Eine Zeittafel der besonderen Art: Das Kunstwerk von Walter Kuhn im Badehaus.
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Eine Zeittafel der besonderen Art: Das Kunstwerk von Walter Kuhn im Badehaus.

Badehaus Waldram

Ein Kunstwerk der besonderen Art: Blumen, die aus Schutt wachsen

Örtlicher Schutt war die Voraussetzung für das Kunstwerk von Walter Kuhn: Daraus lässt er zwei große, rote Blumen wachsen.

Wolfratshausen – Rund um das Badehaus in Waldram erinnern 70 „Mahnblumen“ an die Opfer des Holocausts und des Zweiten Weltkriegs. Die Kunstinstallation von Walter Kuhn wurde vor wenigen Tagen enthüllt. Fast unbemerkt hat der renommierte Künstler dem Erinnerungsort noch ein weiteres Geschenk gemacht: „Neues Leben aus den Trümmern“ heißt die Skulptur, die durch die Fensterfront im Foyer des derzeit geschlossenen Museums zu sehen ist. Es handelt sich um eine in 13 Abschnitte gegliederte Scheibe, die mit den Jahreszahlen von 1933 (Machtergreifung der Nationalsozialisten) bis 1945 (Kriegsende) beschriftet ist. Darauf ist Bauschutt geschichtet, der in der Umgebung des Badehauses gefunden wurde.

Wolfgang Saal, Chef der Siedlungsgemeinschaft und langjähriges Mitglied im Badehaus-Verein, half dem 1946 in Nürnberg geborenen Künstler, „symbolische Trümmer aus Waldram zusammenzutragen“. Saal fand nach eigenen Angaben „rote Lochziegel im Reichsformat, aus denen einst die Wände der Föhrenwalder Häuser aufgemauert wurden und Klinkersteine, die als Kaminverblendung dienten“. Auch auf sogenannten Hitlerbeton, der einst für Bunker verwendet wurde, stieß Saal in Waldram. Dabei handle es sich um eine „Betonmischung, der viel Widerstandsfähigkeit nachgesagt wurde, die aber letztlich doch gebrochen ist“. Aus dem Schutt ragen zudem Reste des ehemaligen Ziegeldachs, das bei der Renovierung des Badehauses beziehungsweise dessen Umbau zur Dokumentationsstätte übrig geblieben sind. Auch einen persönlichen Bezug konnte Saal in das Kunstwerk integrieren: „Eine Bodenplatte, die in der Speisekammer meines Elternhauses verlegt war.“

Neues Leben blüht aus den Ruinen

Angekohlte Bücherreste und Stacheldraht „stellen den Bezug zu den seelischen und körperlichen Leiden derer her, die Zwangsarbeit und das Konzentrationslager erleben mussten“, erklärt Saal. Ein Teil dieser Menschen – „der Rest der Geretteten“ – fand im heutigen Waldram Zuflucht. „So konnte dieser Ort ein Hoffnungsort für neues Leben werden.“ In Kuhns Skulptur wird dieser Aspekt durch zwei rote Blumen aus Kunstseide verdeutlich. Bis zum 8. Mai ist das Werk im Foyer zu sehen. Saal: „Wir überlegen momentan, wo wir es danach fest aufbauen können.“ Dominik Stallein

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