+
Familien- statt Filmmusik: Auch der Geretsrieder Gitarrist Titus Vollmer ist derzeit ohne Aufträge.

Geretsrieder Komponist und Gitarrist Titus Vollmer im Interview

Gitarrist über die Corona-Auswirkungen: „Die meisten Musiker hängen in der Luft“ 

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
    schließen

Der 51-jährige Musiker und Filmkomponist aus Geretsried Titus Vollmer tritt am Samstag auf der Open-Air-Bühne des Merkurdrome auf. Vorab spricht er im Interview über die aktuelle Lage.

Wolfratshausen/Geretsried – Keine Proben, keine Konzerte, keine Studiotermine: Für Musiker in aller Welt – egal, ob in der Klassik, im Pop oder Rock zuhause – ist die Corona-Pandemie eine häufig auch existenzielle Katastrophe. In Großbritannien haben Prominente wie Paul McCartney, Ed Sheeran und viele mehr die Regierung zu Hilfsmaßnahmen aufgefordert, in Deutschland sind die Klagelieder merklich leiser. Dass die Probleme jedoch keineswegs kleiner sind, darauf verweist Titus Vollmer. Der 51-jährige Musiker und Filmkomponist aus Geretsried tritt am Samstag auf der Open-Air-Bühne des Merkurdrome mit der Ludwig-Seuss-Band auf.

Herr Vollmer, wie haben Sie als Musiker die vergangenen Monate erlebt – als eine Zeit des Stillstands oder der Selbstreflexion?

Weder noch, aber mein Fall ist auch untypisch. Meine Frau und meine drei Kinder sind alle Musiker, und so haben wir die Zeit des Lockdowns genutzt, um ganz viel zu üben und zu musizieren.

Auftritte der „Vollmer-Family“ gab’s auch?

Richtig, wir haben im Garten des Geretsrieder Seniorenheims St. Hedwig für die Bewohner ein Konzert gegeben. Und in der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt sind wir an einem Freitagabend im Rahmen des Livestreams, der über Youtube gesendet wird, aufgetreten.

Und wie ist die Auftragslage in Ihrem Beruf als Filmkomponist?

Nicht gut. Die Filmbranche hatte sich in den vergangenen Monaten auch komplett verabschiedet. Die meisten Produktionen wurden auf den Herbst oder Winter verlegt – sofern dann wieder Dreharbeiten möglich sind. Ich komponiere zum Beispiel die Musik für die Fernsehreihe „Der Kroatien-Krimi“. Da muss man auch schauen, wie sich die Infektionszahlen dort vor Ort entwickeln.

Und wie ist es Ihren Kollegen ergangen, die hauptsächlich Livemusik machen?

Nicht gut. Die meisten hängen momentan völlig in der Luft. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es meist viele Jahre braucht, um eine Karriere aufzubauen. Und dann folgt so eine Vollbremsung. Da haben nicht wenige jetzt ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchen müssen – Geld, das sie eigens auf die hohe Kante gelegt hatten.

Aber die Politik hat doch Hilfen, auch finanzieller Art, versprochen?

Stimmt, das hat sich schon ganz gut angehört, als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder das verkündet hat. Aber das mit der Antragstellung funktioniert offenbar nicht so richtig. Wer ganz früh einen Zuschuss beantragt hat, hat auch Geld bekommen. Aber mittlerweile ist das nicht mehr so einfach, auch mein Antrag wurde beispielsweise abgelehnt.

Das Schlimmste für einen Musiker ist es doch, wenn er nicht auf die Bühne darf. Insofern ist die Konzertreihe im Merkurdrome sicher ein Hoffnungsschimmer?

Natürlich, auch wenn natürlich ein oder zwei Gigs nicht wieder alles gut machen. Aber wenigstens gibt es wieder Livemusik.

Wie kommt es, dass Sie mit der Band von Ludwig Seuss, aktueller Keyboarder der „Spider Murphy Gang“, auftreten?

Ich bin fester Teil der Formation. Neben Ludwig gehören noch der ehemalige Geretsrieder Eishockeyspieler und Schlagzeuger Peter Kraus und Tom Peschl am Bass dazu. Außerdem gibt es immer wieder Gastmusiker wie zum Beispiel Dr. Will oder wie beim Gig in Wolfratshausen San2.

Auf was darf sich das Publikum bei diesem Open-Air-Auftritt freuen?

Ludwig wird sein neues Album „Views Of The Blues“ vorstellen, das im Frühjahr erschienen ist. Darauf gibt es Rock’n’Roll, Blues und Zydeco zu hören. Aber im Großen und Ganzen würde ich uns als Blues-Band bezeichnen.

Sind in naher Zukunft weitere Gigs oder Projekte geplant?

Nein, leider nicht. Vielleicht gibt es den einen oder anderen Auftritt in einem Biergarten. Aber man muss es so hart sagen: Die Musikbranche steht derzeit vor dem Nichts. Denn die Buden werden nicht voll – und sie dürfen es ja momentan auch gar nicht.

tw

Das Merkurdrome-Programm finden Sie hier. Vom Auftakt der Konzertreihe mit der Band „Massel-Tov“ berichten wir hier.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hochwasser im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Bootfahren auf der Isar weiterhin bedrohlich
Die ergiebigen Niederschläge seit Sonntag halten die Feuerwehren im Landkreis auf Trab. Ein Einsatzschwerpunkt ist die Gemeinde Bad Heilbrunn.
Hochwasser im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Bootfahren auf der Isar weiterhin bedrohlich
Finger-Test geht nach Koks-Konsum in die Hose: Wolfratshauser steht vor Gericht
Mit Kokain und Alkohol im Blut setzte sich ein Wolfratshauser hinters Steuer seines Autos. Die Polizei zog ihn aus dem Verkehr, nun verurteilte das Amtsgericht den …
Finger-Test geht nach Koks-Konsum in die Hose: Wolfratshauser steht vor Gericht
Die „Gold-Rosi“ in Wolfratshausen: Hans Reiser erinnert sich an einen Besuch im Jahr 1976
Passend zum 70. Geburtstag von Rosi Mittermaier hat unsere Zeitung zurückgeblättert: 1976 stattete die Sport-Ikone der Loisachstadt einen Besuch ab. Sie schrieb sie …
Die „Gold-Rosi“ in Wolfratshausen: Hans Reiser erinnert sich an einen Besuch im Jahr 1976
Geretsried: Waldsommer ist endgültig abgesagt
Der Festplatz an der Jahnstraße bleibt leer. Die Stadt Geretsried hat den Waldsommer beziehungsweise seine abgespeckte Variante am Mittwoch abgesagt. Festwirt Christian …
Geretsried: Waldsommer ist endgültig abgesagt

Kommentare