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Endlich wieder in den Biergarten: Innerhalb kürzester Zeit waren trotz der strengen Auflagen alle Tische im Biergarten der Flößerei besetzt. „Es hat einfach gefehlt“, meinten viele der Besucher.

Endlich wieder

Biergärten haben geöffnet: So war der erste Tag

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Endlich wieder ein Bier in der Sonne trinken oder einen Cappuccino im Café-Garten genießen: Außengastronomie darf seit Montag wieder öffnen. Gäste und Wirte sind einfach nur froh, zeigt der Rundgang am ersten Tag.

Wolfratshausen/Geretsried – „Endlich“ – und da sind sich sowohl Gäste als auch die Gastronomen einig: Endlich sind die Biergärten wieder offen – wenn auch mit Auflagen und nur bis 20 Uhr. Angestellte führen die Gäste persönlich zu den Tischen und müssen sich dann um die Bürokratie kümmern: „Jeder muss seinen Namen und die Erreichbarkeit angeben“, sagt Iraklis Sakellariou, Wirt der Farcheter Gaststätte „Der Grieche“ und deutet auf ein Formblatt.

Endlich wieder ein Eis: Tamara Pomare-Antonio (li.) und Linda Jacob genießen den ersten Becher im L‘Arena.

Vermerkt wird ebenfalls der Tisch, welcher Kellner die Getränke und Speisen gebracht hat und wie lange sich die Besucher aufgehalten haben. „Das ist jetzt eben so“, kommentiert Helga Zürnstein die neue Handhabe. Normalerweise zweimal wöchentlich besucht die Wolfratshauserin mit ihrem Mann Erich (87) das Spezialitätenrestaurant. „Das hat uns einfach gefehlt. Wir sind froh, dass zumindest jetzt diese Lockerung möglich wurde“, sagt die 81-Jährige. Die erste Runde kommt, die mit den Zürnsteins am Tisch sitzende Ute Seifert (79) greift nach dem Glas Hellen und lacht herzlich. „Nach so vielen Wochen muss man den ersten Biergartenbesuch auch mit dem richtigen Getränk einweihen.“

Die sozialen Kontakte sind es, die alle am meisten vermisst haben. „Sich einfach auf einen Kaffee zu treffen und zu ratschen“, sind sich Tamara Pomare-Antonio (26) und ihre gleichaltrige Freundin Linda Jacob einig. Die beiden haben sich im Geretsrieder L’Arena zum Eisessen getroffen. In den vergangenen Wochen konnten sie nur telefonieren. „Das ist seit langer Zeit das erste Mal, dass wir uns sehen“, sagen sie.

Der Wunsch nach sozialem Kontakt kommt auch im Biergarten der Flößerei nicht zu kurz. Fast jeder Tisch ist besetzt mit Familien, Paaren oder Arbeitskollegen. Natürlich alle im vorgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern zueinander, was die Kommunikation etwas erschwert. Schließlich dürfen nur Angehörige von höchstens zwei Haushalten an einem Tisch sitzen. Weitere Freunde und Bekannte müssen anderswo Platz nehmen – „sozusagen in Rufweite“, meint Christine Kopetz (59). Gemeinsam mit ihrem Gatten Franz (70) genießt sie das erste Bier im Sonnenschein an der frischen Luft. Der Mund-Nasen-Schutz liegt griffbereit neben ihnen auf dem Tisch. Denn nach wie vor gilt die Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen des Lokals, beispielsweise wenn man die Toilette aufsuchen muss.

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Endlich wieder ein Treffen: Helga und Erich Zürnstein feiern mit Ute Seifert beim Griechen die Lockerung.

Durchgehend ihre Maskentragen müssen hingegen die Kellner. „Man macht das Beste daraus“, sagt Maria Faulisi vom Eiscafé L’Arena. Ihr ganzes Team trägt den Schutz in italienischen Landesfarben. „Wir sind froh, dass wir wieder arbeiten dürfen“, meint Faulisi. Allerdings arbeitet sie – genauso wie ihre Kollegen in der Nachbarstadt – mit weniger Personal als früher. „Wir mussten unsere Sitzplatzanzahl von 89 Plätzen auf 30 reduzieren.“ Das bedeute unterm Strich auch weniger Verdienst. „Man wird sehen, wie sich das letztendlich rechnet“, gibt auch Flößerei-Chef Dominik Tabak zu Bedenken. Dennoch: „Wir sind alle froh, dass es wieder weitergeht – endlich.“

Noch bis kurz vor der Lockerungen haben die Gastronomen sämtliche geforderten Hygienevorschriften umgesetzt – von der Installation von Handdesinfektionsspendern bis zu Regelungen, wie die Gäste in den Biergarten kommen und ihn wieder verlassen sollen, um einen Begegnungsverkehr zu vermeiden. „Wir müssen die Gesetze durchziehen“, sagt Gabi Gerer vom gleichnamigen Gasthaus in Ammerland. Auch sie hat in ihrem Biergarten die Anzahl der Tische verringert, um den Mindestabstand gewährleisten zu können, glaubt aber nicht, dass von nun an täglich alle besetzt sein werden. „Die Leute sind vorsichtig, lassen es eher langsam angehen.“ Natürlich hofft die Wirtin, dass alle Biergartenbesucher die neuen Regeln akzeptieren. „Ich möchte mich nicht mit einem Gast streiten – auf der einen Seite ist er Kunde, auf der anderen Seite haben die Bestimmungen ihren Sinn.“ Gerer setzt auf die Vernunft: „Wir meinen es gut mit unseren Kunden und hoffen, dass sie es auch gut mit uns meinen.“

sh

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