Überraschungs-Treffen nach Trump-Absage: Nord- und Südkorea sprechen wieder

Überraschungs-Treffen nach Trump-Absage: Nord- und Südkorea sprechen wieder
+
Das ehemalige Lorenz-Areal in Geretsried: Bevor man auf der grünen Wiese baut, sollte man solche Brachflächen wiederbeleben, sagt IHK-Vertreter, Bauunternehmer und Grundstückseigentümer Reinhold Krämmel.

Alles im grünen Bereich

Flächenfraß-Debatte: Warum die IHK dem Volksbegehren widerspricht

  • schließen

Der IHK-Regionalausschuss widerspricht dem Volksbegehren zum Flächenfraß. Ein Argument des Vorsitzenden: Nur ein Bruchteil der Landkreisfläche ist mit Gewerbe belegt. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schon das Wort ist für Reinhold Krämmel ein Fall von Irreführung. „Flächenfraß weckt die Vorstellung, dass die Heimat zunehmend unter Beton verschwindet“, erklärte der Vorsitzende des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) vor Kurzem in einer Pressekonferenz. Doch dieses von den Machern des Volksbegehrens gezeichnete Bild sei falsch. Und in Bad Tölz-Wolfratshausen sei es ganz besonders falsch. „Der Landkreis ist grün“, sagte Krämmel. 93 Prozent bestehen aus Natur und nichts als Natur. Das belegen die Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik. Und daran werde sich auch nichts ändern.

Krämmel versicherte: „Die Unternehmen im Landkreis gehen aus Prinzip sorgsam und effizient mit der Ressource Fläche um.“ Während die Zahl der Beschäftigten auch dank des aktuellen Wirtschaftsbooms kontinuierlich gestiegen sei, sei der Anteil von Gewerbeflächen zurückgegangen, nämlich von 0,4 Prozent der Fläche im Jahr 2011 auf 0,3 im Jahr 2015. „Die Produktivität je Hektar Gewerbefläche ist also deutlich gestiegen.“ Die Wirtschaft sei weit davon entfernt, sinnlos Fläche zu verbrauchen. Im Gegenteil.

Reinhold Krämmel: Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses

Eine pauschale Flächenobergrenze für Kommunen, wie sie gefordert wird, lehnt Krämmel kategorisch ab. Denn: Tritt sie in Kraft, würden Wohnen, Gewerbe, Verkehr und Freizeit unnötig in Konkurrenz und Wettbewerbe gebracht. Lieber die Umgehungsstraße bauen, den Sportplatz erweitern oder doch den überfälligen Nahversorger ansiedeln? Diese unbequeme Entscheidung müssen die Verantwortlichen dann fällen. „Das gefährdet den Frieden auf dem Land“, mutmaßte der Bauunternehmer. Nicht zuletzt, weil Wohnen noch teurer würde, als es jetzt schon ist.

Lesen Sie auch: 48.000 Unterschriften: Flächenfraß-Volksbegehren landet vor Verfassungsgericht

Krämmel plädierte dafür, gründlich zu prüfen, bevor man auf der grünen Wiese baut. Viel sinnvoller erscheint ihm die Wiederbelebung von Brachflächen und die Verdichtung, wie er sie selbst auf dem ehemaligen Lorenz-Areal und am Karl-Lederer-Platz in Geretsried vornimmt. „Es ist vernünftig, in die Höhe zu bauen und Stellplätze unterirdisch unter den bestehenden Verkehrsflächen anzusiedeln“, erklärte er. Er erlebe aber am eigenen Leib, wie schwer dieser Ansatz zu vermitteln ist. „Unsere Gesellschaft ist heute viel zu sehr von Einzelinteressen geprägt“, sagte er. „Bei allem Verständnis dafür, dass Menschen Veränderungen hinzunehmen haben: Wir müssen aufpassen, dass wir nicht an unserer eigenen Dekadenz zugrunde gehen.“

Der Weg zu mehr Effizienz in Sachen Fläche ist für Krämmel „kein Hexenwerk“. So sollten auch kleinere Kommunen ein Flächenmanagement für die innerörtliche Entwicklung einführen. Hilfestellungen, etwa vom Bayerischen Gemeindetag, gebe es genügend. „Wenn eine Kommune das wirklich will, klappt das.“ Anders als die üblichen Instrumente – Stichwort Flächennutzungsplan – könne man damit schnell reagieren.

„Gemeinden dürfen sich nicht länger als Inseln betrachten“

Außerdem riet Krämmel verstärkt zu interkommunaler Kooperation. „Gemeinden dürfen sich nicht länger als Inseln betrachten, sondern müssen gemeinsam mit den Nachbarn in Funktionsräumen denken.“ Bei Thema Soziales – die Rede ist vom „Sozialraum Nord“ – sei es gelungen, warum nicht beim Thema Wirtschaft? Was spricht gegen gemeinsame Gewerbegebiete? „Sinnvolle Ergänzung wäre ein öffentliches Anreizsystem“, so Krämmel.

Dr. Robert Obermeier: Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik

Dr. Robert Obermeier, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik bei der IHK, gab seinem Vorredner in allen Punkten Recht. „Nur im Schulterschluss können die Kommunen des Landkreises die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und einer leistungsfähigen Infrastruktur für unsere Boom-Region stemmen.“ Aber ohne Flächen werde es auch in Zukunft nicht gehen. Das aktuelle Volksbegehren argumentiere ideologisch. Obermeier hat ermittelt: Die gesamte bebaute Fläche Bayerns entspreche der Größe Unterfrankens. Also: Kein Grund zur Panik, wenn das Wort „Flächenfraß“ fällt. vu

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eine Trendsportart soll in Geretsried Fuß fassen
Geretsried - Padel Tennis ist ein Mittelding aus Tennis und Squash - und in Spanien bereits Sportart Nummer zwei nach dem Fußball. Damit die Trendsportart auch in der …
Eine Trendsportart soll in Geretsried Fuß fassen
Pendler brauchen weiterhin  Geduld
Eine Woche lang laufen nun die umfangreichen Arbeiten an der S7-Strecke zwischen Baiernrain und Schäftlarn sowie am Wolfratshauser Bahnhof. Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp …
Pendler brauchen weiterhin  Geduld
Wolfratshausen ganz in Weiß: Freiluft-Picknick an der alten Floßlände
Mit „Ganz in Weiß“ stürmte Schlagersänger Roy Black 1966 die Hitparade. Ganz in Weiß gekleidet sollen auch die Teilnehmer des „White Dinner“ in Wolfratshausen …
Wolfratshausen ganz in Weiß: Freiluft-Picknick an der alten Floßlände
„Altstadt wird nicht aussterben“: Stadtmanager bleibt trotz Schließungen optimistisch
Wolfratshausens Stadtmanager ist kein Freund von Schwarzmalerei. Vor der Hintergrund der jüngsten Geschäftsschließungen weist er auf die mehr als 100 Gewerbebetriebe im …
„Altstadt wird nicht aussterben“: Stadtmanager bleibt trotz Schließungen optimistisch

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.