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Schöne, aber verzwickte Lage: Eingebettet zwischen Bergwald und Loisach lassen sich die verkehrstechnischen Probleme in Wolfratshausen nur schwer lösen.

Stadtentwicklung

Entlastungsstraße wird umgangen

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Seit dem letzten Beschluss von 2015 ist in Sachen Wolfratshauser Umgehungsstraße nichts passiert. In der jüngsten Stadtratssitzung hakte Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt nach.

Wolfratshausen –  Böse Zungen behaupten, dass das Thema Umgehungsstraße fast so alt ist wie die Flößerstadt selbst. Zumindest steht es seit Jahrzehnten – vor allem in Kommunalwahlzeiten – auf der Tagesordnung. Die Hürden bei der Projektierung sind hinlänglich bekannt: Wolfratshausens schwierige topografische Lage zwischen Bergwald und Loisach, Nachbarn, die keine Umgehungsstraßenabschnitte auf ihrer Gemarkung wünschen – und nicht zuletzt die mutmaßlich immensen Baukosten.

2010 legte der damalige Bürgermeister Helmut Forster (Bürgervereinigung Wolfratshausen) die Pläne in seine Schreibtischschublade. Alle von Experten geprüften Varianten waren aufgrund ihrer jeweils ungenügenden Kosten-Nutzen-Rechnung durchgefallen. Mit staatlichen Zuschüssen dürfe die Kommune aus diesem Grund nicht rechnen. Da die Stadt alleine keinen zweistelligen Millionenbetrag aufbringen könne, müsse man sich von den Umgehungsstraßenträumen „verabschieden“, stellte Forster fest.

15 Jahre später machte der Stadtrat unter Federführung des neuen Bürgermeisters Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) eine Kehrtwende. Bei dieser Gelegenheit gab das Gremium dem Baby einen neuen Namen: Entlastungsstraße. Im ersten Schritt wurde die Verwaltung im Februar 2015 damit beauftragt, alle Informationen aus den vergangenen Jahren zu dem Dauerbrenner zusammenzufassen. Anschließend müsse der Stadtrat klipp und klar sagen, wo die Reise hingehen soll, betonte Heilinglechner.

Zwar fiel in der Sitzung kein Beschluss, doch alle 21 seinerzeit anwesenden Bürgervertreter bekundeten per Kopfnicken ihr Einverständnis, das Thema noch einmal anpacken zu wollen. Der Bürgermeister schlug daraufhin vor, dass das Bauamt alle Unterlagen, die zur gewünschten Entlastungsstraße existieren, aufspüren und zusammenheften sollte. „Dann sind alle auf demselben Kenntnisstand“, pflichtete Bauamtsleiter Dieter Lejko seinem Chef zu.

Zu den Dokumenten zählen laut Lejko unter anderem das Verkehrskonzept aus dem Jahr 2001 sowie die Kostenanalyse aller bisher erarbeiteten Trassenvarianten. Zwei Monate Zeit gab der Bürgermeister den Stadträten zum Studium der Akten. Nach deren Rückmeldung „entscheiden wir, wie’s weitergeht“, sagte Heilinglechner damals. Die Würfel, so der Rathauschef, könnten anschließend in einer Klausurtagung fallen.

Gut zwei Jahre später – in der jüngsten Stadtratssitzung Mitte April – hakte Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt nach, ob die Verwaltung von der Entlastungsstraße abgekommen sei. „Nein“, beteuerte Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard. Alle gewünschten Papiere seien dem Bürgermeister zur Verfügung gestellt worden.

„Stimmt“, bestätigte Rathauschef Heilinglechner – er habe die Dokumente bereits 2015 allen Stadträten weitergeleitet. Doch bis auf den Tag warte er auf eine Reaktion. „Es gibt nicht einmal Vorschläge für den Termin einer Klausurtagung“, berichtete Heilinglechner. Stadtrat Schmidt nahm die Auskunft widerspruchslos zur Kenntnis. Dasselbe galt für die übrigen Gremiumsmitglieder.

Die nächste Kommunalwahl findet im Frühjahr 2020 statt. Gut möglich, dass das Thema Entlastungsstraße in den Monaten davor wieder an Fahrt gewinnt.

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