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Andrea Titz, bislang Chefin vom Wolfratshauser Amtsgericht, verlässt Wolfratshausen.

Interview

„Gehe mit positiven Erinnerungen“: Direktorin Andrea Titz verlässt das Amtsgericht

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Neuer Chef beim Wolfratshauser Amtsgericht gesucht: Direktorin Andrea Titz verlässt nach zweieinhalb Jahren die Loisachstadt. Schon am 1. Februar tritt sie ihre neue Stelle an. 

Wolfratshausen– Das Amtsgericht Wolfratshausen sucht einen neuen Chef, respektive eine neue Chefin. Direktorin Andrea Titz, die im Sommer 2017 das Rampenlicht, das die ehemalige Pressesprecherin des Oberlandesgerichts in München umgab, gegen die Beschaulichkeit der Flößerstadt eintauschte, verabschiedet sich nach Traunstein. Dort tritt sie am 1. Februar ihre neue Stelle als Vizepräsidentin des Landgerichts an.

Frau Titz, ist Ihnen die Provinz nach gut zweieinhalb Jahren doch zu langweilig geworden?

(lacht) Nein, aber bei der Justiz verlaufen die Wege manchmal unerwartet. Diese Option hatte ich, ehrlich gesagt, nie auf dem Schirm. Aber dann hat sich plötzlich die Gelegenheit ergeben. Ich kenne Traunstein seit langer Zeit. Ich habe dort meine berufliche Laufbahn begonnen und zehn Jahre dort gearbeitet. Von daher liegt es mir natürlich sehr, sehr nahe. Es hat mir dort immer gut gefallen, deshalb habe ich die Chance ergriffen.

Also schließt sich jetzt ein Kreis…

…ja, sozusagen. Wenn ich am 1. Februar nach Traunstein zurückkomme, bin ich auf den Tag genau 15 Jahre von dort weggewesen.

Was machen Sie dort genau?

Ich werde Vizepräsidentin des Landgerichts. Zudem werde ich als Richterin die Berufungsstrafkammer haben und daneben eben die Verwaltungsaufgaben wahrnehmen. Beides zu etwa 50 Prozent, also ähnlich wie hier in Wolfratshausen.

Ist Ihnen seinerzeit der Wechsel vom Oberlandesgericht zum kleinen Amtsgericht schwergefallen?

Nein. Was ich in München gemacht habe, die Arbeit als Pressesprecherin, war ja etwas völlig anderes, als das, was man sonst bei der Justiz macht. Fachlich, mit den umfangreichen Verwaltungsaufgaben, war es hier eine große Herausforderung, aber nicht wegen der Größe der Stadt. Die Fälle sind am großen Amtsgericht München nicht anders als am kleinen Amtsgericht Wolfratshausen.

Was nehmen Sie aus zweieinhalb Jahren Wolfratshausen mit?

Ich nehme zum einen mit die sehr, sehr gute, konstruktive Atmosphäre und die Kollegialität, die die Mitarbeiter hier im Haus verbindet. Und ich werde immer dafür dankbar sein, wie freundlich und wie wohlwollend ich aufgenommen worden bin.

Gibt es rückblickend eine besonders schöne Erinnerung?

Ja, eine besondere Herausforderung war die Einrichtung eines konzentrierten Bereitschaftsdienstes bei Gericht. Das gab es noch nicht so häufig, als wir das zum 1. Januar 2018 eingeführt haben.

Was bedeutet das genau?

Es muss jeden Tag bis 21 Uhr und auch am Wochenende ein Richter zur Verfügung stehen, der Entscheidungen treffen kann, wenn beispielsweise jemand in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden soll oder bei Abschiebehaft-Sachen. Dafür braucht es einen Bereitschaftsdienst, der außerhalb der Dienstzeiten greifbar ist. Diesen Dienst haben wir, fünf Richterinnen und Richter des Amtsgerichts Wolfratshausen, übernommen – für den gesamten Bezirk des Landgerichts München II, von Fürstenfeldbruck bis nach Garmisch. Dass wir als kleines Amtsgericht das geschafft haben, ist sicher die Erinnerung, bei der ich mit besonderem Stolz auf die Kolleginnen und Kollegen zurückblicken werde.

Und woran möchten Sie am liebsten nie mehr erinnert werden?

Es gibt nichts, wovon ich sagen würde, dass es mich nachhaltig abgeschreckt oder sehr belastet hat. Nein, ich werde nur mit positiven Erinnerungen gehen.

Video: Bisweilen stand Andrea Titz im internationalen Rampenlicht

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Auch in diesem Jahr gab es für die Richter im Amtsgericht schon einiges zu tun: Weil er sich betrunken hinters Steuer setzte und beim Überholen ins Schleudern geriet, musste sich ein Eurasburger vor Gericht verantworten. Vom Richter erhielt er eine hohe Strafe. Ein 61-jähriger Dietramszeller hingegen soll Vize-Bürgermeister Häsch geohrfeigt haben. Weil Aussage gegen Aussage stand, stellte das Gericht das Verfahren ein.

rst

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