Wolfratshausen: Gastronomie-Szene verändert sich - „Echtes Wirtesterben“
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Neuer Pächter gesucht: Der Betreiber des Athos im Haderbräu möchte laut Anzeige aufhören.

Reges Kommen und Gehen

Beliebte Bar bleibt dunkel - dafür eröffnen zwei neue Kneipen

Neueröffnungen, Schließungen, Pächterwechsel: Die Gastronomie-Szene in der Loisachstadt verändert sich. Ein Rundgang durch die Wolfratshauser Altstadt.

Wolfratshausen - Beim Spaziergang durch die Markstraße fällt der Blick durch die Fenster des Athos im Haderbräu am Untermarkt. Das griechische Lokal, in dem Dritan Xhaka seit vier Jahren Gyros, Bifteki und frittierte Calamari verkauft, könnte demnächst einen neuen Anstrich bekommen. 

Über eine Immobilienplattform wird seit einigen Wochen ein neuer Pächter für das Restaurant mit Biergarten im Innenhof und Platz für 150 Gäste gesucht. „Der derzeitige Betreiber will aus persönlichen Gründen aufhören“, heißt es in der Anzeige. Einen Zeitpunkt, wann die Übergabe anvisiert werden soll, ist nicht zu erfahren. Klar scheint aber: Das traditionsreiche Haderbräu, das in den vergangenen 15 Jahren bereits fünf Wirte kommen und gehen sah, soll nicht lange leer stehen.

Wolfratshausen: Gastronomie-Szene im Wandel -  Rathauscafé seit Monaten geschlossen

Einige hundert Meter weiter hängt seit einigen Monaten das Schild „Geschlossen“ hinter der Glastür: Im Mai sperrte Rita Streicher das Rathauscafé endgültig zu. Seit 2015 hatte sie die Konditorei an der Loisach geführt. Dem vorläufigen Schlusspunkt im Mai war ein undurchsichtiges Hin und Her vorausgegangen: Streicher wollte das Geschäft an einen österreichischen Gastronomen übergeben. Nachdem der schon einige Wochen in Wolfratshausen arbeitete, wurde bekannt, dass er keine Zulassung erhalten werde, um das Café zu betreiben. 

Soll wiedereröffnen: das Rathauscafé.

Streicher übernahm das Geschäft daraufhin doch noch für einige Wochen. Inzwischen gibt es laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner einige Interessenten für das Rathauscafé, das der Stadt gehört. Der Mietvertrag mit dem Österreicher läuft zwar noch, aber das Landgericht München I hat wie berichtet entschieden, dass dieser die Immobilie wegen ausstehender Mietzahlungen in Höhe von rund 12 000 Euro räumen muss. „Vielleicht schon im Herbst“, so der Rathauschef, könnte ein neuer Konditor das beliebte Café mit Biergarten im Rathaus-Innenhof wiedereröffnen.

Update 19. Dezember 2019: Drei Bewerber wollen Rathauscafé wiedereröffnen - hier gehts zum Artikel

In Wolfratshausen soll bald mittelalterliche Schänke öffnen

Etwas weiter südlich soll sich bald mittelalterliche Stimmung in der historischen Altstadt breitmachen. Ab Mitte September kann man sich donnerstags bis sonntags in einem Keller an der Humplgasse zwischen Ritterrüstungen und Bildern von Wolfratshausen anno dazumal mit Humpen zuprosten. 

Der Name des Etablissements: Burgschenke. Der Burgverein Wolfratshausen möchte dort eine Kneipe eröffnen, in der „die Gäste so stilecht wie möglich“ ins Mittelalter eintauchen werden, wie Vorstandsmitglied Ernst Gröbmair erklärt. Rustikale Möbel, eine passende Speisenauswahl und urige Dekoration sollen für das richtige Ambiente sorgen. Zuvor lockten Feinkostläden, Familiencafé und griechische Taverne ganz unterschiedliche Gäste in den Zeno-Keller mit dem historischen Gewölbe – allerdings jeweils nur für einen überschaubaren Zeitraum.

