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Jägern und Schützen steht ausreichend Munition zur Verfügung

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Von: Peter Borchers

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Waffenmesse IWA 2009 in Nürnberg
Kein Engpass: Jäger und Schützen haben nicht unter Lieferschwierigkeiten zu leiden. Ein Grund: Der Branchenführer sitzt in Bayern, die Wege sind kurz. © Daniel Karmann

Wenigstens einen Bereich ohne Lieferengpässe scheint es zu geben: Jäger und Schützen erhalten derzeit noch genügend Munition.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Dass Sprit und Butter teurer geworden sind, sehen wir täglich an der Tankstelle und im Supermarkt – ebenso, dass manche Dinge aufgrund von Lieferengpässen vor dem Hintergrund von Pandemie und Krieg schwer zu bekommen sind. Andere Preissteigerungen bekommen die meisten unter uns gar nicht mit, denn sie treffen kleine Zielgruppen. Dazu zählen Jäger und Schützen. Ihnen ist gemein: Sie benötigen Munition.

In der Pandemie wurde Munition gespart

Von generellen Lieferproblemen mag Markus Lehner nicht sprechen. Zum Glück nämlich wird ein Großteil der hierzulande von Jägern und Sportschützen verwendeten Munition in Deutschland produziert: Die Firma RUAG Ammotec ist am Standort Fürth europäischer Marktführer für Jagd- und Sportmunition. Folglich sind die Lieferwege kurz. „Normale Jagdmunition für Jäger gibt es derzeit ausreichend“, betont der Inhaber des „Tölzer Waffen Stüberls“. Wolle jemand etwas Spezielles, könne es aber ein paar Wochen dauern. „Das ist wie beim Autokauf. Möchte ich besondere Extras, muss ich meistens länger warten, als wenn ich das Modell in der Grundausstattung nehme.“

Auch dass Munition teurer geworden ist, möchte Lehner nicht pauschalisieren. „Das hängt von den in der jeweiligen Munition verwendeten Komponenten ab.“ Enthalten Patronen verteuerte Zutaten, „kann die Preissteigerung schon bei 10 bis 13 Prozent liegen“. Hilferufe aus den Schützenvereinen hat Lehner bisher nicht gehört. Viele legten sich Vorrat an, sagt der Experte. Denn auch hier bestimmt die Abnahmemenge den Preis. Hinzu komme, ergänzt der Tölzer, seit zwölf Jahren in diesem Geschäft zuhause, „dass während der Pandemie kaum geschossen und dementsprechend weniger Munition verbraucht worden ist“.

Munition wird nicht „blind rausgehauen“

„Genauso ist es“, bestätigt Alois Schwaiger. Es könne schon sein, dass Munition teurer geworden ist, sagt der Vorsitzende der Gebirgsschützenkompanie Beuerberg-Herrnhausen, „aber wir haben mal eine größere Menge gekauft und noch Vorrat“. Und: „Wir hauen die Munition nicht blind raus, denn natürlich kostet sie Geld.“ Die Beuerberger haben keine Böllerschützen in ihren Reihen. Für ihren Sport nutzen sie nur Luftpistolen und -gewehre sowie Zimmerstutzen. Die werden mit Diabolos respektive Rundkugeln geladen. „Unser Bestand ist ausreichend“, sagt Schwaiger, „wir sind deshalb entspannt.“

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Ähnlich gelassen ist Josef Heßlinger, Jäger und Sprecher des Kreisjagdverbands. Er bekommt die Munition, die er benötigt, ohne Schwierigkeiten – und er hat auch von Kollegen nichts Gegenteiliges gehört. Der Tölzer schätzt, dass die Patronen „um zwei bis fünf Prozent teurer geworden“ sind, „eigentlich die übliche jährliche Preissteigerung“. Und dies falle kaum ins Gewicht, „da unsere Abnahmemengen ja eher gering sind“. Wie viel Schuss ein Jäger benötigt, hängt auch von der Größe seines Reviers ab. Heßlinger selbst hat Munition für zwei Jagdsaisonen im Safe, etwa 50 Schuss. So viel Wild schießt er natürlich nicht, aber „man benötigt ja auch Munition, um am Schießstand zu üben oder sein Gewehr neu zu justieren“. Und nicht selten wird ein Jäger gerufen, um ein nach einem Wildunfall verletztes Tier zu erlösen.

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Jürgen Treske, Hauptmann der Königsdorfer Gebirgsschützen
Jürgen Treske (li.) seine Jagd- und Sportmunition wiederbefüllt, muss mit Lieferproblemen bei einzelnen Komponenten rechnen. © Hans Lippert

Eine etwas andere Sicht auf das Thema hat Jürgen Treske – und das hat einen Grund: Der neue Hauptmann der Königsdorfer Gebirgsschützen und Jäger lädt nach einer Zusatzausbildung seine Munition selbst. Dazu muss er für die wiederverwendbaren Hülsen Zündhütchen, Pulver und Geschosse bestellen – was aktuell problematisch sein kann: „Es ist verdammt schwierig, an Jagdgeschosse zu kommen. Die Lieferzeiten und entsprechend die Verfügbarkeit sind fürchterlich.“ Auch Zündhütchen „sind im Augenblick kaum zu bekommen“.

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Für die Jagd benötigt der Schönrainer pro Saison lediglich etwa 20 Schuss, „weil ich im Revier nur mitgehe“. Als „leidenschaftlicher Schütze im Großkaliberbereich“ verschießt er im Jahr jedoch rund 1000 Schuss an selbst gemachter Jagd- und Sportmunition an einem Schießstand in Schongau. Dort stehen den Sportschützen ein laufender Keiler, ein 100-Meter-Kugel- und ein Tontauben-Stand zur Verfügung. Letzterer, direkt am Lech gelegen, „wird mehr und mehr reglementiert“, so Treske. Benutzt werden darf dort nur noch die leisere Unterschall-Munition. „Dieses Schießen hat aber mit der Jagd nix mehr zu tun. Ich kann mit Unterschall-Munition keine Ente, keinen Hasen und keinen Fuchs bejagen, weil ihr die Energie fehlt“, die „Tötungssicherheit“ ergo nicht gegeben sei.

Ab nächstem Jahr muss die Munition zudem frei von Blei sein – für Treske „ein Widerspruch in sich“. Derzeit produziere kein Hersteller Munition in der Kombination Unterschall/bleifrei, „weil man auf ein Stahlgeschoss die Energie erst recht nicht draufbringt. Das funktioniert hinten und vorne nicht.“

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