Langfristig mehr Radfahrer

Fahrradfreundlichkeit: Wie Wolfratshausen nachbessern möchte

Wolfratshausen wurde für die Auszeichnung als fahrradfreundliche Kommune empfohlen. Dabei sehen viele Bürger Nachholbedarf. Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard erklärt die Hintergründe und wie die Stadt weiterhin vorgehen will.

Wolfratshausen – Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) ist sicher: Wolfratshausen hätte die Auszeichnung als „fahrradfreundliche Kommune“ verdient. In sozialen Netzwerken sorgt diese Meldung für Diskussionen. Viele Bürger sehen großen Nachholbedarf in der Loisachstadt. Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard erklärt im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein, wie es zu der AGFK-Empfehlung kommt. Die 55-Jährige räumt dabei Verständnis für die Kritik der Bürger ein.

-Frau Leonhard, die Stadt wurde für die Auszeichnung als fahrradfreundliche Kommune empfohlen. Was war dafür notwendig?

Diese Auszeichnung bescheinigt den Willen, die Situation des Radverkehrs in der Stadt zu verbessern und den Anteil der Fahrradfahrer zu erhöhen. Das heißt: Es braucht politische, personelle und finanzielle Mittel dafür. Wir hatten Anfang 2015 eine sogenannte Vorbereisung mit Vertretern des AGFK. Dabei hat die Kommune Hausaufgaben bekommen. Die haben wir – sofern es uns als Stadt möglich war – allesamt gemacht. Das hat die Arbeitsgemeinschaft anerkannt und uns empfohlen.

-Einige Bürger bezweifeln, dass diese Hausaufgaben ausreichen, um wirklich radverkehrs-freundlich zu sein.

Susanne Leonhard: Bauamtsmitarbeiterinim Rathaus

Es gibt sicherlich Punkte, die noch erledigt werden müssten, das gebe ich zu. Aber das betrifft vor allem Vorhaben, die wir nicht alleine in der Hand haben. Nehmen wir als Beispiel die Situation am Bahnhof, wo wir dringend neue Fahrradständer bräuchten. Diesen Plan können wir nur zusammen mit der Deutschen Bahn realisieren. Zudem wären Schutzstreifen für den Radverkehr auf vielen Straßen wünschenswert. Die Hauptverkehrsstraßen liegen aber nicht in unserer Zuständigkeit, sondern bei höhergestellten Behörden. Wir müssen manchmal dicke Bretter bohren. Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass wir die Themen vergessen oder vernachlässigen. Es sind Fortschritte da. Auch wenn sie manchmal nur klein wirken.

-Zum Beispiel?

Wir sind grundsätzlich sehr weit, was Absperranlagen betrifft. Das ist so etwas wie unsere Paradedisziplin. Außerdem gibt es in der Pfaffenrieder Straße beidseitig einen Radschutzstreifen. Das ist die einzige Straße, die breit genug dafür ist und die in unserer Regelungshoheit liegt. Auch wenn es anfangs viele Skeptiker gab, läuft das inzwischen sehr gut und der Streifen wird angenommen. So gut, dass übergeordnete Behörden inzwischen Bereitschaft signalisiert haben, auch auf anderen Straßen ein solches Angebot für die Radfahrer zu schaffen, wenn ausreichende Straßenbreiten bestehen. Das alleine ist ein Schritt in die richtige Richtung. Man muss nur bereit sein, diese auch anzuerkennen.

-Wohin soll sich die Situation langfristig entwickeln.

Wir, die Stadt Wolfratshausen, wollen den Anteil der Radfahrer im Binnenverkehr erhöhen. Dafür müssen wir Anreize schaffen. Der Umweltverbund aus Radfahrern, Fußgängern und Bus-Passagieren soll größer werden. Bestenfalls auch über das Stadtgebiet hinaus für das Mittelzentrum zusammen mit Geretsried.

-Das könnte auch helfen, ein altes Problem zu lösen: Das hohe Pkw-Aufkommen.

Langfristig ist das unser Ziel. Dafür müssen aber noch einige Bretter gebohrt werden.

dst

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Rubriklistenbild: © dpa / Frank Rumpenhorst

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