Andreas Spohn im Feuerwehrhaus
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Andreas Spohn, Kommandant der Wolfratshauser Feuerwehr, zeigt eine Stolperfalle im Gerätehaus am Hatzplatz

Stadt stellt Geld für Sanierung bereit

Mächtiger Sanierungsbedarf: Feuerwehrhaus muss renoviert werden

  • vonDominik Stallein
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Mächtiger Sanierungsbedarf herrscht im Feuerwehrhaus in Wolfratshausen. Zuletzt wurden Fahrzeughalle und Gerätelager in den 1990er Jahren saniert, seither herrscht ein Stau. Bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten zeigt Kommandant Andreas Spohn die gröbsten Mängel.

Wolfratshausen – Im Feuerwehrgerätehaus am Hatzplatz herrscht mächtiger Sanierungsbedarf. Zuletzt war immer wieder von einem möglichen Umzug der Rettungskräfte an einen neuen Standort die Rede. Ein geeignetes Grundstück hatte die Stadt dem Vernehmen nach bereits gefunden. Doch die Pläne zerschlugen sich. Der Stadtrat hat vor diesem Hintergrund zunächst 100 000 Euro für Sanierungsmaßnahmen bereitgestellt.

Andreas Spohn, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wolfratshausen, hat unserer Zeitung die gravierendsten Mängel im Gerätehaus gezeigt.

Das Gebäude mit der Postadresse Am Bach 1 ist in die Jahre gekommen. 2006 wurde zwar ein neuer Verwaltungstrakt geschaffen, die Fahrzeuggarage und die Lagerräume dagegen blieben seit rund 30 Jahren unangetastet. Doch in den vergangenen drei Jahrzehnten sind die Anforderungen an die Feuerwehren immens gewachsen. Fuhrpark und technisches Gerät sind sukzessive erweitert worden – mittlerweile platzt das Gerätehaus aus allen Nähten. „Wir müssen regelmäßig umschichten, um alles unterzukriegen“, berichtet Spohn, während er sich einen Weg durch den schmalen Gang zwischen den Einsatzfahrzeugen und den Arbeitsgeräten bahnt. In angemieteten Garagen in der angrenzenden Nachbarschaft konnte die Feuerwehr etwas von ihrem Material unterbringen – zur Entspannung der Lage trägt das allerdings kaum bei.

Umziehen müssen sich die Einsatzkräfte im toten Winkel der Mannschaftswagen

Baulich wünscht sich Kommandant Spohn Veränderungen. Im Alarmfall müssen sich die Einsatzkräfte nämlich in der Fahrzeughalle umziehen. Ihre Metallspinde stehen derzeit knapp hinter den Fahrzeugen – deren Motoren im Ernstfall sofort angeworfen werden. Diese Situation ist doppelt gefährlich: Da sind zum einen die Abgase, auf der anderen Seite bewegt sich die Mannschaft im toten Winkel des Fahrzeugführers. Diesen Missstand hatte auch Ingenieur Stephan Rudolph bemängelt, der vor gut zwei Jahren im Auftrag der Kommune einen Feuerwehrbedarfsplan erstellt hat (wir berichteten). „Hier brauchen wir dringend eine andere Lösung, vielleicht eigene Umkleideräume“, meint Spohn.

Umziehen in den Abgasen: Die Spinde der aktiven Mannschaft stehen aus Platzmangel direkt hinter den Wagen

Hindernisse am Boden sind ein zusätzliches Risiko

So könnte man nach Einschätzung des Kommandanten gleich ein zweites Problem lösen, denn der Weg der Ehrenamtlichen zu ihren Spinden gleicht im Moment einem Hindernislauf: Mitten im Raum, ungefähr auf der Mitte der Fahrzeuge bis hinter den Auspuff der Einsatzwagen, liegen an jedem Stellplatz Absaugschläuche für die Fahrzeuge auf dem Boden. „Wenn’s stressig zugeht und man nicht darauf achtet, kann man schnell darüber stürzen.“ Eine akute Gefahr für die Freiwilligen – und das schon bevor sie am eigentlichen Einsatzort eintreffen. Dass die am Boden befestigten Vorrichtungen nicht optimal funktionieren, möchte Spohn nicht unerwähnt lassen.

