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Ein zentraler Standort für zwei Mittelschulen: Dritte Bürgermeisterin fürchtet „Lehrersparmodell“

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Von: Carl-Christian Eick

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Schule Wolfratshausen
Schon im nächsten Schuljahr werden am Hammerschmiedweg in der Wolfratshauser Innenstadt auch die Fünftklässler der Waldramer Mittelschule unterrichtet. So lautet der Beschluss des Kulturausschusses des Stadtrats. © Sabine Hermsdorf-Hiss/Archiv

Nach heftigen Elternprotesten in Wolfratshausen erklären Rathauschef, Rektor und Schulrätin den beschlossenen Umzug der fünften Mittelschul-Klasse.

Wolfratshausen – In einem Punkt waren sich Rathauschef Klaus Heilinglechner, die Rektoren Frank Schwesig und Josef Märkl, der Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins Wolfratshausen, Fritz Meixner, sowie Schulrätin Ute Hübner einig: „Das Thema ist komplex.“ Gut eine Stunde lang erklärten sie (sieht man aus nachvollziehbaren Gründen von Märkl ab) dem Stadtrat am Dienstag in der Loisachhalle, warum es sinnvoll sei, dass die künftige fünfte Klasse der Waldramer Mittelschule im September an den Mittelschul-Standort am Hammerschmiedweg in der Innenstadt umzieht.

Wolfratshausen: Zentraler Standort für zwei Mittelschulen: Dritte Bürgermeisterin fürchtet „Lehrersparmodell“

Märkl, Schulleiter in Waldram, machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Es sei aus vielerlei Gründen „schmerzhaft, wenn man eine Klasse verliert“. Doch der Rektor räumte ein: „Es ist schwierig, einen gerechten Weg zu finden, der allen individuellen Bedürfnissen gerecht wird.“

Der Beschluss des Kulturausschusses des Stadtrats, dass die künftigen Fünftklässler aus Waldram schon im nächsten Schuljahr in der Nähe der Loisach unterrichtet werden, hatte viele Eltern auf die Barrikaden gehen lassen. Wie berichtet liegen Bürgermeister Heilinglechner rund 1200 Unterschriften als Ausdruck des Protests vor. Doch die Stadtratssitzung brachte kaum neue Erkenntnisse. Heilinglechner, Schulleiter Schwesig – in Personalunion Koordinator des Mittelschulverbunds Isar-Loisach mit Wolfratshausen, Geretsried, Königsdorf und Dietramszell – sowie Meixner wiederholten ihre Argumente und verteidigten die Entscheidung, beide fünfte Mittelschulklassen zeitnah unter einem Dach am Hammerschmiedweg zusammenzuführen.

Wolfratshausen: Schulleiter Schwesig legt „aktuellste Zahlen“ auf den Tisch

Laut Schwesig ist ein Hauptgrund: So hätten die Schüler deutlich mehr Wahlmöglichkeiten mit Blick auf berufsvorbereitende Kurse. Der Verbundkoordinator präsentierte am Dienstag „aktuellste Zahlen“: Für die fünfte Klasse sind an der Mittelschule Waldram derzeit 23 Kinder angemeldet – 7 aus Wolfratshausen, 10 aus dem Ortsteil Farchet und 6 aus der Gemeinde Münsing. Zwei Dutzend Schüler sind an der Hammerschmiedschule angemeldet – neben 22 aus Wolfratshausen jeweils einer aus Icking beziehungsweise Höhenrain. „Es waren noch nie so wenige Mittelschüler“, stellte Schwesig mit Blick auf seinen Dienstort fest. Er erklärte, dass laut Richtwert ab 30 Kindern eine Klassenteilung stattfinden müsse – und wies daraufhin, dass auch in den höheren Jahrgangsstufen (in Waldram eine, am Hammerschmiedweg zwei Klassen) die Gesamtzahl der Schüler nie über 60 liege. Schulrätin Hüber gab zu bedenken: „Eigentlich geben die Schülerzahlen in der 6. bis 9. Klasse keine echte Dreizügigkeit her.“ Zudem „geht die Tendenz immer stärker in Richtung Realschule und Gymnasium“. Vor diesem Hintergrund sei es richtig, dass Schwesig „mit einem zentralen Standort“ die Attraktivität der Mittelschule – Stichwort Wahlmöglichkeiten – erhalten wolle.

Dritte Bürgermeisterin Heinloth fürchtet „Lehrersparmodell“

Ein weiterer Grund für die Zweizügigkeit in der Innenstadt seien die Lehrerstunden. „Wir bekommen pro Schülerkopf Lehrer zugewiesen“, sagte Hübner. Gibt’s viele kleine Klassen im Verbund, seien die größeren Klassen die Leidtragenden. Auf Nachfrage von Dritter Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne), versicherte die Schulrätin, dass die beschlossene Zweizügigkeit am Hammerschmiedweg kein „Lehrersparmodell“ sei.

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Der Waldramer Schulleiter erinnerte am Dienstagabend im Stadtrat an die Gründung des Mittelschulverbunds im Jahr 2010 mit dem Ziel, „die kleinen Schulen am Leben zu erhalten“. Märkl sprach von einer „Ambivalenz bei der Bewertung kleiner Klassen“. Aus pädagogischer Sicht seien sie ein Pluspunkt, auf der anderen Seite „kosten sie viele Lehrerstunden“.

Vehementer Widerspruch gegen den Beschluss des Kulturausschusses, dass die künftige fünfte Klasse aus Waldram gemeinsam mit den Mittelschülern aus Wolfratshauser in der Innenstadt die Schulbank drückt, regte sich im Stadtrat nicht. Dr. Ulrike Krischke (BVW) regte allerdings an, zunächst alles beim alten zu belassen – und erst nach der sechsten Klasse in Waldram die Umzugskartons zu packen. Das heißt, erst mit der siebten Klasse am Hammerschmiedweg zweizügig zu fahren. Ein Vorschlag, der Heinloth und Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) gefiel. Dazu muss man wissen: „Der Stadtrat entscheidet nur über den Standort“, der Mittelschulverbund unter Leitung von Schwesig über die Klassenbildung, erläuterte Bürgermeister Heilinglechner.

„Wenn der Stadtrat das Thema noch einmal diskutieren will“, dann...

Er verstehe die Emotionalität der Eltern, sagte der Rathauschef. Doch für die Entscheidung des Fachausschusses seien allein Sachargumente ausschlaggebend gewesen. In seinen Augen „hätten die Kinder den größten Nachteil“, sollten nicht beide fünfte Klassen ab September am Hammerschmiedweg unterrichtet werden. „Wenn der Stadtrat das aber noch einmal diskutieren will“, so Heilinglechner, werde er sich nicht dagegen sträuben, das Thema nochmals auf die Tagesordnung zu setzen. (cce)

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