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Über die Schlapphüte aus Pullach referierte Prof. Dr. Wolfgang Krieger in Wolfratshausen. Das Foto zeigt den Eingang des Geheimdienstgeländes. 

Vortrag im evangelischen Gemeindesaal

Die „geheimen Schlapphüte“ und ihr Arbeitsplatz in Pullach

Auf Einladung des Historischen Vereins referierte ein Experte in Wolfratshausen über „geheime Schlapphüte“ und ihren Arbeitsplatz - den Bundesnachrichtendienst.

Wolfratshausen – Gespannte Stille herrschte unter den rund 80 Gästen eines Vortragsabends des Historischen Vereins Wolfratshausen im evangelischen Gemeindesaal. „Unter Ihnen weilen mit Sicherheit einige geheime Schlapphüte“, mutmaßte Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft. Es ging an diesem Abend um den Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach. „Ursprünglich wollten wir eine Exkursion zum BND durchführen“, verriet Krafft. „Trotz aller Kontakte“ stieß die Journalistin dort auf verschlossene Türen. Auch wenn ein Großteil des Nachrichtendienstes inzwischen nach Berlin umgezogen ist, bleiben die Gebäude in Pullach streng geheim.

Doch kein Schaden ohne Nutzen: Als Alternative hatte Krafft den Geheimdienstexperten Prof. Dr. Wolfgang Krieger als Referenten gewinnen können. Der renommierte Historiker kennt sich mit dem Bundesnachrichtendienst bestens aus. „Im BND gab es anfangs einige, die eine braune Weste aus der Zeit des Nationalsozialismus hatten“, erklärte Krieger. Deshalb sei vom Geheimdienst 2011 eine unabhängige Historikerkommission zur Aufklärung einberufen worden. Dieser Kommission gehört Wolfgang Krieger bis heute an. Gemeinsam mit seinen Kollegen legt er Stück für Stück die Geschichte des Nachrichtendienstes von 1945 bis 1968 offen. „Für diesen Zweck habe ich Einsicht in alle Unterlagen dieser Zeit.“

Nach einer Einführung in die allgemeine Geschichte des Bundesnachrichtendienstes erklärte der 72-Jährige die Entstehung des BND. „Im Gründungsjahr 1945 gab es noch keinen BND, sondern die Organisation Gehlen.“ Diese Organisation sei nach Kriegsende vom amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA aufgebaut worden. „Zunächst war der Nachrichtendienst auch noch kein deutscher Dienst“, erklärte der Professor. Vielmehr diente er den Amerikanern. „Meiner Ansicht nach war der Geheimdienst aber auch nach seiner Umwandlung im Jahr 1956 in den Bundesnachrichtendienst ein Einflussinstrument der USA – zumindest weitere fünf Jahre lang.“

Damit kam Krieger zur Entwicklung des BND nach 1956. „Der BND ist meiner Meinung nach ein ungünstiger Apparat in der Regierung“, sagte er. So sei es eine Fehlentscheidung gewesen, nicht früher in die Bundeshauptstadt umzuziehen. „Durch den Standortvorteil anderer Ämter hat sich der BND oft selbst ausgebootet.“

Der Historiker nahm den Nachrichtendienst aber auch in Schutz. Dass das Bild des BND in der Öffentlichkeit stark zwischen Skandalisierung und Banalisierung schwanke, kann er sich nur durch Fehler in der Politik und in den Medien erklären. Debatten um den Gegensatz von Sicherheit und Bürgerrechten seien irreal. „Bürgerrechte sind völlig wertlos, wenn der Bürger keine Sicherheit hat“, sagte Krieger. Und: „Solche Debatten halte ich für einen großen Krampf.“ Auch angebliche Machenschaften innerhalb des Nachrichtendienstes gebe es nicht, da der BND ausreichend geprüft werde.

Dem Vortrag schloss sich eine Fragerunde an. Zur Zukunft des Geländes in Pullach verriet Krieger: „Etwa 1000 Dienststellen werden in Bayern verbleiben.“ Dafür werde der Ostteil des Geländes verkleinert und der Westteil ganz aufgegeben. „Endgültig ist aber – soweit ich weiß – noch nichts entschieden.“

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Am Ende erhielt der Historiker für seinen Vortrag tosenden Applaus und als Dankeschön eine Eintrittskarte für den Erinnerungsort Badehaus in Waldram sowie ein geschichtliches Buch, herausgegeben vom Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald. Das strahlende Lächeln von Wolfgang Krieger kommentierte ein Gast mit den Worten: „Ein echter Historiker eben.“

Jonas Napiletzki

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