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„Eine super Erfahrung, aber noch mal würde ich das nicht machen“: Philipp Böcking beim Zugspitz-Supertrail, ein Ultralauf von Leutasch nach Grainau über 62,8 Kilometer und knapp 3000 Höhenmeter. 

Porträt der Woche

Dieser Wolfratshauser möchte die sechs wichtigsten Marathons der Welt laufen

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Der Wolfratshauser Philipp Böcking hat nach einer Auszeit zum Marathon zurückgefunden. Jetzt hat er seine Zeit weit unter drei Stunden geschraubt. 

Wolfratshausen – Die erste Karriere von Marathonläufer Philipp Böcking war nur von kurzer Dauer. Mit 18 Jahren nahm der Wolfratshauser an einem Kurs von Christian Walters Laufschule „cw-Running“ teil und absolvierte 2007 in Berlin seinen ersten Wettkampf über die legendären 42,195 Kilometer. Kurz danach hängte er unter anderem aus beruflichen Gründen die Laufschuhe an den Nagel. Vor etwa zwei Jahren ist Böcking dann wieder durchgestartet – diesmal mit einem mittel- bis langfristigen Plan: „Ich möchte die sechs wichtigsten Marathonläufe der Welt absolvieren.“ Zwei davon hat er schon gefinisht (Berlin und Boston), als nächstes stehen New York, London, Chicago und Tokio auf dem Plan.

Die sportlichen Gene bekam der 28-Jährige von seinem Vater mit: Hermann Böcking war viele Jahre Turnabteilungsleiter beim TSV Wolfratshausen und ist heute noch als Trainer tätig. Philipp beschäftigte sich während seiner Kindheit und Jugend mit Tennis, Judo und Schwimmen. Gemeinsam absolvierten die Böckings dann einen Halbmarathon-Lehrgang. „Es hat Spaß gemacht, auch weil ein paar Freunde mitgemacht haben“, sagt der gelernte Bankkaufmann. Der zweite Oberland-Halbmarathon zwischen Wolfratshausen und Geretsried war für den damals 18-Jährigen das erste richtige Rennen: „Ich habe 1:40 Stunden gebraucht und war super zufrieden.“ Als Böcking mitbekam, dass einige Spezl die nächste Hürde – den Marathon – in Angriff nahmen, schloss er sich an.

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Folgerichtig war die nächste Station Berlin. „Das war ein Ereignis für uns junge Läufer, mit der ganzen cw-Running-Gruppe dort teilzunehmen“, erinnert sich Böcking angesichts von 40.000 Teilnehmern und einer zufriedenstellenden Zeit von 3:16 Stunden.

Dann folgte ein Bruch. „Ich war beruflich eingespannt, war nicht motiviert fürs Laufen.“ Zwei Jahre dauerte die Pause, ehe der Wolfratshauser wieder die Laufschuhe hervorkramte. Dafür gab es zwei Auslöser. Zum einen erfuhr er von der schweren Erkrankung seines ehemaligen Trainers Christian Walter; zum anderen hatte er die Vorstellung, einen Marathon unter drei Stunden zu laufen, immer im Hinterkopf. Er kramte Walters Trainingspläne wieder hervor und legte los. Im April 2017 ging der Wolfratshauser in Hamburg an den Start und durchbrach mit 2:56 Stunden seine Schallmauer. „Ich freute mich, dass ich es geschafft hatte, wusste aber nicht, ob ich weitermachen sollte.“

Trainingspläne wieder hervorgekramt

Als ihm ein Startplatz für den Berlin-Marathon zugelost wurde, griff er zu: „Ich wollte einfach noch mal laufen.“ Und der zweite Auftritt im September 2017 war mit 2:48 Stunden erfolgreich. Zwischenzeitlich nahm der 28-Jährige am Zugspitz-Supertrail teil. „Dazu habe ich mich von einem Arbeitskollegen überreden lassen. Eine super Erfahrung, aber noch mal würde ich das nicht machen .“

Für April 2018 bekam er das Ticket für den Marathon in Boston. Den Trip in die USA organisierte er auf eigene Faust und war für das Rennen guter Dinge. Doch die 25 000 Teilnehmer erwischte es im wahrsten Sinn des Wortes „eiskalt“. „Bei Temperaturen von nur vier Grad regnete es stark bei einem Gegenwind von 50 Stundenkilometern“, berichtet Böcking von den Torturen, denen etliche Läufer nicht gewachsen waren. „Ich habe mich durchgequält und es Gott sei dank unbeschadet überstanden.“ Mit 2:56 Stunden hatte er zudem sein Minimalziel erreicht.

Über den Großen Teich geht es auch im kommenden November wieder: Dank seiner guten Ergebnisse bekam der Wolfratshauser den Zuschlag für den New-York-Marathon. Begleitet wird er von Freundin Kathi, die nicht nur als Betreuerin, sondern auch als Motivatorin dabei ist: „Es tut gut, wenn man auf einer so langen Strecke hin und wieder ein bekanntes Gesicht am Straßenrand sieht.“ Für das Frühjahr plant Böcking einen Start in London oder in Tokio. Um sein großes Ziel und nicht zuletzt das anstrengende Training durchziehen zu können, hat sich der Student des Finanzwesens intensiver als früher mental mit seinem Sport auseinander gesetzt. 

Eine Fußballsaison in drei Stunden

„12 bis 13 Wochen vor einem Termin beginnt die direkte Vorbereitung. Dabei laufe ich sechs Mal pro Woche zwischen 100 und 130 Kilometern.“ Böcking achtet darauf, dass die Distanzen unterschiedlich lang sind. Für sein Training holt er sich Anregungen aus dem Internet und von einer Läufer-Community, die ihre Ideen und Erfahrungen auf Instagram teilt. „Das ist auch Kopfsache, denn bei den vielen unterschiedlichen Maßnahmen lernt man sich selbst besser kennen.“ Zudem hat er mit Freundin Kathi und Vater Hermann kompetente Ansprechpartner und Helfer.

Und wie sieht es mit sportlicher Ernährung aus? Der 28-Jährige, der pro Jahr sieben bis acht Paar Schuhe verbraucht und sich nicht nur deshalb über die Unterstützung eines Sponsors freuen würde, sagt schmunzelnd: „Dunkle Schokolade ist mein Laster.“ Richtiggehend kasteien möchte er sich auch während des Trainings nicht: „Dann bin ich halt beim Rennen eine Minute langsamer – nicht so schlimm.“

Und wie muss man sich nun einen Marathon-Lauf vorstellen? „Eigentlich“, sagt Böcking, „ist es von der ganzen Gefühlswelt her wie eine ganze Fußballsaison – innerhalb von drei Stunden.“ tw

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