Bürgermeister Klaus Heilinglechner betrachtet das Gemälde von Laszlo Arnoti.
+
Imposante Kulisse: Bürgermeister Klaus Heilinglechner betrachtet das Gemälde von Laszlo Arnoti.

Überraschende Post South Carolina

US-Amerikaner schenkt der Stadt ein Ölgemälde

Der Stadt Wolfratshausen ist ein schönes Ölgemälde geschenkt worden. Die Geschichte dahinter ist eine ganz besondere.

Wolfratshausen – Der Pinselstrich zeigt, dass ein echter Könner seines Fachs am Werk war: Das neue Ölgemälde im Vorzimmer des Bürgermeisters ist mehr als eine hübsche Darstellung der Wolfratshauser Altstadt vor dem Bergwald. Peter Arnoti hat es der Loisachstadt jüngst geschenkt. Es handelt sich um das Replikat der Malerei, die sein Stiefvater Laszlo Arnoti einst angefertigt hat.

Die besondere Geschichte hinter dem Werk erläuterte Peter Arnoti, ein Rentner aus dem Bundesstaat South Carolina, in einer E-Mail, die die Stadt vor Kurzem erreicht hat. Sein vor acht Jahren verstorbener Stiefvater habe zu Lebzeiten ein Gemälde angefertigt hätte, das die Loisachstadt zeigt, schreibt er.

Der Maler war ein Flüchtlinge aus Ungarn

Laszlo Arnoti, ein aus Ungarn stammender Maler, ist einst als Flüchtling nach Wolfratshausen gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Künstler aus seiner Heimat geflohen und im heutigen Waldram gelandet. Dort lernte der damals 20-Jährige seine künftige Frau kennen: eine Deutsche aus Rostock, Annemarie Köster, die bereits einen Sohn, Peter, hatte. Peters leiblicher Vater war bei einer Bombenexplosion gestorben, als der Bub zwei Wochen alt war. Wenige Jahre später lebte die Witwe mit ihrem Sohn in Wolfratshausen. Dort verliebte sich Laszlo Arnoti in die Frau, die ihn mit ihrem Klavierspiel in den Bann gezogen hatte, wie er später in seiner Biografie schreiben wird. Ihre beiden gemeinsamen Kinder erblickten in der Loisachstadt das Licht der Welt.

1950 siedelte die fünfköpfige Familie in die USA über. In Cottonwood in Idaho, einer kleinen Dorfgemeinschaft mit heute 800 Einwohnern, startete sie in ein neues Leben. Jenseits des Atlantiks verdiente Arnoti sein Geld mit verspielten Landschafts- und Architektur-Malereien. Zudem ging er seiner zweiten künstlerischen Leidenschaft nach, eröffnete ein Fotostudio.

Das Bild hat Arnoti in Amerika gemalt

„Irgendwann Mitte der 1950er-Jahre“ fiel dem Familienvater ein Foto in die Hände, das er in Wolfratshausen gemacht hatte, erinnert sich Stiefsohn Peter. Es zeigt die Loisach, die Altstadt und den imposanten Bergwald dahinter. Arnoti tat daraufhin das, was er am besten konnte, und malte die Szenerie nach.

Dieses Bild hat Peter Arnoti nun wiedergefunden. Als ihm das Werk seines Vaters in die Hände fiel, entschied sich der US-Amerikaner, ein Replikat davon mit „den Bürgern der Stadt Wolfratshausen zu teilen“, wie er schreibt. Er sieht das Geschenk als „Vollendung unseres Lebenskreises“ und als Weiterführen des „malerischen Vermächtnisses“ seines begabten Stiefvaters.

Ein Ehrenplatz für das Gemälde

Das Rathaus nahm das Ölgemälde gerne an. Es erhielt dort einen Ehrenplatz an einer Wand im Vorzimmer des Rathauschefs. Bürgermeister Klaus Heilinglechner bedankte sich in einem Brief bei Peter Arnoti. „Ich bin erfreut, dass Sie einen Teil ihrer Familiengeschichte mit den Bürgern Wolfratshausens teilen“, heißt es darin frei übersetzt.

Lesen Sie auch: Festakt 75 Jahre DP-Lager Föhrenwald

Seinen Dank verbindet Heilinglechner mit einer an Arnoti gerichteten Einladung. „Ich würde mich sehr darüber freuen, Sie im Rathaus begrüßen zu dürfen“, so der Bürgermeister. Wenn er nach Wolfratshausen komme, könne Heilinglechner dem geschichtsinteressierten Arnoti einen Besuch im Erinnerungsort Badehaus empfehlen. Dem Platz, an dem sich sein Stiefvater und seine Mutter vermutlich getroffen haben, als der heutige Rentner noch ein Kleinkind war. Dominik Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare