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Experte: Vogelfreunde sollten weg vom Eigenheim

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Von: Peter Borchers

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Eine Futtersäule ist für viele Vogelarten wie diese Blaumeise optimal.
Eine Futtersäule ist für viele Vogelarten wie diese Blaumeise optimal. © oliver berg/DPA

Wer Vögeln im Winter ein Futterhäuschen aufstellt, tut ihnen eigentlich keinen Gefallen. Laut dem LBV-Kreischef sind sie aus hygienischer Sicht nicht unproblematisch. Doch es gibt Alternativen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als wir Walter Wintersberger anrufen und ihn darum bitten, mit uns ein Vogel- respektive Futterhäuschen zu bauen, machen wir gleich einen Fehler. „Davon ist man inzwischen abgegangen“, sagt der Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). So ein Häuschen könne nämlich zu einer Brutstätte von Krankheitserregern und Parasiten werden. „Die traditionelle Art von Futterhäuschen sind aus hygienischer Sicht nicht unproblematisch“, sagt der Wackersberger. „Wenn Vögel in diese Häuschen hineinkoten, können sie Krankheiten verbreiten. Gerade Finken sind da anfällig.“

Der LBV empfiehlt daher schon länger Futtersäulen, am besten mehrere nebeneinander für verschiedene Futter- und Vogelarten. Außen herum sind Sitzgelegenheiten angebracht, auf denen Tiere mit den Schwanzfedern nach hinten sitzen. „Ihre Hinterlassenschaften fallen so auf den Boden und nicht ins Futter“, erklärt Wintersberger. Wer noch ein traditionelles Häuschen im Garten stehen habe, müsse es jedoch jetzt nicht gleich entsorgen, so der LBV-Chef weiter. Wer allerdings über eine Neuanschaffung nachdenkt, „dem empfehlen wir diese Futtersäulen oder -silos“.

Vogelarten haben unterschiedliche Vorlieben beim Futter

Was die Futteraufnahme betrifft, unterscheiden sich die Vogelarten. Sperlinge und Stare gehen gerne in Häuschen beziehungsweise an Säulen. Andere meiden sie, nehmen ihr Futter lieber vom Boden auf. Zu ihnen zählen Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Bergfinken. Für sie gibt es spezielles Streufutter, das man großflächig in der Wiese verteilt. Damit reduziert sich die Gefahr der Übertragung von Krankheiten. Wintersberger selbst nutzt diese Methode „ganz gern bei mir im Garten. Es macht einfach Spaß, eine Stunde lang dazusitzen und den Vögeln beim Fressen zuzusehen.“

Walter Wintersberger, LBV-Kreisvorsitzender
Walter Wintersberger, LBV-Kreisvorsitzender © Archiv

Futter ist übrigens nicht gleich Futter. Vögel haben gewisse Vorlieben und Bedürfnisse. Weichfutterfresser wie Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Stieglitze „nehmen ganz gern Äpfel, Rosinen oder Getreideflocken“. Buch- und Bergfinken und Gimpel mögen’s lieber knackig. Der Experte nennt sie „Körnerfresser“. Zu ihren Leibspeisen zählen Erdnussbruch, Sonnenblumenkerne sowie ölhaltige Sämereien wie Hanf oder Mohn. Auf Fettfutter wie Meisenknödel stehen dagegen Spechte oder Kleiber. Die Meise selbst ist dagegen anspruchslos, „die nimmt von Körnern bis zum Fettfutter alles“. Fettfutter lässt sich aus Margarine und Haferflocken gut selbst herstellen. Wer diese noch warme Mischung dann unter Baumrinden schmiert, macht sich hungrige Spechte, Kleiber und Gartenbaumläufer zu dicken Freunden.

Ein No-Go in der Vogelfütterung sind Speise- oder Brotreste. Sie enthalten oft Salz, was laut dem LBV-Mann „für Vögel schlecht ist“. Wer sich für eine Futtermischung entscheidet, sollte darauf achten, nicht zu billig zu kaufen. Minderwertige enthalten oft Ambrosia-Saat. Wird die nicht gefressen und geht auf, können die Pflanzen laut Wintersberger „beim Menschen allergische Reaktionen hervorrufen“. Auch das in billigen Mischungen in großer Zahl vorhandene Getreide ist nicht gut. „Die Vögel fressen es kaum, es bleibt meistens liegen und fängt an zu schimmeln.“ Der Fachmann rät, „lieber ein bisschen mehr auszugeben“, möchte man seinen gefiederten Freunden etwas Gutes tun.  peb

Infos im Internet:

www.lbv.de

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