Angelika Müller vom Schuhhaus Bartl vor einem Schild mit der Aufschrift „Sofort-Einkaufstermin“
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Sofort-Einkaufstermin - das verspricht das Schuhhaus Bartl in Wolfratshausen. Seit Dienstag ist „Click and Meet“ für den Einzelhandel vorgeschrieben.

Click & Meet-Regelung beginnt im Landkreis

Erster Tag mit verschärften Corona-Regeln – Händler finden pragmatische Lösungen

  • vonDominik Stallein
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Seit Dienstag geht Shoppen im Einzelhandel nur noch über das „Click & Meet“-Prinzip. Eigentlich ist das pragmatische Konzept der Läden im Nordlandkreis unkompliziert. Fragezeichen gibt es bei den Kunden trotzdem.

Geretsried/Wolfratshausen – „Brauche ich einen Termin?“ Diese Frage musste Isar-Kaufhaus-Chef Frederik Holthaus am Dienstagmorgen oft beantworten. Seit diesem Dienstag gelten im Landkreis schärfere Corona-Regelungen für den Einzelhandel, weil der Inzidenzwert stabil über 50 liegt. In den meisten Geschäften müssen Kunden nun Termine vereinbaren, wenn sie zum Einkaufen kommen möchten.

Die Händler vor Ort finden pragmatische Wege, um mit den Verschärfungen umzugehen.

Holthaus konnte seine Kunden beruhigen. „Natürlich kann man im Vorfeld einen Termin vereinbaren“, erklärt er. Der Großteil der rund 100 Menschen, die am Dienstagvormittag einkauften, kam aber einfach vorbei und registrierte sich vor Ort. Das geht entweder über einen Zettel, den man vor dem Shoppen ausfüllt, oder über die Luca-App. Sollte das Kaufhaus voll sein – 36 Besucher können sich dort gleichzeitig aufhalten – werden die Kunden mit Anmeldung bevorzugt in das Geschäft gelassen, der Rest muss warten. „Bislang musste noch niemand vor der Türe bleiben“, sagt der Unternehmer.

Einmal ausfüllen, bitte: Frederik Holthaus registriert alle Besucher seines Isar-Kaufhauses in Geretsried. Sandra Schmidt ist eine davon

Das Kaufhaus sei trotz der neuen Regelungen gut besucht, „die Kundenströme verteilen sich aber über den Tag“. Wie viele Menschen sich gerade im Geschäft aufhalten, prüft der Händler ganz unkompliziert nach: 36 Diebstahlsicherungen liegen am Eingang bereit. Wer reinkommt, bekommt eine überreicht und gibt sie beim Verlassen zurück. So auch Sandra Schmidt aus Geretsried. Die 33-Jährige betritt das Isar-Kaufhaus am Dienstagmittag etwas zögerlich. „Ich war mir nicht sicher, ob das einfach so geht“, sagt sie. „Die Regelungen ändern sich ja andauernd.“ Nach dem kurzen, formalen Akt vor dem Eintritt erklärt sie: „Ich möchte für meine Kinder etwas zu Ostern einkaufen.“ Was genau sie sucht, verrät sie nicht – das soll ja eine Überraschung sein. Einen Vorteil sieht Holthaus in der neuen Regelung: „Ich kann jeden Kunden persönlich begrüßen und verabschieden.“

„Wir sind schon froh, dass wir unsere Kunden persönlich bedienen können – wir freuen uns über jeden, der kommt.“

Sascha Ungar, Marktleiter des Isartaler Elektromarkts

Im Isartaler-Elektromarkt an der Bayerwaldstraße weist ein großes Infoplakat auf die neuen Regeln hin. Marktleiter Sascha Ungar erklärt: „Die Kunden können bei uns anrufen und einen Besuchstermin ausmachen.“ Ein Mitarbeiter am Eingang nimmt die persönlichen Daten der Gäste auf. „Eigentlich ist es ganz unkompliziert“, konstatiert Ungar. „Wir sind schon froh, dass wir unsere Kunden persönlich bedienen können – wir freuen uns über jeden, der kommt.“

Beratung vor Ort wird von den Kunden geschätzt

Gerade in den vergangenen zwei Wochen – seither dürfen die Einzelhändler nach dem Lockdown wieder öffnen – habe er festgestellt, dass auch die Menschen gerne wieder vor Ort einkaufen. „Es ist etwas anderes, ob man sich am Telefon beraten lässt oder die Sachen tatsächlich vor sich sieht.“ Das mache sich bemerkbar: „Die Resonanz nach der Wiedereröffnung war sehr gut. Es kamen viele Kunden“, sagt der Marktleiter. Er hofft, dass das so bleibt. „Auch wenn ich das Gefühl habe, dass sich die neuen Regelungen erst einspielen müssen.“

Niedrige Inzidenz der vergangenen Wochen sorgten für guten Zulauf in den Geschäften

Auch bei den Kunden im Wolfratshauser „Moda style & fashion“-Textilgeschäft am Obermarkt herrscht Unsicherheit, wie das Einkaufen denn nun eigentlich abläuft. Deshalb hat Inhaberin Ebru Mutlu im Schaufenster ein Schild aufgehängt, „wo ich die Regeln erkläre. Und viele bleiben stehen, um es zu lesen, weil sie es einfach nicht wissen.“ In den vergangenen Wochen war reges Treiben in dem Mode-Geschäft. „Das lag auch daran, dass die Inzidenz in anderen Landkreisen höher war als bei uns – da gab es andere Regelungen. Die Leute sind dann eben nach Wolfratshausen zum Einkaufen gekommen.“ Der erste Tag, an dem die Verschärfungen auch im Landkreis greifen, „ist hier ziemlich ruhig“, berichtet Mutlu. „Vielleicht, weil es sich noch nicht herumgesprochen hat, dass man auch einfach vorbeikommen und vor Ort einen Termin ausmachen kann.“

Schuhhaus wirbt mit „Sofort-Einkaufstermin“

Deutlicher ist das beim Schuhhaus Bartl in Wolfratshausen erkennbar: „Sofort-Einkaufstermin“ steht auf einem Plakat im Schaufenster. Selbst das sorgt nicht bei allen Passanten für Aufklärung: „Haben Sie geschlossen?“, fragt ein älterer Herr an der Ladentüre. „Nein“, erklärt Verkäuferin Angelika Müller. Entweder, man macht telefonisch einen Termin aus oder man hat Glück und kann sofort in den Laden, weil sich weniger als drei Kunden darin aufhalten. „Erst, wenn die Inzidenz über 100 liegt, müssen wir wieder ganz zusperren“, sagt sie. Daran möchte Müller momentan noch nicht denken: „Wir sind glücklich, dass wir einigermaßen normalen Betrieb haben“, sagt sie. Die Beschränkung auf höchstens drei Kunden auf einmal sei inzwischen eingespielt. „Eigentlich ist diese zusätzliche Anmeldung auch sehr unkompliziert“, sagt sie.

Was passiert mit den Daten?

Die in den Läden abgefragten persönlichen Daten der Kunden werden im Notfall an das Gesundheitsamt weitergegeben, sollte einer der Kunden positiv auf das Coronavirus getestet werden. Solange die Inzidenz stabil zwischen 50 und 100 liegt, gelten diese Regelungen. Sinkt die Zahl unter 50, ist der Einkauf ohne Terminvergabe und Kontaktdaten-Abfrage möglich. dst

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