Spannung steigt nur langsam

E-Mobilität: Im Landkreis nur „dezentes Interesse“ – doch Bauträger reagieren

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Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es derzeit 15 Stromtankstellen. Das Interesse hält sich noch in Grenzen, doch für Bauträger wird das Thema immer aktueller. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Knapp 15.000 Tankstellen gibt es in Deutschland. Wer die Anzeige seines Autos einigermaßen im Blick hat, läuft zwischen Oberstdorf und Flensburg, zwischen Erkelenz und Görlitz kaum in Gefahr, ohne Kraftstoff im Tank im Nirwana liegen zu bleiben. Sogar wer mit Autogas fährt, hat bei rund 6500 gut verteilten Zapfsäulen im Land beste Chancen, ohne Zwangsstopp durchzukommen.

Anders sieht es mit Ladestationen für – in der Reichweite zudem begrenzten – Elektrofahrzeuge aus. Deren Zahl lag in Deutschland im dritten Quartal dieses Jahres zwar bei rund 10.000. Doch die meisten konzentrieren sich auf die Ballungszentren München, Berlin, das Rhein-/Ruhrgebiet, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart. Auf dem Land muss sich das Angebot noch verbessern. Hier sind regionale Anbieter gefragt. „Wir sind zuversichtlich, dass der Ausbau der öffentlichen Ladestruktur zügig voranschreiten wird“, sagte Netzagenturchef Jochen Homann dazu kürzlich in einem Interview.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen waren nach Angaben von Marlis Peischer zum 31. Dezember 2017 166 Elektroautos zugelassen. Für die sowie E-Autos von Durchreisenden stehen im Kreis laut der Sprecherin des Landratsamts derzeit „etwa 15 Ladesäulen schneller als elf kW“ zur Verfügung. „Jüngst wurden Ladepunkte in Egling und Lenggries installiert.“ Diese beiden Stationen sowie alle weiteren bekannten Stromtankstellen im Landkreis seien im Internet auf der Übersichtsseite www.goingelectric.de/stromtankstellen gelistet, sagt Peischer. Diese Homepage, quasi die Bibel für Stromtanker, informiert überdies über den Betreiber, Ladeleistung und die Art des Anschlusses. Mittels mehrerer Filter lässt sich auch rasch klären, ob sie barrierefrei, also ohne Vertrag beziehungsweise Registrierung, nutzbar sind, welche Zahlungsmöglichkeiten bestehen oder ob eine gemeldete Störung vorliegt.

E-Mobilität wird zunehmend Thema für Bauträger

Die Bundesregierung forciert die Elektrifizierung des Autoverkehrs mit finanziellen Fördermaßnahmen. Sie will, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen rollen – ein überaus ambitionierter Plan. Anfang Januar dieses Jahres fuhren nämlich erst 54.000 Kfz mit dem Saft aus der Steckdose. Trotzdem: Die E-Mobilität wird zunehmend ein Thema für Bauträger, wie Andreas Huber bestätigt. „Gedanklich beschäftigen wir uns längst damit“, sagt der Geschäftsführer des in Grünwald ansässigen Unternehmens Keval. Die Firma hat in Geretsried viele Neubauten realisiert – allerdings noch ohne Ladesäulen. Das liegt einerseits daran, dass die E-Mobilität zu Beginn der Baumaßnahmen vor zwei, drei Jahren nicht im Fokus stand. Zum anderen sind die Stromtanken laut Huber aufgrund der „dafür notwendigen deutlich massiveren Hausanschlüsse“ mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Auch deshalb besteht – noch – wenig Nachfrage. „Aber im Geschosswohnungsbau mit den dazu gehörenden Tiefgaragen“ werde man künftig nicht um die Installation von Ladestationen herumkommen, prophezeit der Keval-Chef.

Olaf Breuer, bei der Krämmel Unternehmensgruppe Geschäftsführer für den Bereich Planung und Bauträger, weist in diesem Zusammenhang auf eine Problematik hin: Bei der Planung eines Neubaus „muss man gleich mit dem ersten Schritt einen um zehn bis 15 Prozent höheren Anschlusswert beim Energielieferanten beantragen“, um Stromtankstellen realisieren zu können. Nachträglich lässt sich dieser Anschlusswert nicht mehr erhöhen. Bei Krämmel-Projekten in Penzberg und in Wolfratshausen „sind wir „bereits in der Umsetzung“, sagt Breuer. Acht Stellplätze in der Tiefgarage an der Gebhardtstraße erhalten einen Ladeanschluss. Nur zwei Kunden hätten jedoch bislang danach gefragt. Auch Breuer spricht von einem dezenten Interesse. So gegenwärtig das Thema E-Mobilität also ist: Die Spannung steigt nur langsam. peb

Lesen Sie auch: Stadt belohnt jeden Wolfratshauser, der auf E-Mobilität umsteigt

Rubriklistenbild: © dpa / Patrick Pleul

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