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Die Kräuterpädagoginnen Beate Lutz (li.) und Sybille Vogel kennen sich mit Wildkräutern aus. 

Netter Gundermann und tödlicher Aronstab

Das erfährt man bei einer Kräuterwanderung im Wolfratshauser Bergwald

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Die Wolfratshauser Kräuterpädagoginnen wissen genau, wo Wildkräuter wachsen. Interessierte können mit ihnen zusammen durch den Bergwald wandern.

Wolfratshausen – Sybille Vogel beugt sich ins Gras, gezielt greift ihre Hand in das saftige Grün und pflückt einen Stängel. „Da haben wir ein total nettes Pflänzchen, das ist der Gundermann“, erklärt die Kräuterpädagogin, während sie das Kraut mit den lilafarbenen Blüten begutachtet. Die Wolfratshauser Kräuterpädagoginnen veranstalten in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei regelmäßig Kräuterwanderungen. Unsere Zeitung hat sich einem solchen informativen Spaziergang angeschlossen.

Vorreiter: Die Knoblauchsrauke blüht schon im April.

Ein wolkenbedeckter Himmel spannt sich an diesem Morgen über die Flößerstadt. Trotz des wenig einladenden Wetters haben sich einige Teilnehmer am Treffpunkt für die Wanderung eingefunden. Dann geht es los. „Sobald im Frühling die Sonne rauskommt und es ein bisschen wärmer wird, wachsen die ersten Wildkräuter“, erklärt Kräuterpädagogin Beate Lutz, während die kleine Gruppe den Bergwaldpfad hochmarschiert. Nach nur wenigen Metern bleiben Vogel und Lutz unvermittelt stehen. „Das ist eine Knoblauchsrauke. Die gedeiht schon recht früh“, sagt Lutz (65) und hält eine der Brennnessel ähnelnden Pflanze mit weißen Blüten hoch. Beim Zerreiben der Blätter entsteht ein leichter Knoblauchgeruch. „Das Gewächs ist essbar – und wesentlich milder als Knoblauch.“ Die Hochzeit der Wildkräuter ist laut Lutz übrigens im Juni, um Johanni.

„So, jetzt sind wir in der Hexenküche“, stellt Kräuterpädagogin Vogel fest, als die Truppe vor einer Fläche voller Aronstab Halt macht. Sie warnt: „Da muss man verdammt gut aufpassen. Der ist nämlich tödlich.“ Besonders gefährlich ist, dass die Pflanze gerne inmitten von harmlosem Bärlauch gedeiht. Laut der 47-Jährigen neigen Kräutersammler oft dazu, die giftige Pflanze beim Pflücken büschelweise abzureißen.

„Unser Hauptbestreben ist es, die Menschen zu sensibilisieren. Wir wollen ihnen Gewächse zeigen und gleichzeitig vermitteln, worauf sie achten müssen“, erläutert Beate Lutz. Denn: Zwischen dem Menschen und der Kräuterwelt habe sich im Laufe der Zeit einiges verändert: „Vor 50 Jahren haben sich die Leute noch von 300 Pflanzen ernährt, heute sind es gerade noch 30“, weiß Sybille Vogel.

Vorsicht: Der Aronstab ist hochg iftig.

Am Ende der Tour stoßen die Wanderer noch auf eines der – laut Lutz und Vogel – unbeliebtesten Wildkräuter: Giersch. „Habe ich den einmal im Garten, bekomme ich den fast nicht mehr weg,“ sagt Vogel. Denn der Doldenblütler bildet unterirdische Ausläufer. Das einzige Gegenmittel, das zuverlässig hilft: „Ihn aufessen“, meint die Wolfratshauserin und lacht. Das Gierschkraut hat nach ihren Worten einen frisch-würzigen Geschmack und macht sich daher gut im Salat – oder im gekochten Zustand auf der Pizza.

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„Das war heute wirklich sehr lehrreich, genau so habe ich mir das vorgestellt“, schwärmt die Teilnehmerin Petra Günther (50) am Ende der Kräuterwanderung. „Da ist man hier heimisch, läuft schon Jahrzehnte den Bergwaldpfad rauf und runter und weiß nicht, was am Wegrand alles so wächst.“

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Info

Die nächste Kräuterwanderung findet am Freitag, 7. Juni, von 9.30 Uhr bis 11 Uhr statt. Die Teilnahme kostet pro Person zehn Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist die Stadtbücherei. Weitere Infos gibt es im Internet (www.isar-loisach-kraeuterpaedagogen.de).

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