Mehr Zeit für die Liebe? Trotz der coronabedingten Einschränkungen ist der Babyboom bislang ausgeblieben.
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Mehr Zeit für die Liebe? Trotz der coronabedingten Einschränkungen ist der Babyboom bislang ausgeblieben.

Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen

Babyboom wegen Corona ? Ein Blick auf die Geburtenzahlen

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Neun Monate nach Stromausfällen gibt es einen kleinen Babyboom, so die landläufige Meinung. Hatte Corona schon einen ähnlichen Effekt? Wir haben nachgefragt.

Wolfratshausen/Bad Tölz – Wenn viele Babys auf einmal auf die Welt kommen, wird gerne gescherzt, dass es 40 Wochen zuvor wohl einen Stromausfall gegeben haben muss. Dementsprechend freudiger Erwartung war so mancher Hobby-Statistiker, dass sich der coronabedingte Lockdown im März ähnlich auf die Geburtenzahlen im Dezember auswirken könnte. Der Babyboom ist jedoch ausgeblieben.

Tatsächlich verzeichnete die Kreisklinik Wolfratshausen im Jahr 2020 exakt so viele Entbindungen wie im Vorjahr, also 616. „Die geburtenstärksten Monate in 2020 waren der September und der Dezember“, weiß Stefan Berger, Pressereferent der Starnberger Kliniken, an die die Wolfratshauser Geburtshilfe angeschlossen ist. Im Schnitt erblicken in der Flößerstadt jeden Monat zwischen 45 und 50 Kinder das Licht der Welt. Im September und Dezember waren es durchschnittlich je zehn Geburten mehr. „Ob das aber nun in irgendeiner Form mit der Corona-Pandemie zusammenhängt oder einfach nur Zufall ist, wissen wir allerdings auch nicht“, sagt Berger.

Das Wolfratshauser Standesamt kann ebenso bislang keinen Ausreißer bei den Geburten ausmachen. Vergangenes Jahr waren es 615, im Jahr zuvor 627, berichtet Standesamtsleiterin Petra Konrad. Noch lasse sich also nicht sagen, dass wegen Corona mehr Babys zur Welt gekommen sind. „Vielleicht kommt es noch“, so Konrad.

Da Kinder am Ort ihrer Geburt beurkundet werden, fallen die Zahlen in Geretsried und Bad Tölz deutlich geringer aus als in Wolfratshausen. Das Geretsrieder Standesamt ist auch zuständig für die Gemeinden Dietramszell, Icking, Münsing und Königsdorf. Dort gab es vergangenes Jahr insgesamt 14 Hausgeburten. In Dietramszell, Icking und Königsdorf war es je eine. Dass es in der größten Stadt des Landkreises mit sieben Geburten vier mehr als im Jahr zuvor waren, wird ein Zufall sein. In Münsing waren es nämlich vier im Jahr 2020 und damit weniger als im Vorjahr (sieben). Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt, fasst zusammen: „Wir können keinen wirklichen Zusammenhang feststellen.“

Im Standesamtsbezirk Bad Tölz, wozu Wackersberg, die Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern und Bad Heilbrunn gehören, waren es 2020 zehn Hausgeburten. Um einen Vergleich zu haben, zieht Wolfgang Steger, Leiter des Standesamts und Bürgerbüros, die Statistik des Einwohnermeldeamts heran, die alle Kinder aufzählt, die von Müttern geboren wurden, die ihren Hauptwohnsitz in Bad Tölz haben. Demnach waren es 2020 mit 153 sogar drei Geburten weniger als im Vorjahr (156). So gesehen war „2020 für Bad Tölz ein weitgehend ,normales Jahr‘“, so Steger. Zumindest der Statistik nach.

Viele Paare trauten sich trotz Corona

Mit Maske zur Trauung schreiten, teils nur mit fünf Angehörigen und ohne anschließende Feier in der Wirtschaft: Hochzeiten liefen 2020 wegen der Corona-Pandemie alles andere als traditionell ab. In Wolfratshausen haben deswegen manche Heiratswilligen ihren geplanten Termin verschoben. „Ein paar haben ganz abgesagt, ein paar wollten unbedingt“, berichtet Petra Konrad, die das Standesamt in der Loisachstadt leitet. So wurden 2020 nicht viel weniger Paare zu Mann und Frau erklärt als im Vorjahr. 116 sagten „Ja“, 2019 waren es 127. Auch in Bad Tölz war die Nachfrage nach Trauungen trotz der Pandemie weiterhin hoch, berichtet Standesamtsleiter Wolfgang Steger. Mit 208 Eheschließungen waren es 2020 nur zehn weniger als im Vorjahr. 45 Trauungen fanden samstags statt – an 24 unterschiedlichen Terminen. 46 Paare nutzten die Möglichkeit, außerhalb des Rathauses „Ja“ zu sagen: 37 heirateten im Kurhaus, drei im Historischen Sitzungssaal und sechs im Planetarium. 112 der Eheleute stammten nicht aus dem Tölzer Standesamtsbezirk. Im Jahr vorher wurden 119 auswärtige Paare getraut. Einen gegenläufigen Trend verzeichnet das Standesamt in Geretsried. Dort gab es 2020 insgesamt 163 Eheschließungen und damit etwas mehr als im Vorjahr, in dem 144 Paare aus Geretsried, Dietramszell, Icking, Münsing oder Königsdorf „Ja“ zueinander sagten.

sw

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