Symbolbild Gericht
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Der Angeklagte stand schon mehrfach vor Gericht - unter anderem wegen Drogendelikten. Jetzt kam Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis hinzu.

Amtsgericht Wolfratshausen

Nach Faustschlag an der roten Ampel: Täter muss in Dauerarrest

  • vonRudi Stallein
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Einen ekelhaften Auftritt hat ein Wolfratshauser hingelegt: Er spuckte und schlug durch ein geöffnetes Autofenster einen Ickinger. Jetzt geht er in Dauerarrest.

Wolfratshausen – Ein BMW stoppt an einer roten Fußgängerampel. Ein Mann tritt neben das Auto, spuckt durch das geöffnete Seitenfenster hinein, schlägt dem Fahrer mit der Faust ins Gesicht und verschwindet mit anderen jungen Leuten in einer Seitenstraße. Diese skurril anmutende Szene soll sich am 21. September vorigen Jahres gegen 17.50 Uhr an der Königsdorfer Straße in Wolfratshausen abgespielt haben. Der angebliche Schläger, ein 20-jähriger Wolfratshauser, musste sich jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Gebrauch eines Fahrzeugs ohne Haftpflichtversicherung vor dem Jugendgericht verantworten.

Den zweiten Anklagevorwurf räumte der Beschuldigte ein. Mitte April vorigen Jahres hatte er sich ein Pocket-Bike zugelegt, obwohl er den erforderlichen Führerschein nicht besaß. „Das war eine blöde Idee“, sagte er. Die Aktion, wegen der er nun vor Gericht stand, war noch blöder: Erst war er auf dem Lidl-Parkplatz gefahren, dann schob er das Gerät nach eigenen Angaben ein Stück die Margeritenstraße entlang, bevor er sich aufs Bike schwang.

Die Richterin glaubt dem Angeklagten kein Wort

Die Sache an der roten Ampel stritt er vehement ab. „Das stimmt nicht. Ich habe ihn niemals geschlagen, auch nicht angespuckt. Ich weiß nicht, wie er darauf kommt.“ Der Angeklagte gab zwar an, dass er den Ickinger (21) kenne und „nicht gut auf ihn zu sprechen“ sei. Aber an jenem Tag sei man sich gar nicht begegnet. Der Geschädigte behauptete das Gegenteil.

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Richterin Friederike Kirschstein-Freund tat sich schwer, den Ausführungen des Angeklagten zu glauben. Vor allem, weil dieser wenige Tage nach dem Vorfall in einem Online-Chat – an den Geschädigten gerichtet – geschrieben hatte „Schmeckt Dir Spucki im Gesicht?“ Seine Erklärung dazu, es handle sich um den Spitznamen eines gemeinsamen Bekannten, der den Ickinger ein Jahr zuvor ebenfalls geschlagen habe, klang arg abstrus.

Ein Chat-Eintrag überführt den Täter

„Sie merken schon, dass ich Ihnen kein Wort glaube?“, merkte die Richterin an, die dem Wolfratshauser nicht zum ersten Mal gegenübersaß. Kirschstein-Freund: „Sie haben schon beim letzten Verfahren viel Unsinn erzählt.“ Der Angeklagte widersprach nicht. Bei der damaligen Verhandlung ging es um Handel mit Marihuana, nur drei Monate vor der nun angeklagten Körperverletzung. Wegen der Marihuana-Geschichte hatte er eine Woche Arrest verbüßt. Auf die Frage der Richterin, wie es ihm dort gefallen habe, antwortete er: „Ich hatte eigentlich nicht vor, da nochmals hinzugehen.“ Daraus wird nun nichts. Das Gericht sprach ihn in allen drei Anklagepunkten schuldig – und verhängte als Strafe weitere zwei Wochen Dauerarrest.

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