Gott und die Welt 

Experte erzählt, was der Heilige Geist an Pfingsten bedeutet

An diesem Sonntag feiern Christen das Pfingstfest. Pastoralassistent Christian Greil erklärt, was das bedeutet –  und welche Fragen er sich dazu stellt.

Schäftlarn – Eine sonderbare Aufbruchsstimmung erfüllt mich dieser Tage. Die Bäume treiben aus, die Seen werden wärmer, die Menschen offenherziger. Ein Lächeln scheint uns nun öfter über die Lippen zu gleiten als noch vor einigen Wochen in der dunklen Jahreszeit. Leben bricht neu auf, wir werden erfüllt mit Lebensgeist – mit Gottesgeist, mit Gottes Geist.

Eine sonderbare Aufbruchsstimmung erfüllt die Freundinnen und Freunde Jesu in den Wochen nach seinem Tod. Der erste Schock des Traumas ist langsam überwunden. Seltsame Berichte machen die Runde: ER soll einigen von ihnen erschienen sein: In Menschengestalt! Auferstanden! Das berichten zumindest zwei Jünger, die vor einigen Tagen in Emmaus waren. Und auch am See von Tiberias soll Ähnliches geschehen sein. Kann man diesen Wundern Glauben schenken? Oder berichten sie nur von einem Geist? Oder ist das überhaupt Begeisterung wert?

Wenn Ihnen jemand erzählte, was noch alles kommen würde – sie könnten es nicht glauben. Wenn sie nur wüssten, in was für einer geisterfüllten Zeit sie lebten – dass sie schon längst beGEISTert sind! Stattdessen warten sie, dass Jesus nach seinem Tod genau so wiederkommt, wie sie ihn kannten. Er muss ihnen schon selbst erscheinen, damit sie wissen: „Du bist mein Herr und mein Gott!“

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Wenn sie nur wüssten, dass der nahende fünfzigste Tag nach dem Entdecken des leeren Grabes etwas Besonderes für sie bringen wird. Sie sind so kurz davor, sichtbar beGEISTert zu werden und merken nicht, dass Jesus schon längst tatsächlich und wirklich auferstanden ist.

Christian Greil: Katholischer Pastoralassistent im Vorbereitungsdienst im Pfarrverband Schäftlarn

Wie oft bin ich so ein Jünger? Wie oft erwarte ich so viel? Wie oft brauche ich genau die Erfüllung, die ich mir vorstelle? Wie oft merke ich nicht, dass Wesentliches geschieht, obwohl ich nicht mittendrin bin? Wie oft ist Pfingsten schon angebrochen – und ich warte immer noch darauf!

Eine göttliche Aufbruchsstimmung steckt in jeder und jedem von uns. Das kurz bevorstehende Pfingstfest ist der Geistsendung gewidmet. Es macht uns bewusst, dass wir in einer vom göttlichen Geist erfüllten Welt leben. Aber eben nicht nur an diesen beiden Pfingstfeiertagen im Jahr. Pfingsten ist immer. Pfingsten – Geisterfüllung ist jetzt! Geschenkt, ohne etwas leisten zu müssen.

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Oft brauchen wir Menschen „Bestätigungserlebnisse“, kleine Pfingstereignisse, um angetrieben zu werden. Bei den ersten Christen war es nicht anders. Zunächst waren sie versteckt und feierten heimlich und voller Angst ihre Gottesdienste. Nach dem Pfingstwunder trauten sie sich nach draußen, trauten sich öffentlich zu bekennen – ohne Angst. Die Türen gingen auf, begeisternde Aufbruchs- stimmung lag in der Luft.

Machen wir auch unsere Türen auf, machen wir uns beGEISTerungsfähig, lassen wir uns beGEISTern. Nicht nur am kommenden Sonntag, sondern Tag für Tag. Wir atmen ihn ein, unser ganzes Leben lang – vom ersten bis zum letzten Zug: Gottes heiligen und heilenden Geist. Wir sind tatsächlich und wirklich beGEISTert.

Rubriklistenbild: © dpa / Osservatore Romano

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