Gehen gerne an der Loisach spazieren: ein Archivbild von Edmund Stoiber mit seiner Ehefrau Karin in Wolfratshausen.
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Gehen gerne an der Loisach spazieren: ein Archivbild von Edmund Stoiber mit seiner Ehefrau Karin in Wolfratshausen.

INTERVIEW

Warum sich Edmund Stoiber für die Wolfratshauser Flößer stark macht

  • Stefan Sessler
    vonStefan Sessler
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Dem ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber liegen die Wolfratshauser Flößer am Herzen. Ein persönliches Erlebnis spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle.

Wolfratshausen - Edmund Stoiber, 79, ist ehemaliger bayerischer Ministerpräsident, Ehrenbürger von Wolfratshausen und jetzt auch Floß-Retter. Er hat gerade erst einen offenen Brief an seinen Nachfolger Markus Söder geschrieben. „Ich wäre Dir dankbar“, heißt es darin, „wenn Deine Regierung sich dieser dramatischen Situation für die Flößereien annehmen würde.“ Im Interview erklärt der CSU-Ehrenvorsitzende, warum ihm diese Tradition so am Herzen liegt.

Herr Stoiber, standen Sie schon mal leibhaftig auf einem Floß?

Edmund Stoiber: Ja, natürlich. Ich kenne die Floßfamilie Seitner von den eindrucksvollen Johanni-Prozessionen zu Ehren des Brückenheiligen St. Johannes Nepomuk, die normalerweise alle drei Jahre stattfinden. Im Fackelschein gleiten die Flöße die Loisach hinab. 1994 haben die Wolfratshauser die Prozession nach vielen Jahre Pause wieder aufgenommen, ich war damals seit Kurzem Ministerpräsident. Natürlich bin ich bei der Wiederaufnahme dieser Tradition auf dem Floß mitgefahren. Aber das war eine nasse Angelegenheit.

Was ist passiert?

Edmund Stoiber: Den Tag werde ich nicht vergessen: Ich stand ziemlich weit vorne auf dem Floß, irgendwann sind wir die Floßrutsche am Kastenmühlwehr runtergefahren. Die Flößer hinten haben gerufen: „Überhaupt kein Problem, sie können da stehen bleiben. Es passiert nichts. Wir haben das getestet.“ Aber es kam anders: Ich bin völlig in die Loisach eingetaucht. Eine Welle hat alle erwischt, die vorne standen. Inzwischen weiß ich auch, warum das passiert ist. Die Flößer hatten die Floßrutsche zwar getestet, aber nicht mit einem voll besetzten Floß. Ich hatte einen wunderbaren, schönen Trachtenanzug an. Der wurde klatschnass. Danach bin ich schnell nach Hause, habe mich umgezogen und bin dann zurück zum Fest gegangen.

Bayerns Ministerpräsident in den Wellen der Isar: Bei der Johanni-Prozession 1994 saß er vorne im Floß und wurde nass.

Warum sind Flößer so wichtig für Wolfratshausen?

Edmund Stoiber: Wir sind eine Flößerstadt. Die Flößerei hat eine jahrhundertealte Tradition und enorme kulturelle Bedeutung für das ganze Oberland. Deswegen habe ich – besonders auch als Ehrenbürger der Stadt Wolfratshausen – den Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschickt mit der Bitte, dass die Staatsregierung schaut, ob es irgendwelche Möglichkeiten gibt, den Flößern doch noch zu helfen. Ob sie zum Beispiel eine Nothilfe bekommen können. Oder ob man sie als Härtefälle einstufen kann. Auslöser war ein Bericht im Isar-Loisachboten über das Schicksal der Familie Seitner, der mich so bewegt hat, dass ich unbedingt helfen wollte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich nach einem Zeitungsartikel direkt an die Staatskanzlei geschrieben habe. Aber es geht um ein kulturelles Kleinod, das wir bewahren müssen, die Flößereien.

Haben Sie schon Rückmeldung bekommen?

Edmund Stoiber: Nein, noch nicht. Es gibt ja bestimmt viele solcher Petitionen, die den Ministerpräsidenten gerade erreichen. Aber ich wollte ihm einfach meinen persönlichen Bezug schildern. Ich kenne die Seitners von vielen Gesprächen. Ich spaziere mit meiner Ehefrau auch immer wieder an der Loisach entlang. Ohne die Flöße würde einfach was fehlen. Bei den Johanni-Prozessionen stehen tausende Menschen an den Brücken. Das erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl. Das macht stolz auf die Heimat. Das ist Bayern. Deswegen wäre es schade, wenn die Flößereien durch die Pandemie verschwinden würden.

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