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Erste Saison nach Corona: Die Flößer sind glücklich über einen tollen Verlauf

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Von: Volker Ufertinger

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„Unsere Gäste hatten eine Wahnsinnsfreude“: Nach der coronabedingten Zwangspause durften heuer wieder die Floße von Wolfratshausen nach München fahren. Die Bilanz der Flößerbetriebe fällt durchweg positiv aus.
„Unsere Gäste hatten eine Wahnsinnsfreude“: Nach der coronabedingten Zwangspause durften heuer wieder die Floße von Wolfratshausen nach München fahren. Die Bilanz der Flößerbetriebe fällt positiv aus. © Lippert / Archiv

Das Jahr 1 nach der Pandemie war für die Flößer das reine Glück. Das Wetter spielte mit, die Leute waren entspannt. Das Virus spielte keine große Rolle mehr.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Flößer Josef Seitner aus Weidach ist schlicht und einfach glücklich, wie die Saison 2022 gelaufen ist. „So was habe ich seit 15 Jahren nicht mehr erlebt“, sagt er. „Ein Bilderbuchwetter, ein gleichmäßiger Pegel und lauter nette Leute.“ Nach den beiden Corona-Jahren, in denen die Flößer ihr Gewerbe ruhen lassen mussten, war 2022 ein gerechter Ausgleich. „Unsere Gäste hatten eine Wahnsinnsfreude“, erzählt er. „Man hat richtig gemerkt, wie zermürbt sie von den beiden letzten Jahren gewesen sind. In Thalkirchen sind sie mit einem Lächeln ausgestiegen.“

Das Wasser war niedrig, aber nicht zu niedrig

Am zweiten Sonntag im September findet für gewöhnlich die „Eisfahrt“ statt, die letzte Tour in Richtung München. Die ideale Zeit, Bilanz zu ziehen. Seitner erzählt, dass er die Buchungen von 2020 für 2022 übernommen hat, jedenfalls zu 80 Prozent. „Unsere Stammgäste haben einfach gewartet, bis es wieder geht.“ Von Dienstag bis Sonntag ging es flussabwärts nach München. Nach Seitners Schätzung dürften es über 200 Fahrten gewesen sein, mit jeweils etwa 50 Gästen auf den zusammengebundenen Fichtenstämmen.

Vor allem meinte es das Wetter heuer gut mit den Flößern. Während sonst teilweise zwei oder drei Wochen wegen Hochwassers nichts geht, sind bei Seitner heuer nur drei Fahrten ausgefallen. Dank des Sylvensteinspeichers führte die Isar zudem immer gerade genug Wasser, um fahren zu können. „Wir sind nur zwei oder drei Mal an einem Stein hängen geblieben“, erzählt er. „Aber das haben wir durch Gewichtsverlagerungen wieder ausgleichen können.“ Sprich: Die Gäste bewegten sich auf die rechte oder linke Seite des Floßes, je nachdem. „Die hatten da so eine Gaudi, dass sie gleich wieder hängen bleiben wollten.“ Wegen der niedrigen Wasserstands dauerte die Fahrt auch eine gute Stunde länger - was die Gäste gerne in Kauf nahmen.

Konstant hohe Temperaturen - für die Gäste perfekt

Monika Heidl-Seitner vom Flößereibetrieb Franz Seitner findet für die vergangene Saison nur ein Wort: „Es war brachial.“ Die Zwangspause habe den Anfang nicht leicht gemacht. „Wir mussten nach zwei Jahren alle erst wieder reinkommen“, sagt sie. „Aber nach zwei Jahren sind wir mehr als entschädigt worden, auch wenn uns alles abverlangt worden ist.“ Für die Mitarbeiter war die körperliche Arbeit bei den konstant hohen Temperaturen nicht immer das reine Vergnügen.

Corona spielte kaum eine Rolle

Franz Seitner und sein Team fahren von Donnerstag bis Sonntag, ausnahmsweise auch am Montag oder Dienstag. 149 Fahrten sind zusammengekommen, elf mussten storniert werden. Corona-Auflagen gab es zwar keine mehr, doch wegen Covid 19-Erkrankungen musste die eine oder andere Fahrt abgesagt werden. Auch Monika Heidl-Seitner hat festgestellt, wie gelöst die Gäste gewesen sind. „Es war fast, als ob nix gewesen wäre.“ Tatsächlich waren die Rahmenbedingungen für die Gäste ideal: Sonne satt und 22 Grad Wassertemperatur. „Man hat ganz viele glückliche Gesichter gesehen.“ Für gute Laune sorgte vor allem auch die Musik, die zum ersten Mal unplugged zu hören war.

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Michael Angermeier aus Arzbach, der an der Marienbrücke in Wolfratshausen startet, schließt sich der Einschätzung an: „Wir sind sehr zufrieden. Das hat nach den zwei Jahren Pause wieder richtig gut getan.“ Was ihn dann doch überrascht hat: „Corona hat praktisch überhaupt keine Rolle gespielt.“ Zu Beginn der Saison sei noch über 2G und 3G diskutiert worden. „Aber spätestens seit klar war, dass die Wiesn stattfindet, war das überhaupt kein Thema mehr.“ Nach seiner Beobachtung haben die „Jungen Gas gegeben ohne Ende“. Die Älteren hingegen seien etwas vorsichtiger gewesen, der eine oder andere habe die Fahrt auch abgesagt. Dennoch: Auf dem Angermeier-Floß hat das ganze Jahr über kein einziger Gast eine Maske getragen.

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