+
Hinter der alten Happschen Apotheke in der Wolfratshauser Altstadt will der Käufer des Grundstücks 28 Parkplätze bauen. 20 weitere darf die Untermarkt 7-11 GmbH ablösen – 300 . 000 Euro fließen dadurch ins Stadtsäckel.

„Mitte nächsten Jahres fangen wir an“

Ehemaliges Isar-Kaufhaus: Investor ist zuversichtlich

  • schließen

Rainer Scherbaum blickt dem neuen Jahr zuversichtlich entgegen. „Mitte nächsten Jahres fangen wir an“, sagt der Geschäftsführer der Untermarkt 7-11 GmbH. Die Projektgesellschaft plant wie berichtet den Abriss des ehemaligen Isar-Kaufhaus’ und den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses in der Wolfratshauser Altstadt.

WolfratshausenIn der letzten Bauausschusssitzung in diesem Jahr genehmigte das Gremium die von der Untermarkt 7-11 GmbH beantragte Stellplatzregelung. Die geplante Tiefgarage bietet Platz für 28 Pkw – die Stellflächen sind jedoch laut Vorbescheid des Landratsamtes den Wohnungsmietern vorbehalten. Für die vorgesehene Verkaufsfläche im Neubau an der Marktstraße sind laut Stadt 48 Stellplätze erforderlich – 28 kann die GmbH ebenerdig hinter dem Gebäudekomplex nachweisen. 20 weitere darf der Investor nach dem Beschluss des Bauausschusses ablösen. Das heißt: Pro Parkplatz, der nicht nachgewiesen werden kann, zahlt die GmbH 15.000 Euro an die Kommune. Unterm Strich 300.000 Euro.

Bereits in der Sitzung monierte Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt, dass auf dem 940 Quadratmeter großen Grundstück hinter der alten Happschen Apotheke, das die Stadt der Untermarkt 7-11 GmbH verkauft hat, kein Parkdeck, sondern nur ein ebenerdiger Parkplatz entsteht. Den Grund lieferte Stadtrat Schmidt gleich mit: Ein Nachbar habe sich erfolgreich gegen einen zweigeschossigen Baukörper gestemmt. Derselbe Nachbar klagt gegen den Vorbescheid der Kreisbehörde – eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts München steht noch aus.

„Mit mir hat kein Mensch jemals über Parkplätze gesprochen“, betont der besagte Nachbar, der seinem Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. Weder der Investor noch die Kommune hätten den Kontakt zu ihm gesucht. Stattdessen werde er „in die Rolle des Buhmanns gedrängt“. Der Nachbar steht auf dem Standpunkt: Die Stadt lasse sich von der Untermarkt 7-11 GmbH „instrumentalisieren“.

Parkdeck wünschenswert, aber nicht finanzierbar

Investor Rainer Scherbaum räumt ein, dass ein Parkdeck hinter dem ehemaligen Kaufhaus „sicherlich wünschenswert“ wäre. Doch für den Bau würde die Projektgesellschaft weitere angrenzende Grundstücke benötigen. Scherbaum macht kein Hehl aus der Tatsache, dass ihm mindestens ein Grundstück angeboten worden ist. Doch der Preis „liegt jenseits von Gut und Böse“, sagt er. Details gibt der Geschäftsmann nicht preis, nach Informationen unserer Zeitung möchte der Anbieter eine Million Euro. Das Grundstück ist angeblich keine 400 Quadratmeter groß und liegt zum Teil im steilen Bergwald.

Scherbaum gibt zu bedenken, dass das ehrgeizige Projekt – Abriss des seit Ende 2012 leer stehenden Kaufhaus’ und Neubau unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes – wirtschaftlich sein muss. Die Untermarkt 7-11 GmbH sei angetreten, um die leidige Causa Isar-Kaufhaus „im Sinne der Stadt und im Sinne der Wolfratshauser Bürger voranzutreiben“ – und nicht, um ein Parkdeck zu bauen. Da er zudem Klagen gegen einen zweigeschossigen Bau nicht ausschließen kann, „könnte ein Parkhaus-Projekt unter Umständen den gesamten Prozess verzögern oder gar zum Erliegen bringen“.

Es gibt schon potenzielle Mieter

Scherbaum hält es für denkbar, dass das Thema Parkplätze mittelfristig noch einmal auf die Tagesordnung kommt. Doch zunächst würden die GmbH und der Wolfratshauser Architekt Tom Ferster ihre ganze Kraft dem eigentlichen Vorhaben widmen: „Nach fünf Jahren Leerstand muss da jetzt etwas geschehen.“ Der Grünwalder geht davon aus, dass er im März die Baugenehmigung in Händen hält. Der Bauantrag liegt derzeit beim Landratsamt zur Prüfung. Die Stadt Wolfratshausen hat dem Antrag bereits zugestimmt. Hat er die Genehmigung der Kreisbehörde, „dann legen wir sofort los“, sagt Scherbaum im Gespräch mit unserer Zeitung. Läuft alles glatt, „fangen wir Mitte nächsten Jahres an“. Die Projektgesellschaft wolle keine Zeit verlieren. Nicht zuletzt, weil es für die Gewerbeflächen im Neubauprojekt „schon einige Interessenten gibt – das ist der Status quo“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Floßfahrten durch Wolfratshausen: Viel geredet, nichts passiert
Stadtrat Alfred Fraas hat beim Landratsamt nach eigenen Worten private Floßfahrten auf der Loisach beantragt. Die Kreisbehörde widerspricht. Ein Kommentar.
Floßfahrten durch Wolfratshausen: Viel geredet, nichts passiert
Flöße durch die Altstadt: Laut Landratsamt hat Fraas nie einen Antrag gestellt
Alfred Fraas hat nach eigenen Angaben einen Antrag für Floßfahrten durch Wolfratshausen beim Landratsamt gestellt. Doch dort hat sich noch niemand damit beschäftigt. …
Flöße durch die Altstadt: Laut Landratsamt hat Fraas nie einen Antrag gestellt
Verhindert Baugenossenschaft besondere Mutter-Kind-WG? Das sagt  der Geschäftsführer
Psychisch Kranke dürfen ihre Kinder oft nicht behalten. Ein Geretsrieder Verein will das ändern, findet aber keine Wohnung. Geschäftsführer Wolfgang Selig erklärt im …
Verhindert Baugenossenschaft besondere Mutter-Kind-WG? Das sagt  der Geschäftsführer
Frau ohrfeigt zwei Kinder: 900 Euro Strafe
Ohrfeigen statt Badespaß: Eine 43-Jährige soll am Bibisee zwei Kindern ins Gesicht geschlagen haben. Davor hatte sie die beiden angeblich wüst beschimpft. Dafür musste …
Frau ohrfeigt zwei Kinder: 900 Euro Strafe

Kommentare