Einige Umweltaktivisten bei einer Protestaktion an der Johannisgasse.
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Ein Bild aus aktiveren Tagen: 100 Umweltaktivisten zogen bei einer Protestaktion der „WOR for Future“-Bewegung im September 2020 durch die Altstadt.

WIE GEHT’S? Klimaaktivist David von Westphalen

Fridays for Future will „die Füße nicht stillhalten“

  • vonDominik Stallein
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Große Menschenansammlungen sind derzeit verboten. Ein Problem für Protestler. Trotzdem kündigt die Wolfratshauser Fridays for Future-Bewegung Aktionen an.

Wolfratshausen – Im Jahr 2019 konnte man fast den Eindruck gewinnen, es würde nur noch ein Thema geben: Klimaschutz. Inzwischen beherrscht die Corona-Pandemie fast alle politischen und gesellschaftlichen Debatten. Wie die Aktiven der „WOR for Future“-Bewegung, ein Ableger von „Fridays for Future“, damit umgehen, erklärt David von Westphalen im Gespräch mit unserem Volontär Dominik Stallein.

Herr von Westphalen, provokant gefragt: Ist die Luft raus bei den Klimaprotesten?

David von Westphalen: Nein. Die Luft wurde ja schon im vergangenen März abgelassen, als wir die erste Klimademo Wolfratshausens absagen mussten. Seitdem ist viel passiert, und wir haben uns wieder aufgepumpt. Wir haben den späten Sommer und den Herbst in Wolfratshausen genutzt, um bei mehreren Protestaktionen auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, inklusive der großen Demo im September. Seit November ist eben wieder Demopause.

Wie geht’s Ihnen und der der Gruppe damit?

David von Westphalen: Natürlich ist die Veranstaltungspause schwierig für eine Massenbewegung wie die Future-Proteste. Aber in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein, ist nur das eine. Vernetzung ist genauso wichtig. 2020 haben wir viel mehr Unterstützer gewonnen, vor Ort und bundesweit. Wir stehen über WhatsApp und andere Medien in ständigem Kontakt und werden auch in der Öffentlichkeit die Füße nicht dauerhaft stillhalten.

Das heißt im Klartext: Sie wollen wieder auf die Straße gehen?

„Wir werden die Füße nicht stillhalten“, sagt David von Westphalen

David von Westphalen: Wir hatten ja im Winter auch corona-kompatible Aktionen wie die Übergabe des Eiffelturm-Modells an den Vize-Bürgermeister, um an die Wahrung der 1,5-Grad-Grenze bei der Erderwärmung zu erinnern. Jeden Freitag um 15 Uhr machen wir einen kleinen „Weckruf Klimanotstand“ am Schwankl-Eck. Gerade bereiten wir ein Plakatierungs-Projekt vor. Was 2021 noch alles bringt, ist nicht vorherzusagen. Klar ist aber, dass wir in Wolfratshausen wieder zur globalen Klimademo am 19. März aufrufen werden. Dann ist ja auch wieder Frühling, und mit etwas Glück gehen wir da auf die Straße.

Wie viel Gehör schenkt man den Klimaprotesten aktuell?

David von Westphalen: Die Umfragen zeigen, dass den Menschen das Thema nach wie vor eines der wichtigsten ist. Auch in der Politik wird weiter darüber geredet. Aber wichtige Maßnahmen werden verschoben, vielleicht auch, weil der Politik die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise vor Augen stehen. Das ist verständlich, Krisen kosten Geld.

Aber?

David von Westphalen: Aber es ist eine viel zu kurzsichtige Einschätzung. Der Klimawandel hört nicht einfach auf, nur weil eine Pandemie über uns hinwegrollt. Es ist vielmehr ganz genau so wie beim Lockdown: Je länger man wirksame Maßnahmen hinauszögert, desto teurer wird es am Ende. Schon im vergangenen Jahr wurden Klima- und Einsparungsvorgaben meilenweit verfehlt. Ich frage mich schon: Ist denen überhaupt bewusst, dass in sieben Jahren unser komplettes CO2-Budget aufgebraucht sein wird? Da sind extreme Anstrengungen nötig, auch auf kommunaler Ebene. Die sehen wir nicht. Im Reden sind die Regierenden besser geworden. Im Handeln nicht.

Wie halten Sie Kontakt zur Stadt und dem Rat?

David von Westphalen: Wir stehen vor allem mit dem Klimareferenten des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt, in sehr regelmäßigem Austausch. Allerdings findet die Verwaltung oft Gründe, warum Vorschläge nicht angenommen werden können. Die Stadt hat zwar den Klimanotstand ausgerufen, aber eine Umsetzung sehen wir nicht.

In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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