Bei der Ausfahrt aus dem Gerätehaus warten die nächsten riskanten Manöver auf die Feuerwehrkräfte: Am Hatzplatz begegnen sich nämlich im schlimmsten Fall die mit ihrem Privat-Pkw eintreffenden Einsatzkräfte und die ersten bereits ausrückenden Löschfahrzeuge. Nicht zu vergessen: Es gibt nur sieben Pkw-Stellflächen am Gerätehaus. „Wenn wir für einen Einsatz 20 oder 30 Leute brauchen, fehlen natürlich Parkplätze“, gibt Spohn zu bedenken.

Eine Lösung für die knifflige Verkehrslage gibt es nicht

Die Verkehrslage am Hatzplatz ist per se knifflig und eine Lösung derzeit nicht in Sicht. Im 146 Seiten umfassenden Feuerwehrbedarfsplan bilanzierte Verfasser Rudolph, dass der Standort des Gerätehauses suboptimal sei. Laut Bayerischem Feuerwehrgesetz dürfen zwischen Notruf und dem Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort nicht mehr als zehn Minuten vergehen. Diese Frist ist bei Fahrten ins südlichste Eck im Stadtteil Waldram kaum einzuhalten. Deshalb – und angesichts mutmaßlich sehr kostspieliger Sanierungen im Gerätehaus am Hatzplatz – machte sich die Kommune auf die Suche nach einer neuen Heimat für die größere der zwei Ortsfeuerwehren.

Der geplante Neubau ist vom Tisch - Verhandlungen über ein neues Grundstück sind geplatzt

Im städtischen Haushalt für das Jahr 2020 waren 3,4 Millionen Euro für einen Grundstückskauf eingeplant. Ausgegeben wurde das Geld jedoch nicht. „Die Verhandlungen mit einem Grundstückseigentümer sind gescheitert“, erklärt Bürgermeister Klaus Heilinglechner auf Anfrage unserer Zeitung. Ein zeitnaher Neubau eines Feuerwehrgerätehauses sei nicht wahrscheinlich. Für den Rathauschef hat sich das Thema deshalb aber „nicht grundsätzlich erledigt“. Wenn sich eine Möglichkeit ergeben würde, „die auch finanziell darstellbar ist“, könne man sie ausloten. Derzeit stehe allerdings kein für den besonderen Zweck geeignetes Grundstück zur Verfügung. Ohnehin seien Neubauten in der für die Feuerwehr notwendigen Größenordnung in zentraler Lage in der dicht besiedelten Loisachstadt kaum realisierbar.

Es ist gut, dass die Bereitschaft da ist, die Themen anzugehen“

Andreas Spohn über die Entscheidung des Stadtrats, die Sanierung anzugehen

Im Haushalt für 2021 hat der Stadtrat 100 000 Euro für Sanierungsmaßnahmen am Feuergerätewehrhaus eingestellt. Den Maßnahmenkatalog soll zunächst ein Fachplaner erarbeiten. „Es ist gut, dass die Bereitschaft da ist, die Themen anzugehen“, sagt Kommandant Spohn. In den vergangenen Jahren seien viele Ideen gereift, „wie man einige Probleme lösen könnte“, nun müsse geprüft werden, was machbar und nicht zuletzt auch finanzierbar ist. Die Modernisierung der völlig veralteten Elektronik im Gebäude sowie die Einrichtung einer Brandmeldeanlage haben für Spohn höchste Priorität.

Neue Drehleiter wird gekauft - weil die alte zweimal streikte

Beschlossen ist bereits eine Aufrüstung der EDV der beiden örtlichen Feuerwehren. Auch der Anschaffung eines Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs – kurz: HLF – stimmte der Stadtrat zu. Darüber hinaus wird der Kauf einer neuen Drehleiter vorgezogen. Die existierende ist Baujahr 1999 und hatte im vergangenen Jahr bereits zweimal während eines Einsatzes ihren Dienst versagt.

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