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Endstation Geretsried-Süd: Das ist der Traum von vielen Geretsriedern. Seit der Stadterhebung 1970 wünscht sich die Kommune einen Anschluss an das Münchner S-Bahn-Netz. 

Nächster Halt Geretsried

S7-Verlängerung: Heute aktuelle Infos in der Loisachhalle 

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Seit Jahrzehnten wird um den Gleisanschluss von Geretsried an das Münchner S-Bahn-Netz gerungen. Jetzt steht das gewaltige Bauprojekt kurz vor der Eröffnung des zweiten Planfeststellungsverfahrens. 

Geretsried/Wolfratshausen – Das Eisenbahnbundesamt hat die geänderten Pläne für die Verlängerung der S7 von Wolfratshausen in die größte Stadt des Landkreises freigegeben. Am 16. und am 23. Januar werden die Bürger über den Stand der Dinge informiert.

Bahnhof in Wolfratshausen

Aus dem bisherigen Endbahnhof soll ein Begegnungsbahnhof unter der Erde werden. Weiterhin oberirdisch soll der Güterverkehr abgewickelt werden. Dafür muss der Bahnübergang an der Sauerlacher Straße neu gebaut werden.

Verlauf der Trasse

Auf einer Strecke von 9,2 Kilometern soll die S-Bahn-Trasse vom Wolfratshauser Bahnhof eingleisig über Gelting nach Geretsried verlängert werden. Vorgesehen sind drei Bahnhöfe: in Gelting, in Geretsried Mitte und in Geretsried Süd. Am neuen Endbahnhof soll es eine S-Bahn-Abstell- und Wendeanlage geben. Insgesamt sind für die Gleisverlängerung acht neue Eisenbahnbrücken und drei Straßenbrücken notwendig.

Kosten und Finanzierung

Die Planungs- und Baukosten der S-Bahn-Verlängeurng wurden zuletzt im Jahr 2012 auf 167 Millionen Euro geschätzt. Basis war laut Deutscher Bahn eine Machbarkeitsstudie für die Tieferlegung der Haltestation in Wolfratshausen, die im Rahmen eines Runden Tisches erstellt wurde. Bund, Freistaat, der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie die Deutsche Bahn AG wollen das Projekt finanziell gemeinsam stemmen.

Zweites Verfahren

Über 700 Einwendungen gab es im Rahmen des ersten Planfeststellungsverfahrens vor vier Jahren. Hauptkritikpunkt: Die S-Bahn sollte oberirdisch in Richtung Geretsried rollen. Das hätte bedeutet, dass sich die Bahnschranke an der Sauerlacher Straße regelmäßig senkt. Damit waren die Wolfratshauser nicht einverstanden, und die Bahn verwarf diese Lösung. Stattdessen sollen die Gleise nun tiefergelegt werden. Die Mehrkosten von rund 44 Millionen Euro für die Tunnel-/Troglösung, so wurde es damals vereinbart, teilen sich Freistaat, der Landkreis sowie die beiden Städte Wolfratshausen und Geretsried. Im April 2016 wurde ein entsprechender Planungsvertrag zwischen dem Freistaat und der Bahn unterzeichnet. Das war der Startschuss für die Umplanung des Wolfratshauser Bahnhofs und des zweiten Planfeststellungsverfahrens.

Mögliche Hindernisse

Teilweise führt die S-Bahn-Trasse recht nah an Wohnbebauung vorbei. Landwirtschaftliche Flächen werden durch die Gleise zerschnitten. Die Buckelwiesen im Ortsteil Stein – dort soll der Endbahnhof Geretsried Süd gebaut werden – werden ebenfalls von Naturschützern als neuralgischer Punkt gesehen.

Voraussichtlicher Zeitplan

Voraussichtlich im Februar werden die Planungsunterlagen für vier Wochen öffentlich ausgelegt. Dem folgt eine vierwöchige Einwendungsfrist für die Bürger. „Während dieser Zeit werden wir immer Donnerstagnachmittag vor Ort in Bürgersprechstunden für Fragen zur Verfügung stehen“, kündigt eine Bahnsprecherin an. Nach Schätzungen der Bahn könnte 2021 das Baurecht für die neue Planung vorliegen. 2023 könnte ein Realisierungs- und Finanzierungsvertrag zwischen Freistaat und Bahn abgeschlossen werden. Mit einem Baubeginn ist frühestens 2024 zu rechnen, „abhängig vom weiteren Verlauf des Verfahrens“, so die Bahnsprecherin.

Geplante Inbetriebnahme

Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt im Wesentlichen vom Verlauf des Planfeststellungsverfahrens ab. Sofern das wie vorgesehen bis Ende 2022 abgeschlossen ist, soll die S-Bahn zum Fahrplanwechsel im Dezember 2028 nach Geretsried rollen. Durch den Umstieg auf die S-Bahn könnten rund 60 000 Pkw-Kilometer eingespart werden. Dies entspricht rund 1000 Tonnen CO2.

Info

Die Bürgerinformationen der Deutsche Bahn finden am Donnerstag, 16. Januar, in Wolfratshausen (Loisachhalle) und am Donnerstag, 23. Januar, in Geretsried (Ratsstuben) statt, und zwar jeweils in der Zeit von 14 bis 20 Uhr. Jeweils zur vollen Stunde gibt es Vorträge zum aktuellen Stand des Projekts.

nej

Lesen Sie auch: Hans Gärtner puzzelte aus eigenen Ideen und bekannten Entwürfen eine alternative S-Bahn-Planung

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