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Flüchtling engagiert sich bei der Feuerwehr: „Ich will helfen, so wie mir geholfen wurde“

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Engagierter Feuerwehrmann: Rames Noorzai.
Engagierter Feuerwehrmann: Rames Noorzai. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Die Wolfratshauser Feuerwehr hat Zuwachs aus Afghanistan: Der junge Flüchtling Rames Noorzai engagiert sich ehrenamtlich. Der Einstieg war nicht leicht für ihn. Bereut hat er die Entscheidung nie - Noorzai ist glücklich.

Wolfratshausen – „Ich möchte etwas zurückgeben.“ Für Rames Noorzai, Flüchtling aus Afghanistan, sind das nicht nur Worte, er ließ Taten folgen: Der 30-Jährige ist seit drei Jahren aktives Feuerwehrmitglied seiner neuen Heimat Wolfratshausen, um zu helfen, wenn andere Menschen in Not sind.

Wolfratshausen: Flüchtling bei der Feuerwehr - „Ich will helfen“

Noorzai kam 2016 über Pakistan, die Türkei und Griechenland nach Deutschland. „Die ersten Wochen habe ich zusammen mit vielen anderen Menschen in der Sporthalle in Penzberg gewohnt“, erzählt der junge Mann. Dann kam er in die Loisachstadt. „Leicht war es am Anfang nicht“, sagt er. „Ich hatte viel zu lernen.“ Damit meint er nicht nur die deutsche Sprache, sondern natürlich auch die hiesigen Sitten und Bräuche.

Noorzai erhielt Unterstützung von allen möglichen Seiten. Der Asyl-Helferkreis, Freunde vom Alpenverein, die mit ihm in die Berge gingen – sie alle sorgten dafür, dass die Sprachbarriere immer niedriger wurde. Mit Gabi Kerndl paukte er Deutsch. „Eines Tages machte sie mich auf die Freiwillige Feuerwehr aufmerksam. ,Wäre das nicht etwas für dich?‘ fragte sie mich.“

Wolfratshauser Feuerwehr freut sich über Zuwachs aus Afghanistan

Noorzai zögerte zunächst. Mit dieser Art von Ehrenamt hatte der 30-jährige gelernte Glaser bisher überhaupt noch nichts zu tun gehabt. „Aber warum nicht?“ überzeugte er sich selbst und schrieb die Ehrenamtlichen „in meinem schlechten Deutsch“ über deren Facebook-Seite an. „Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass sich jemand darauf hin meldet.“

Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. „Ich bekam eine nette Antwort mit einer Einladung, mir die Feuerwehr doch einmal anzuschauen.“ Noorzai traf sich mit dem damaligen Zweiten Kommandanten Hans Fagner, der ihm alles zeigte – und trat der Wolfratshauser Wehr bei.

„Alle waren nett und geduldig“, bedankt sich der junge Afghane besonders im Hinblick auf seine Ausbildung bei seinen jetzigen Kameraden. „Ich habe ja noch nicht alles auf Deutsch verstanden, und auch mit dem Lesen und Schreiben klappte es noch nicht so gut.“ Also wurde es ihm immer wieder erklärt. „Zum Teil auf Englisch, zum Teil mit Händen und Füßen“, bestätigt der vor Kurzem zurückgetretene Erste Kommandant Andreas Spohn. „Aber wir sind ein Miteinander – da hilft man sich einfach.“

Afghane bei der Wolfratshauser Feuerwehr: „Kann es jedem empfehlen“

Mittlerweile hat Noorzai die Truppmann-Ausbildung hinter sich, und zudem jüngst noch einen Atemschutzlehrgang absolviert. „Und sein Deutsch wird immer besser“, zeigt sich Spohn begeistert. „Wir sind heilfroh, dass wir ihn haben. Er engagiert sich super.“

Auch privat hat Noorzai sein Glück gefunden. Seit 2019 ist er mit seiner Freundin Juliane zusammen, ein Jahr später kam der gemeinsame Sohn auf die Welt. Der 30-Jährige ist „allen, die mich unterstützen und unterstützt haben, sehr, sehr dankbar“. Er könne jedem – „egal ob Flüchtling oder Einheimischer“ – nur empfehlen, zur Feuerwehr zu gehen. „Die Stadt braucht junge Leute – damit allen geholfen wird, die Hilfe brauchen. Eben so, wie uns geholfen wurde.“

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