+
Furchtloser Artist: Dominik Halamek war einer von acht Akrobaten, die sich vom 100 Meter hohen Park Inn am Berliner Alexanderplat z nacheinander abseilten. In einer Stunde kamen mehr als 3000 Höhenmeter zusammen.

Tollkühn in die Tiefe

Dominik Halamek hält den Weltrekord im Abseilen

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Es war der 6. Juli 2013, als sich Dominik Halamek mit acht anderen Artisten von einem Berliner Hochhaus abseilte. Danach war er Weltmeister, mit Eintrag im Guiness-Buch. 

Wolfratshausen – Es dürfte zwischen Isar und Loisach nicht allzu viele Menschen geben, die einen Guinness-Weltrekord aufgestellt haben. Der Wolfratshauser Tänzer, Varieté-Künstler und Choreograf Dominik Halamek (37) gehört dazu. Vor ziemlich genau sieben Jahren, am 6. Juli 2013, hat er in Berlin zusammen mit einem achtköpfigen Team den Rekord im vertikalen Abseilen gebrochen. Innerhalb einer Stunde kamen in einem waghalsigen Akt 3308,8 Meter zusammen. Die Notarin, die das Guinness-Buch zur Beglaubigung der Leistung geschickt hatte, zollte ihren Respekt, die bestehende Marke war um ein Vielfaches überboten worden. „Das war ein megagenialer Tag“, erinnert er sich.

Angefangen hat alles damit, dass vor vielen Jahren die Modefirma Esprit in Düsseldorf ihre Kollektion vorstellen wollte. Aber: Die Behörden verboten den Laufsteg in der Innenstadt. Damit ging die Firma kreativ um und nutzte stattdessen die umstehenden Hochhäuser. Das heißt: Der vertikale Laufsteg war erfunden, von nun an wurden Models abgeseilt. Jochen Schweizer, bekannt als Extremsportler und Unternehmer („Du bist, was Du erlebst“), gründete gar das „Vertical Catwalk Show Team“, das sich auf solche Events spezialisierte. Und genau dem gehörte Halamek an.

Ein Show-Event der Schufirma Ecco

Eine solche senkrechte Kollektionsvorstellung stand auch im Juli 2013 wieder an, die Schuhfirma Ecco wollte am Berliner Alexanderplatz, genauer am etwa 100 Meter hohen Park Inn, ihre neuesten Kreationen vorstellen. „Irgendjemand hatte dann die Idee, dass wir die Gelegenheit ja nutzen könnten, den Weltrekord zu brechen“, erinnert sich der Wolfratshauser. Er lag zu diesem Zeitpunkt bei 962 Metern in einer Stunde. Unten am Alex standen schon ganz viele Schaulustige, die sich das Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen wollten.

Dominik Halamek stand oben auf 97 Metern im feinen Zwirn und Ecco-Schuhen bereit. Angst hatte er keine. „Ich war mir meiner Sache sicher. Außerdem hatten wir ein geniales Technik-Team, auf das ich mich voll und ganz verlassen konnte.“ Also marschierte er auf der glatten Fassade des Park Inn, nur gehalten von einem Seil, hinab in die Tiefe, über sich den Himmel von Berlin, unter sich die vielen Schaulustigen. Etwa vier Mal war er unterwegs. Unten wurde ausgehakt, dann ging es mit einem Aufzug wieder hinauf. „Wenn man so will, war es wie ein Staffellauf“, erzählt er.

Nach einer Viertelstunde war der alte Rekord gebrochen

Es lief buchstäblich wie am Schnürchen, auch, weil Halamek und Co. gewohnt waren, unter Zeitdruck zu arbeiten. „Schon nach etwa einer Viertelstunde hatten wir den Rekord gebrochen, danach war die Stimmung total entspannt, es hat einen Riesenspaß gemacht“, erzählt er. Einmal wurde – regelkonform – das Seil gewechselt. Es wäre sonst heiß gelaufen. Danach war Party angesagt.

Vor wenigen Tagen hat Halamek den Jahrestag auf seiner Facebook-Seite gepostet. Die Reaktionen auf das Foto, das auch wir zeigen, lauteten von „Oh mein Gott“ bis zu „Ich kann gar nicht hinsehen.“ Der Tänzer selbst erinnert sich mit großem Vergnügen an das Event: „Es war großartig, besser hätte es gar nicht laufen können.“

Lesen Sie auch: Halameks heiße Samba-Show auf der Loisach

Übrigens: Das Guinness-Buch der Rekorde erscheint seit 1955 jährlich und sammelt Superlative aller Art, von menschlichen Höchstleistungen bis zu natürlichen Phänomenen. Viele Leser denken: Wer einmal einen Rekord gebrochen hat, wird immer wieder erwähnt – bis die Marke gebrochen worden ist. Doch so ist es nicht. „Die Redaktion entscheidet jedes Jahr neu, welche der unzähligen Bestmarken auf der Welt Aufnahme finden“, erklärt Heike Herd-Reppner vom Ravensburger Verlag, in dem das Guinness-Buch erscheint. „Oft gibt es auch bestimmte Themen, die im Vordergrund stehen.“ Daher herrscht Anfang September jedes Mal Spannung, ob ein Rekord noch – oder wieder – drin ist. Im Fall von Dominik Halamek kann sie bestätigen: „Der Rekord besteht noch, er ist nicht überboten worden.“ Ob er aber in der Ausgabe 2020 wieder erwähnt wird, muss geheim bleiben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unfall in Beuerberg fordert eine Verletzte
Ein Unfall ereignete sich am Dienstagvormittag in Beuerberg. Der angeforderte Rettungshubschrauber wurde zum Glück nicht gebraucht.
Unfall in Beuerberg fordert eine Verletzte
Bei Kontrolle auf A95: Mann behauptet, er sei nicht gefahren, sondern sein unsichtbarer Chauffeur
Schleierfahnder wollten einen Autofahrer an der A95 kontrollieren. Die Erklärung, die er ihnen auftischte, hatten sie auch noch nicht gehört. Denn er sei gar nicht …
Bei Kontrolle auf A95: Mann behauptet, er sei nicht gefahren, sondern sein unsichtbarer Chauffeur
Burgschenke in Wolfratshausen geschlossen: So geht es weiter
Wie alle Lokale musste auch die Burgschenke wegen Corona schließen. Nun brennt am Humplgassl noch immer kein Licht - nicht ohne Grund.
Burgschenke in Wolfratshausen geschlossen: So geht es weiter

Kommentare