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„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“: Der Jugendkammerchor und der Kammerchor Wolfratshausen verbreiteten eine besinnliche Stimmung in der Wolfratshauser Stadtpfarrkirche St. Andreas. 

Engelsstimmen und weihnachtliche Gedanken

Wolfratshausen – Der Jugendkammerchor und der Erwachsenenchor Wolfratshausen verbreiteten weihnachtliche Stimmung in der Wolfratshauser Stadtpfarrkirche St. Andreas.

Der Jugend- und Erwachsenenchor der Wolfratshauser Musikschule gaben am zweiten Adventswochenende eine Kostprobe aus ihrem geistlichen Programm. In der Wolfratshauser Stadtpfarrkirche St. Andreas sangen sie a-capella-Stücke aus allen Epochen unter der Leitung von Christian Preißler und untermalt mit Texten von Dekan Gerhard Beham. Davor hatten die Sänger schon den Gottesdienst musikalisch umrahmt.

Zum Auftakt des eigentlichen Konzerts sang der Kammerchor „Laudate Pueri“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy ausnahmsweise nicht a-capella, sondern begleitet von Christian Preißler an der Orgel. Nach der Begrüßung durch Beham hatte der in festliches Schwarz-Rot gewandete Jugendkammerchor seinen ersten Auftritt: „Machet die Tore weit“ schallte es durch die Pfarrkirche. Weiter ging es mit zwei lateinischen und einem englischen Stück aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sänger wie Sängerinnen spielten mit Höhen und Tiefen – wie immer glasklar und blitzsauber. Die beiden Chöre boten abwechselnd Blöcke von jeweils zwei bis vier Liedern. Zwischendurch sprach Dekan Beham über seine Gedanken zum Weihnachtsfest: „In einem amerikanischen Armeestützpunkt in München wurde ein Krippenspiel aufgeführt“, begann er eine Anekdote, die wie ein kleines, modernes Weihnachtsmärchen anmutete. „Der kleine Junge, dem die Rolle des bösen Wirts zufiel, brachte es aber einfach nicht über’s Herz, Josef und Maria wie verlangt wegzuschicken: Stattdessen lud er die beiden zu jeder Probe ein, gab ihnen zu Essen und ein warmes Bett. Als er vor die Wahl gestellt wurde, seine Rolle richtig oder gar nicht zu spielen, riss er sich zusammen und hielt sich bis zur Generalprobe an die Anweisung, das arme Paar abzuweisen. Die Aufführung wurde mit Spannung erwartet – und schließlich kam der heikle Teil: ,Ich habe keinen Platz für Euch. Ihr müsst weitersuchen“, sprach der böse Wirt brav nach Drehbuch – und fügte spontan hinzu: ,Aber vorher kommt herein, ich will Euch zumindest eine Tasse Tee anbieten.“ Als Beham seine Geschichte beendet hatte, erfasste nach und nach jeden Zuhörer eine weihnachtliche Stimmung. Musikalisch spannen die Frauen des Kammerchors die Gedanken weiter und beendeten ihren Block sanfter, lateinischer Stücke mit den Klassikern „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ und „Maria durch ein Dornwald ging“ in einem wunderschönen, modernen Arrangement von Josef Michel.

Im Anschluss traten zwölf Sänger des Jugendkammerchors als Ensemble auf. Unter der Leitung von Hendrik Decker, Tenor im Chor und rechte Hand des Chorleiters, sangen sie „Nun kommt der Heiden Heiland“ und „Wie schön leuchtet uns der Morgenstern“ von Hugo Distler. Der nächste Abschnitt des Kammerchors wurde gekrönt von einer strahlenden Version des berühmten Frauen-Terzetts „Hebe deine Augen auf“ aus Mendelssohns Oratorium „Elias“. Nach dem Abschied des Dekans beendete der Jugendchor seine Reise durch die Epochen mit drei lateinischen Liedern aus den vergangenen 150 Jahren. Melodiös und mit großer dynamischer Vielfalt sangen die Jugendlichen „Gloriosa dicta sunt“ von Vytautas Miskinis und beendeten das offizielle Programm mit dem eindringlichen Aufruf „Laudate Domino“ („Lobet den Herrn“), verfasst von Knut Nystedt.

Dem Publikum reichte es aber noch nicht: Mit stürmischem Applaus forderte es von beiden Chören eine Zugabe. So schloss die Jugend mit dem lässigen Spiritual „I Hear a Voice A-Prayin’“ von Houston Bright ab, die erwachsenen Frauen gaben den Zuhörern den „Abendsegen“ aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ mit auf den Heimweg. 

Karolin Wolf

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