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Zufriedene Helfer: Das Wolfratshauser Ramadama war eine internationale Kooperation. Auch Asylbewerber beteiligten sich an der landkreisweiten Aufräumaktion.

Großes Ramadama

Ehrenamtliche finden ein halbes Auto und 50 rote Tütchen

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Der Schnee ist weg. Was zum Vorschein kommt, ist nicht nur grüne Wiese, sondern auch jede Menge Unrat. Zum Landkreis-Ramadama waren am Samstag  freiwillige Helfer aufgerufen. Und die machten – leider – reiche Beute.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Insgesamt 160 Grundschulkinder der Dietramszeller Volksschule waren bereits am Freitag im Gemeindegebiet im Einsatz. 30 Mädchen und Buben suchten rund um die Schule, im Wald, am „Waldweiher“ und rund um die Leonhardikapelle nach Plastik, Glas und Papier. Die übrigen Schüler waren in den Ortsteilen unterwegs, in denen sie wohnen – beispielsweise in Ascholding oder Lochen.

„In Dietramszell hat das Ramadama der Gartenbauverein organisiert“, berichtete Lehrerin Kristin Steinhaus. „Die Aufräum-Plätze haben wir abgesprochen.“ Die Hoffnung sei, dass die Kinder durch die Aktion sensibilisiert würden, ihren Müll nicht in die Natur zu werfen, so Steinhaus. Zunächst fanden die Mädchen und Buben den typischen Schüler-Müll: zusammengeknüllte Trinkpäckchen und Bäckertüten. „Am Anfang ist die Freude noch groß“, sagte die Pädagogin. „Später wird es dann mühsam.“ Zwei Stunden später waren die Kinder wieder auf dem Schulhof. Ihr Einsatz hatte sich gelohnt. „Wir haben fast ein halbes Auto gefunden mit Reifen, Autoblech und Radkappen“, erzählte Grundschülerin Christina aus Erlach.

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In Wolfratshausen beteiligten sich zahlreiche Asylbewerber am Samstagvormittag am Ramadama und überschritten dabei sogar manchmal die Stadtgrenzen. „Manche haben schon einen Tag zuvor am Radweg in Geretsried und am Industriegleis mit dem Aufräumen begonnen“, berichtete Ute Mitschke vom Helferkreis. Ihre Mitstreiterin Ines Lobenstein ergänzte, dass es in Wolfratshausen zu einem besonders ekligen Fund kam: So lagen in einem kleinen Häuschen neben den Bahngleisen rund 50 rote Tütchen mit den stark riechenden Hinterlassenschaften von Hunden.

Etwas weniger geruchsintensiv erlebte der Verein „Surfing Wolfratshausen“ das diesjährige Ramadama. „Wir waren am Loisachufer in Weidach unterwegs und haben größtenteils kleinen Verpackungsmüll und Kronkorken gefunden“, erklärte Vorsitzende Steffi Kastner. Nikolaus Schöfmann, Beauftragter des Fischereiverbands Oberbayern, wies einige Teilnehmer auf Risiken am teilweise steil abfallenden Loisachufer hin. „Zum Glück ist keiner ins Wasser gefallen“, bilanzierte Schöfmann nach getaner Arbeit. Zur Belohnung gab’s für alle fleißigen Helfer am Samstagmittag hinter dem Rathaus Käsesemmeln, Gebäck und Getränke.

Wurden im Stadtwald an der B11 fündig: (v. li.) Claudia Theel-Königsbauer, Selina Königsbauer, Zoe Deschinger und Victoria Sindel.

Zusammen mit den drei Mädchen Selina, Zoe und Victoria war Claudia Theel-Königsbauer am Samstagvormittag im Geretsrieder Stadtwald auf Höhe des Schulzentrums unterwegs. Dass sie dabei am Rande der viel befahrenen B11 vor allem auf verrostete Autoteile stießen, machte die Kinder traurig und stolz zugleich. Am Ende überwog aber die Zufriedenheit, die größten Trümmer in blauen Säcken verstaut zu haben.

Ähnliche Erfahrungen machte Edmund Häner, der mit seinen Kindern in einem Waldstück neben der Richard-Wagner-Straße unterwegs gewesen waren. „Wir stießen auf eine vier Meter lange und zwei Meter breite Metallplatte“, wunderte er sich. Viel Plastikmüll entdeckte Jennifer Kübler, die zusammen mit dem Elternbeirat der Karl-Lederer-Grundschule und vielen Kindern das Gebiet um den Verkehrsübungsplatz am Robert-Schumann-Weg durchforstete. „Das Ramadama ist eine tolle Aktion“, lobte sie. „Da lernen Kinder schon in frühem Alter, Dinge nicht einfach achtlos wegzuwerfen“. Wie viele Geretsrieder Helfer stärkte auch sie sich am Samstagvormittag im Gasthof Geiger zwischendurch mit warmen Leberkässemmeln und kühlen Getränken. „Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei“, versprach Kübler.

Das gemeinsame Ramadama fand heuer zum 15. Mal im Landkreis statt. Insgesamt beteiligten sich rund 4000 Freiwillige.

ph

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