Demonstrationszug in der Stadt Wolfratshausen
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Demonstration für mehr Klimaschutz: Zu dem Protest aufgerufen hatte unter anderem der Wolfratshauser Ableger der „Fridays for Future“-Bewegung.

Initiator David von Westphalen: „Die meisten sind sehr enttäuscht“

Wolfratshausen for Future: Klimaschutz-Bündnis plant Aktionen

Gemeinsam für den Klimaschutz: Auf Initiative von David von Westphalen haben sich Eltern- und Großelternverbände mit den jungen Aktivisten von Fridays for Future zusammengeschlossen.

Wolfratshausen – Die Proteste zogen sich monatelang durch ganz Deutschland. Durch ganz Deutschland? Nein, Wolfratshausen war in dieser Hinsicht lange ein weißer Fleck auf der Landkarte der Klimaaktivisten. Eine Initiative aus Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren möchte das langfristig ändern. Unter dem Namen „WOR for Future“ schlossen sich Eltern- und Großelternverbände mit den jungen Aktivisten von Fridays for Future zusammen.

Vor einigen Wochen zogen bereits rund 100 Protestler bei einer groß angelegten, gemeinsamen Demonstration durch die Altstadt. Organisiert hatte die Aktion unter anderem David von Westphalen, der sich den „Parents for Future“ angeschlossen hat. Für ihn ist das Engagement für mehr Klimaschutz eine Gratwanderung zwischen tiefer Enttäuschung und stetig neuer Motivation. „Die Jugendlichen von Fridays for Future haben sich ein Jahr lang völlig für das Thema aufgerieben – und am Ende ist viel zu wenig passiert. Die meisten von ihnen sind sehr, sehr enttäuscht“, sagt der 39-Jährige.

David von Westphalen hat initiiert, dass sich Eltern und Großeltern in Wolfratshausen mit den jungen Klimaaktivisten von Fridays for Future zusammenschlossen.

Umsonst sei der Einsatz aber nicht gewesen: „Alle wissen seit Jahrzehnten vom Klimawandel. Aber erst 2019 haben die meisten Menschen verstanden, dass wir nur noch ein ganz kurzes Zeitfenster haben, um das Schlimmste zu verhindern.“ Denn auch wenn den meisten Demonstranten klar ist, dass sich die Erderwärmung zu einem gewissen Teil schon jetzt nicht mehr aufhalten lässt, „können wir immer noch alles tun, um es so gut wie möglich zu haben. Wir alle, die heute leben, haben die einzigartige Chance, die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte mitzugestalten. Keine Generation hatte je so viel Gestaltungsmacht – im Guten wie im Schlechten.“

Mit einer Zusammenarbeit zwischen allen Klimaaktivisten und dem Bund Naturschutz der Loisachstadt möchten von Westphalen und seine Mitstreiter auch in Wolfratshausen das Bewusstsein für die „einmalige Verantwortung“ schärfen, die auf allen Schultern laste. Die erste große Demonstration, die der Wolfratshauser Zusammenschluss organisiert hatte, weckte Hoffnungen bei den Initiatoren. „Es war wahnsinnig schön zu sehen, dass 100 Leute aus allen Altersgruppen durch die Stadt gezogen sind“, erinnert sich von Westphalen. Seitdem wachse etwa die Parents-for-Future-Gruppe stark.

Die Großveranstaltung im September sieht der Wolfratshauser als Auftakt für weitere Aktionen: Jeden Freitag machen Demonstranten mit Trillerpfeifen, Rasseln und Plakaten Lärm, um an den Klimawandel zu erinnern. „Da entwickeln wir gerade neue Formen, die allen auch Spaß machen, die berühren. Weitere große Protestzüge haben wir auch vor.“ Allerdings erst wieder, wenn die Corona-Bestimmungen es zulassen.

An überregionalen Aktionstagen, die Fridays for Future ausruft, möchten sich die Wolfratshauser Protestler beteiligen, sobald es möglich ist. Ihr Ziel ist es, auch in Wolfratshausen Flagge zu zeigen – und damit einen ganz wichtigen Denkanstoß zu liefern: Der Vater zweier Kinder glaubt, „dass die meisten Menschen, egal ob alt oder jung, denen der Klimawandel bewusst ist, nicht sehen, dass jeder handeln kann und wir handeln müssen“. Klimaschutz muss in seinen Augen durch die Politik passieren – und gleichzeitig bei den Menschen: „Wenn ich alleine sehe, wie viele Autos in Wolfratshausen täglich unterwegs sind, könnte ich manchmal die Hoffnung verlieren.“

Von Westphalen versucht es mit Engagement, er führt viele Gespräche, darunter mit den Menschen, die den Klimaprotesten so gar nichts abgewinnen können. „Mir ist es wichtig, dass wir anschlussfähig bleiben“, sagt er. Deshalb habe sich die Wolfratshauser Bewegung auch die Überparteilichkeit auf die Fahnen geschrieben. „Wir sind Klimaschützer, das hat mit Parteizugehörigkeit nichts zu tun.“

Dominik Stallein

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