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Gegen Klischees: Mit ihrem Stück wollen Jugendliche aus Wolfratshausen und Umgebung ihr Publikum zum Nachdenken bringen. 

Ein Roadtrip nach Istanbul

Dieses Jugendtheater beleuchtet Flucht aus einer ganz neuen Perspektive

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Wolfratshauser und Starnberger Jugendliche haben unter professioneller Anleitung das Theaterstück „Mädchen und andere Flüchtlinge“ entwickelt - und werfen interpretieren das Thema „Flucht“ ganz neu. 

Wolfratshausen/Starnberg – Ein Zug fährt von München nach Istanbul. Die Passagiere könnten unterschiedlicher nicht sein: ein schwangeres Mädchen, das ihrem afghanischen Freund hinterher reist. Zwei Abiturientinnen, die vor ihren Prüfungen fliehen. Ein junger Deutscher, der zur Terrororganisation Islamischer Staat will, ein afrikanischer Nazi. Das sind einige der Figuren aus dem Theaterstück „Mädchen und andere Flüchtlinge“, das Schauspielerin Katharina Schwarz zusammen mit 22 Schülern aus Wolfratshausen und Starnberg entwickelt hat. Am Freitag, 15. Juni, findet um 19 Uhr die Premiere im Caritas Mädchenhaus in Gauting statt.

Die Produktion ist das Ergebnis eines Workshops für Jugendliche, den die Leiterin der Schauspielschule Schwarz regelmäßig in der Region anbietet. „Die Teilnehmer waren sich schnell einig, dass sie einmal komplett andere Wesen darstellen möchten. Außerdem wollten sie sich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen“, berichtet Schwarz im Gespräch mit unserer Zeitung. Herausgekommen sei eine Art „moderner Roadmovie mit einer „sehr modernen und direkten Sprache“.

„Jeder hat einen Charakter kreiert“

Innerhalb eines Jahres haben die Jugendlichen unter professioneller Anleitung „Mädchen und andere Flüchtlinge“ erarbeitet. Das Stück befasst sich „mit der Sehnsucht nach Geborgenheit, der Überforderung mit den Anforderungen an die Jugendlichen heutzutage und den extremen Haltungen, die sich daraus ergeben“, erklärt Schwarz. „Jeder hat einen Charakter kreiert und sich eine Geschichte überlegt.“ Einige der Schauspieler, die aus Syrien und Afghanistan kommen, thematisieren beispielsweise eigene Erfahrungen.

Um die Handlungsstränge zu verbinden, spielt das Stück in einem Zug. „Dabei machen wir Halt an brisanten Station und nehmen Bezug darauf. Zum Beispiel auf das Leben der Straßenkinder in Budapest“, erklärt Schwarz. Auffällig sei gewesen, dass sich zwar viele der jungen Schauspieler während der Proben auf das Abitur vorbereitet haben, aber vom aktuellen Weltgeschehen kaum etwas wussten. „Das Projekt hat ihnen ein Stück weit die Augen geöffnet.“

Das soll auch das Publikum erleben. „In dem Stück werden Klischees bewusst gebrochen. Damit müssen sich die Zuschauer auseinandersetzen“, sagt Schwarz. Dazu haben sie mehrmals die Gelegenheit. Da das Projekt als Tourneetheater konzipiert ist, wird es ab Mitte Juni an verschiedenen Schulen im Kreis Starnberg aufgeführt. „Wenn noch mehr Einrichtungen – auch aus dem Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen – Interesse haben, sind wir dafür natürlich offen“, sagt Schwarz.

Aufführung

Im Rahmen der Kulturtage beim Starnberger Stadtfest wird „Mädchen und andere Flüchtlinge“ am Sonntag, 22. Juli, für alle Interessierten gezeigt. Das Stück beginnt um 19.30 Uhr in der kleinen Schlossberghalle. Der Eintritt ist frei. Die Darsteller freuen sich über eine Spende. mh

Lesen Sie auch: Wie ein Theaterprojekt Schülern dabei hilft, Depressionen vorzubeugen

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