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Ein Lebensretter kämpft um sein Leben

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Vier Jahrzehnte war Helmut K. für Menschen in Not da. Jetzt benötigt er selbst Hilfe.

Bad Tölz-Wolfratshausen Etwa 40 Jahre half Helmut K. (Name geändert)als Rettungssanitäter Tag für Tag seinen Mitmenschen. Doch das Leben meinte es nicht gut mit ihm: Innerhalb weniger Jahre erlitt er mehrere Schicksalsschläge. Nicht nur mit körperlichen Folgen – er verlor nahezu alles, was ihm wichtig war. Spenden sollen ihm bei einem Neuanfang helfen.

Auf den ersten Blick sieht man Helmut K. die große Last, die er seit Jahren mit sich trägt, nicht an: Ein gepflegter Mann in den 60ern, mit Bart und rotem Strickpullover. Doch schnell fällt auf: Das Sprechen funktioniert bei ihm nicht mehr richtig, immer wieder gerät er ins Stottern, muss noch einmal von vorne beginnen. Alles geht sehr langsam. Beinahe in Zeitlupe greift er nach den Plätzchen auf dem Teller. Seine ganze Motorik ist stark eingeschränkt. Wenn er geht, zieht er ein Bein leicht nach. Alles Folgen von einem Herzinfarkt und drei Schlaganfällen, die der im Landkreis lebende Mann in den vergangenen Jahren erlitten hat.

Den Sommer 2006 wird Helmut K. nie vergessen. Damals begann sein langer Leidensweg. Er stand mit beiden Beinen fest im Leben, arbeitete als Rettungssanitäter, lebte in einer eigenen Wohnung. Plötzlich bekam er einen Herzinfarkt. Der Rettungssanitäter musste schweren Herzens seinen Traumberuf aufgeben. „Das rieten mir die Ärzte, nicht dass noch etwas nachkommt“, blickt er zurück. Aber Helmut K. gab sich nicht geschlagen. Er fing neu an, machte sich als Fotograf selbstständig. Sein Plan schien aufzugehen.

Doch das nächste Unheil nahte bereits: Eines Tages im Jahr 2013 saß Helmut K. daheim. „Plötzlich hat sich alles gedreht, mir würde übel und ich konnte nicht mehr aufstehen“, beschreibt er. Ein Schlaganfall – mit Folgen: Der rechte Fuß, die rechte Hand und die linke Mundseite sind seither taub. Gezwungenermaßen gab er seine Selbstständigkeit auf. „Ab da kam alles zusammen. Ich hatte keinen Beruf mehr, kein Geld und musste aus meiner Wohnung raus“, berichtet er. Kurz darauf geriet der 66-Jährige in die Privatinsolvenz, zog in eine Notunterkunft für Wohnungslose. Dort lebt er seither in einem 16 Quadratmeter großen Zimmer.

Als wäre das nicht schlimm genug, erlitt Helmut K. heuer im Sommer zwei weitere Schlaganfälle. Seine Symptome verschlimmerten sich noch mehr. „Bis heute verschlechtern sich meine Beschwerden immer weiter“, sagt er. Woran das genau liegt, konnten ihm die Ärzte bisher nicht sagen.

„Von einem normalen Alltag bin ich weit entfernt“, sagt Helmut K.. Tiefes Bedauern schwingt in seiner Stimme mit. Trotzdem versorgt er sich weiter selbst, kocht und putzt. Zum Einkaufen fahren ihn Freunde und Bekannte. Eine kleine Rente reicht ihm für das Allernötigste. „Alles geht nur sehr sehr langsam und dauert lange. Aber irgendwie klappt es schon“, sagt Helmut K.

Ein Gedanke plagt den Senior trotzdem immer wieder: „So viele Jahrzehnte habe ich Tag für Tag Menschen geholfen und Leben gerettet. Was habe ich falsch gemacht, dass ich jetzt so krank geworden bin?“

Doch Helmut K. gibt nicht auf. Er wirkt vielmehr wie jemand, der sich notgedrungen mit seinem Schicksal abgefunden hat. Sein größter Wunsch: Er möchte aus der Obdachlosenunterkunft, in der viele Drogen-und Alkoholabhängige leben, ausziehen. Die Caritas besorgt ihm nun eine Wohnung. Endlich eine gute Nachricht. Doch der 66-Jährige steht vor einem Problem: „Ich besitze einen alten Röhren-Fernseher und einen Kühlschrank. Mehr Möbel habe ich nicht.“ Helmut K. ist sehr bescheiden: „Ein Bett, Tisch und Stuhl wären schön. Und vielleicht auch noch eine Küche, dass ich wieder kochen kann.“

kof

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+++ Nun ereignete sich ein brutaler Unfall auf der B11 in Wolfratshausen. Ein Mann wurde überfahren und liegengelassen. Er starb alleine am Straßenrand.

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