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Die Schlosskirche zu Wittenberg. Mit Gottesdiensten und Veranstaltungen erinnern  Christen zum Reformationstag an die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen 1517 in Wittenberg.

Gott und die Welt

Florian Grubers Gedanken zum Reformationstag

Am Donnerstag feierten die evangelischen Christen den  Reformationstag. Dazu machte sich unser Gastkolumnist ein paar Gedanken. 

Heute ist eigentlich ein doppelter Gedenktag. Für uns evangelische Christen ist es natürlich an erster Stelle der Jahrestag der „Reformation“, die am 31. Oktober 1517 mit der Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel begonnen hat. Obwohl damit die Spaltung der Christen in „Evangelische“ und „Katholische“ ihren Lauf nahm, konnten wir vor zwei Jahren das 500. Gedenken der Reformation erstmals gemeinsam mit großen ökumenischen Gottesdiensten feiern. Gott sei Dank!

Florian Gruber, evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen

Ein anderes für die Ökumene wichtiges Ereignis fand vor 20 Jahren statt: Am 31. Oktober 1999 unterzeichneten Vertreter des Vatikan und des Lutherischen Weltbunds in Augsburg feierlich die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ und setzten damit den Schlusspunkt unter eine jahrhundertelange theologische Kontroverse.

Es ging dabei um den Kern der Streitigkeiten, die zur Kirchentrennung führten: Hängen der Wert und das Gelingen unseres Lebens ganz an der Gnade Gottes oder ist es unsere eigene Leistung, wenn wir vor Gott gut dastehen? Vor 20 Jahren konnten die Kirchen gemeinsam bekennen: Wir mögen zwar in unserem Leben viel Macht haben (und damit auch Gutes oder Schlechtes bewirken), aber unser „Heil“ (also: dass unser Leben gelingt!) haben wir nicht in der Hand, da sind wir ganz auf Gottes Kraft und Güte angewiesen.

Damals waren viele (ich auch!) skeptisch, ob diese „Gemeinsame Erklärung“ etwas verändern würde im Miteinander der Kirchen. Aber gerade die Feiern zum Reformationsgedenken vor zwei Jahren und die Entwicklung seitdem zeigen, wie sehr sich die beiden Konfessionen angenähert haben. Ökumenische Gottesdienste, Sommerfeste und andere Veranstaltungen werden immer selbstverständlicher.

Und in den Gemeinden gibt es viele, die voller Aufbruchstimmung und Fantasie die nächsten Schritte überlegen. Selbst die Bischöfe beider Kirchen treten viel klarer als früher für ökumenische Anliegen ein.

So wird sichtbar, dass wir im Grunde auf derselben Seite stehen. Wir treten gemeinsam ein gegen die Ideologie von Egoismus und Sozialdarwinismus, die in unserer Zeit auf allen Ebenen den Ton angibt: in einer Politik, die immer mehr von Nationalismus und Machtspielen beherrscht wird und Gerechtigkeit und Frieden dafür preisgibt; in einer Wirtschaft, die nur noch den eigenen Vorteil zum Maßstab macht und dafür den sozialen Frieden opfert; in einer Konsumhaltung der Einzelnen, die auch die Zerstörung unserer natürlichen Umwelt in Kauf nimmt. Dass diese Konzentration auf die eigene Macht und den eigenen Vorteil nicht genügt für ein gelingendes Leben, das feiern wir – am besten gemeinsam – am Reformationstag!

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