Wolfratshausen: Tagesbar schließt nach nur drei Jahren

Die Dekoration eines Cafés nur wenige hundert Meter weiter steht bald zum Verkauf: Die Tagesbar im Wirth-Haus schließt in einigen Monaten. „Der Pachtvertrag läuft aus und wird nicht verlängert“, sagt Betreiberin Angela Buchberger.

Im September 2016 hatte die Gastronomin, die zuvor in Safari-Camps in Afrika sowie als Hotelmanagerin auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hat, die Tagesbar eröffnet. Mehr Details möchte sie zu der anstehenden Schließung nicht preisgeben. Bis März läuft der Vertrag noch.

Brückenwirt in Wolfratshausen steht seit April leer

Eine Traditionsgaststätte auf der anderen Seite der Loisach steht seit April leer. Im Brückenwirt blieb die Küche relativ unvermittelt kalt. Pächter Sebastian Blatt hatte den Gästen an der Königsdorfer Straße in den Jahren zuvor bayerische Spezialitäten serviert. Den Betrieb in dem historischen, gelben Eckhaus mit Türmchen und Erkern, das im Jahr 2015 aufwendig saniert worden war, gab er aus familiären Gründen auf. 

Wurde aufwendig saniert: der Brückenwirt.

Er nannte Nachwuchs in seiner Familie als Grund für die Schließung. Kurz danach verhandelte die Brauerei Löwenbräu – sie hat das Lokal gepachtet – mit zwei potenziellen Nachfolgern. Es handelte sich um junge Gastronomen, die sich mit dem Restaurant selbstständig machen wollten. Dieser Plan scheiterte jedoch an der Finanzierung. Das Kloster Schäftlarn, dem die Immobilie gehört, möchte sich auf Anfrage unserer Zeitung derzeit nicht dazu äußern, wie es künftig in der Immobilie mit dem beliebten Biergarten direkt am Fluss weitergehen soll.

Wolfratshausen: Zukunft von Lokal „Pajas“ ungewiss 

Völlig unklar scheint das auch bei einem Lokal am S-Bahnhof zu sein: Vor allem junge Erwachsene trafen sich bis vor wenigen Wochen in dem schmucken Biergarten des Pajas, um dort hausgemachte Burger oder Nachos zu essen, Shisha zu rauchen oder Cocktails zu trinken. 

Die Gastronomen gestalteten dafür das etwas heruntergekommen wirkende Ambiente des einstigen Frühlingsgartens komplett um und schafften eine einladende Atmosphäre mit Bierbänken auf der einen, gemütlichen Hockern an tiefen Lounge-Tischen auf der anderen Seite des großen Biergartens am Fahrradweg. 

Seit einigen Wochen sind die Fenster des renovierten Gastraums jedoch dunkel. Auf der Homepage und der Facebook-Seite des Restaurants sind keine Infos zu finden, warum der Laden geschlossen bleibt. Auch ein Anruf führt ins Nichts, das Telefon wurde abgemeldet.

Hopf-Schänke in Wolfratshausen: „Man kann von echtem Wirtesterben sprechen“

Im Nachbargebäude gibt es eine Kneipe, deren Name vermutlich jeder in Wolfratshausen kennt: die Hopf-Schänke. Hier möchte Christian Pfadisch zeitnah neueröffnen – „vielleicht in vier bis sechs Wochen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Davor hat er die Räume aufwendig saniert. Er habe sich „damit ein bisschen mehr Zeit gelassen und es dafür gründlich gemacht“. Die neue Wirtschaft solle Bestand haben. 

Das sei in der Loisachstadt momentan nämlich nicht die Regel. „Wenn man sich anschaut, wie viele Gasthäuser zumachen oder schon geschlossen sind, kann man von einem echten Wirtesterben sprechen“, beurteilt Pfadisch den Ist-Zustand. Mit der Wiedereröffnung der Hopf-Schänke, zu der bald auch ein Pizza-Ofen samt Lieferdienst gehören sollen, wolle der Wirt ein Zeichen dagegensetzen.

In vielen Städten ist es extrem hip, sich vegan zu ernähren. So schauts mit veganem Essen im Landkreis Wolfratshausen aus.

dst

Ein gemütlicher Abend in Wolfratshausen endete für drei Partygäste in der Klinik: Ihnen waren die gereichten Haschkekse nicht bekommen, berichtet die Polizei.

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