und breitere Gehwege: Der Stadtrat will mit einem Aktionsplan seine Bürger besser schützen.

Den Verkehrslärm aus der Stadt zu verbannen, das geht nicht. Den Lärm zu reduzieren, dafür gibt es mehrere Optionen. Welche das sind, das präsentierte Antje Janßen dem Wolfratshauser Stadtrat in dessen jüngster Sitzung. Janßens Büro, die LK Argus GmbH mit Sitz in Kassel, hatte den Auftrag, eine Lärmaktionsplanung auszuarbeiten. Nach einer Auftaktveranstaltung und einer ersten Beteiligung der Öffentlichkeit hat LK Argus konkrete Vorschläge erarbeitet, wie man den Wolfratshausern ein wenig mehr Ruhe verschaffen könnte.

Janßen zufolge konzentrieren sich die Bemühungen auf drei Bereiche: das Drosseln der Geschwindigkeit, etwa durch Einführung von Tempo-30-Zonen; die Sanierung von Fahrbahnen zum Beispiel durch den Einbau von so genanntem Flüsterasphalt; und auf das, was man im Amtsdeutsch „straßenräumliche Maßnahmen“ nennt, etwa die Verbreiterung von Gehwegen oder die Markierung von Schutzstreifen. In Sachen Geschwindigkeitsreduzierung auf Bundes- und Landesstraßen machte die Expertin ein wenig Hoffnung: Der Bund unter Federführung von Verkehrsminister Alexander Dobrindt will die bislang schwierige Einführung von Tempo 30 künftig erleichtern.

Grundlage für die Vorschläge von LK Argus sind die Belastungen an Lärmbrennpunkten, die sie sich aus den Untersuchungen der Verkehrsexperten ergeben haben. „Wichtig ist nicht, wie und wo es Lärm gibt“, sagte Antje Janßen in der Sitzung, „sondern wo wie viele Menschen betroffen sind.“ In Wolfratshausen seien rund 1500 Menschen durch sehr hohe Lärmpegel belastet. Diese Zahl könne erheblich reduziert werden. „Mit dem, was wir vorschlagen, haben wir eine ganz gute Lärmminderungswirkung.“

Unabhängig davon, ergänzte Janßen, sei es wichtig, so genannte „Ruhige Gebiete“ in den Lärmaktionsplan zu schreiben, Gebiete also, die keinem Verkehrs-, Industrie-, Gewerbe- oder Freizeitlärm ausgesetzt sind. Für Wolfratshausen schlägt sie die Isarauen, den Bergwald sowie die Loisach und ihre Ufer vor. Diese Gebiete würden besonders berücksichtigt, wenn andere Planungen anstehen, etwa der Bau von Straßen.

Grundsätzlich zeigten sich die Räte zufrieden mit Janßens Vorschlägen. Ein wenig Skepsis klang aber auch durch. Günther Eibl (CSU) etwa verwies darauf, dass die CSU und eine Bürgerinitiative seit acht Jahren für Tempo 30 auf der Schießstättstraße kämpfen. Peter Plößl, ebenfalls CSU, stieß ins gleiche Horn. „Die Tempo-30-Diskussion führen wir seit 2002. Wir haben viel Druck aufgebaut. Passiert ist nichts.“ Dr. Hans Schmidt, dessen Grüne für die Bahnhofstraße bereits einmal Tempo 30 beantragt hatten, formulierte es dagegen positiv: „Es freut mich, dass das Thema in den Mittelpunkt rückt.“ Weitere Fragen drehten sich um die Zeitschiene oder um die generellen Chancen für all diese Ideen. Diese konnten weder die Expertin von der LK Argus noch die Spezialisten von der städtischen Verwaltung beantworten.

Der Stadtrat beschloss einstimmig, die Vorschläge der LK Argus samt einer ergänzenden Idee aus dem Gremium in den Entwurf des Lärmaktionsplans zu schreiben. Die Idee, auf der Sauerlacher Straße im Bereich der Schule Tempo 30 einzuführen, wie bereits in einem Bürgerantrag gefordert, soll auf Vorschlag von Hans Schmidt ebenfalls weiterverfolgt werden – auch wenn diese Maßnahme weniger der Lärmminderung, sondern eher der Verkehrssicherheit dienen würde. Als nächstes werden erneut die Öffentlichkeit sowie die Träger öffentlicher Belange um ihre Meinung gefragt.

Der Aktionsplan im Überblick

  • B11 Untermarkt (Münchner Straße bis Bahnhofstraße: Fahrbahnsanierung mit lärmminderndem Asphalt ist bereits geplant. Ergänzend Tempo 30 ganztags.
  • B11 Untermarkt/ Obermarkt (Bahnhofstraße bis Johannisgasse): Tempo 30 ganztags.
  • Schießstättstraße: Tempo 30 ganztags (Am Waldrand bis Sauerlacher Straße). Ergänzend mittelfristig die Sanierung der Fahrbahn mit lärmminderndem Asphalt.
  • Bahnhofstraße/Am Floßkanal (Gartenstraße bis 90 Meter nördlich des Hammerschmiedwegs): Tempo 30 ganztags.
  • St 2070 Sauerlacher Straße (Am Floßkanal bis Schießstättstraße): Fahrbahnsanierung mit lärmminderndem Asphalt ist bereits geplant. Empfohlen wird ein Schutzstreifen auf der südlichen Fahrbahnseite.
  • B11 Königsdorfer Straße (Johannisbrücke bis Wettersteinstraße): Tempo 30 nachts. Ergänzend wird ein Schutzstreifen sowie die Gehwegverbreiterung auf der östlichen Fahrbahnseite empfohlen, gegebenenfalls im Zuge von Sanierungsarbeiten.
  • B11 Johannisgasse/ St 2370 Obermarkt (Johannisplatz bis 20 Meter südlich der Beuerberger Straße): Tempo 30 ganztags.
  • Äußere Münchner Straße (etwa 80 Meter nördlich Am Hang bis 30 Meter südlich der Weidacher Hauptstraße): Es soll geprüft werden, ob eine Fahrbahnssanierung nötig ist. Wenn ja, soll diese mit lärmminderndem Asphalt erfolgen.
  • St 2070 Sauerlacher Straße (etwa 70 Meter westlich der Wettersteinstraße bis Am Floßkanal): Fahrbahnsanierung mit lärmminderndem Asphalt ist bereits geplant. Einrichtung eines Schutzstreifens auf der südlichen Fahrbahnseite.
  • St 2070 Äußere Sauerlacher Straße (Schießstättstraße bis etwa 100 Meter westlich des Lärchenwegs): Fahrbahnsanierung mit lärmminderndem Asphalt ist bereits geplant. Einrichtung eines Schutzstreifens auf der südlichen Fahrbahnseite.
  • Sauerlacher Straße: Tempo 30 im Bereich der Schule.

fla

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