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Vorsicht: In jüngster Zeit mehren sich die Anrufe von Unbekannten, die ihr Gegenüber mit professionellen Tricks hinters Licht führen wollen.

„Bleiben Sie misstrauisch!“

Aufs Bauchgefühl hören: Polizei klärt Senioren über Betrugsmaschen auf

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Immer wieder versuchen Betrüger in letzter Zeit, Bürger in Geretsried und Wolfratshausen um ihr Erspartes zu bringen. Die Polizei klärte Senioren deshalb über Betrugsmaschen auf - und gab wertvolle Tipps.

Wolfratshausen/Geretsried – Nepper, Schlepper, Bauernfänger: Trotz fortlaufender Warnungen der Polizei und umfassender Berichterstattung in den Medien lassen sich immer noch viele Bürger von Trickbetrügern hinters Licht führen. Erst vor wenigen Tagen wurde eine Seniorin in Geretsried um ihr Vermögen gebracht (wir berichteten). Auch am Dienstag versuchten falsche Polizeibeamte, meist ältere Menschen in Geretsried per Telefon übers Ohr zu hauen. An einem Info-Nachmittag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Wolfratshausen im Wirtshaus Flößerei gab die Polizei jetzt Tipps, wie man sich vor Betrügereien schützen kann – das Interesse war groß.

Trotz fortlaufender Warnungen: Bürger fallen auf Trickbetrüger rein

„Ist hier irgendjemand, der Geld zu verschenken hat?“ Auf die Frage von Rudolf Schübbe, Sicherheitsberater der bayerischen Polizei, folgten neben einigen Lachern ausschließlich Verneinungen. „Gut. Ich bin nämlich heute hier, um Sie genau davor zu bewahren“, versprach Schübbe den mehr als 50 Senioren. Die demografische Entwicklung, die Überalterung der Gesellschaft, machen sich nach den Worten des erfahrenen Beamten die Ganoven zunutze. Hinzu kommt: Das Risiko, bei Betrugsversuchen am Telefon erwischt zu werden, „ist relativ gering“, so Schübbe. Eindringlich warnte er: „Die Personen, die Sie anrufen, das sind Profis. Die wissen genau, wie man Gespräche aufbaut und sich das Vertrauen des Gegenübers erschleicht.“

In der Region versuchen Unbekannte immer wieder ihr Glück, indem sie sich am Telefon als Polizeibeamte ausgeben, berichtete Erster Hauptkommissar Andreas Czerweny, Leiter der Polizeidienststelle Wolfratshausen. Erst vor wenigen Tagen hätten Betrüger einem 88 Jahre alten Wolfratshauser die Mär von einer rumänischen Einbrecherbande aufgetischt, die angeblich in der Loisachstadt ihr Unwesen treibe. „Zum Schutz wollten die Betrüger auf die EC-Karte des Rentners aufpassen. Während des Telefongesprächs haben sie ihm sogar seinen PIN-Code entlockt.“ Der 88-Jährige fiel auf den Trick rein – und wurde um 3000 Euro erleichtert.

Wolfratshausen/Geretsried: Ganoven geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus

„Mich hat vergangene Woche auch einer angerufen. Aber mich erwischen die Gauner nicht, ich leg’ immer sofort auf“, erzählte einer der Besucher. Gut gemacht, lobte Sicherheitsberater Schübbe: „In dem Moment, in dem Sie ein komisches Bauchgefühl bekommen, legen Sie einfach den Hörer auf.“ Im Falle des Ernstfalls rufe die (echte) Polizei niemanden an, „sondern kommt persönlich bei ihnen zu Hause vorbei“, ergänzte Hauptkommissar Czerweny.

Anrufern, die Gewinne versprechen, aber im Vorfeld um eine Geldüberweisung bitten, damit die Glücksfee tätig wird, dürfe man keinen Glauben schenken. „Natürlich fällt nicht jeder auf diese Masche rein, aber wenn die Betrüger nur eine Person pro Tag erwischen, reicht das schon“, sagte Seniorenberater Schübbe.

„Lassen Sie das Geld, wo es hingehört - auf der Bank!“

Doch die Gefahr lauert nicht nur am Telefon, sondern auch vor der eigenen Haustür. Das Ziel der professionell vorgehenden Ganoven: die Ersparnisse der Senioren. Ob angebliche Handwerker oder eine harmlos wirkende Frau, die um ein Glas Wasser für ihr Kind bittet – Schübbe warnte mit Nachdruck: Die Betrüger agieren oft zu zweit. Nach einem Blick durchs Wirtshaus stellte er fest: „Jeder von Ihnen hat daheim vermutlich eine kleine Reserve Bargeld gelagert. Glauben Sie mir, die wissen, wo sie suchen müssen. Lassen Sie das Geld, wo es hingehört – auf der Bank.“

Polizei appeliert: „Bleiben Sie misstrauisch!“

Schübbes eindringliche Empfehlung an alle Bürger: „Ab sofort befolgen Sie als oberste Regel: In meine Wohnung kommt kein Fremder. Lassen Sie sich nicht über den Tisch ziehen, bleiben sie misstrauisch.“ Die Betrüger seien „menschenverachtende Profis“. Czerweny unterstrich: „Wir sind für Sie da. Unter der Telefonnummer 110 können Sie uns jederzeit erreichen.“

Die Fälle von Betrugsversuchen häufen sich in letzter Zeit: EinWolfratshauser (80) hatte angeblich 40.000 Euro gewonnen - doch das Ganze entpuppte sich als Betrugsversuch. Eine 54-jährige Wolfratshauserin fiel jedoch nicht auf die Ganoven rein: Der Anruf einer angeblichen Cousine stammte von einer Trickbetrügerin.

kof

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