Gott und die Welt 

Geistlicher erklärt: Diese Botschaft vermittelt das Herz-Jesu-Fest heutzutage

In dieser Folge der Reihe „Gott und die Welt“ spricht Dekan Gerhard Beham darüber, warum die Botschaft des Herz-Jesu-Freitags gerade heutzutage so wichtig ist. 

Wolfratshausen – Wie wohltuend ist es, wenn jemand „Herz zeigt“ gegenüber einem Hilfesuchenden, oder „beherzt“ reagiert, wo ein Konflikt zu eskalieren droht. Nicht zuletzt zieht es jeden von uns in die Nähe von Menschen, von denen ich weiß: „Der oder die hat ein Herz für mich.“ Solche Menschen lassen uns ahnen, dass es im Tiefsten die Liebe ist, die das Leben und die Welt in ihrem Innersten zusammenhält.

Neulich kam ich auf einer Radtour an einer Kapelle vorbei. In ihr hing eines dieser traditionellen Jesus-Bilder, die uns heute eher fremd und kitschig vorkommen: Jesus, mit verklärtem Blick, nicht mehr ganz von dieser Welt, und doch so ganz und gar Mensch, mit einem freischwebenden, strahlenden Herzen auf der Brust. Jemand hatte frische Pfingstrosen unter das Bild gestellt.

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Am dritten Freitag nach Pfingsten – an diesem Freitag – feiert die katholische Kirche das Herz-Jesu-Fest. Es ist ein Nachklang zum Karfreitag, an dem sich Jesus für uns tödlich verwunden ließ: „…einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus (Joh 19,34)“. Die Liebe Gottes ist für uns nicht abstrakt geblieben: Sie ist deutlich geworden in der Liebe des Einen, der sein Leben hingegeben hat „für die vielen“. Nicht Gewalt und Machtpolitik sind es, die den Lauf der Geschichte einmal vollenden, sondern diese eine Wahrheit: „Mein Leib, hingegeben für euch!“

Viele Menschen fühlen sich heute in der Unübersichtlichkeit des Lebens wie verloren. Die Wissenschaft hat die gewaltigen Tiefen des Universums entdeckt. Es ist erschreckend in seiner Größe und in seiner Gleichgültigkeit. Und da ist unsere kleine Erde, ein Stäubchen im Weltall! Wie verloren! Aber auf unserer Erde hat das Kreuz gestanden. Die Mitte des Universums: das durchbohrte Herz. Die verborgene Mitte der Welt ist für uns Christen das durchbohrte Herz Jesu als Ausfluss der Liebe Gottes.

Herzlichkeit im Alltäglichen

Welche Herzlichkeit im Kleinen, Alltäglichen mag der Besucher der Kapelle erfahren haben, der das Herz-Jesu-Bild mit den schönen frischen Blumen geschmückt hat? Vielleicht hat er einfach in diesen Wochen in der Schönheit der Natur den Herzschlag der Liebe Gottes gespürt. Dass trotz aller Erfahrung von Einsamkeit, Eifersucht, Neid und Streit in der Mitte der Welt das Herz Gottes für uns schlägt, das auch uns Menschen zur Liebe befähigt.

Gerhard Beham: Katholischer Dekan in Wolfratshausen

Wir Seelsorger bringen dies zum Ausdruck, wenn wir jeweils am ersten Freitag eines Monats, dem sogenannten Herz-Jesu-Freitag, den kranken und alten Mitchristen unserer Pfarrgemeinde die Kommunion direkt nach Hause bringen, ein ganz persönlicher Dienst, wozu wir uns Zeit nehmen. „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete“, sagen die Emmaus-Jünger. Weil sie IHN, den Auferstandenen, durch diese Erfahrung fortan tief in ihrem Herzen hatten, konnte ihr Glaube Frucht bringen und andere anstecken zum Glauben.

Ich wünsche uns heute ein weites Herz in den Widerfahrnissen dieses Tages und dazu die Erfahrung, dass im Pochen des eigenen Herzens zugleich das große Pochen dessen hörbar ist, der auch mich auf ewig in sein Herz geschlossen hat.

Rubriklistenbild: © dpa / Arne Dedert

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