Das Heilige Grab in der Wolfratshauser Dreifaltigkeitskapelle
+
Heuer offen: Nach der zwangsbedingten Pause im vergangenen Jahr dürfen Gläubige wieder zum Heiligen Grab im Wolfratshauser Bergwald pilgern. Foto: Hans Lippert

Gottesdienste sollen stattfinden

Trotz Corona: Darauf können sich Gläubige an Ostern freuen

  • vonDominik Stallein
    schließen

Die Gottesdienste zum Osterfest standen auf der Kippe - jetzt steht fest: Sie sollen möglich sein. Die Kirchen bereiten sich auf das Fest vor. Auch außerhalb der Gottesdienste gibt es viele Angebote für die ganze Familie.

Wolfratshausen – Das Osterfest am nächsten Wochenende ist sowohl für Katholiken als auch für Protestanten ein bedeutsamer Termin im Kirchenjahr. Wegen der Corona-Pandemie wird das Fest anlässlich der Auferstehung Christi mancherorts ruhiger als gewohnt ablaufen. Trotzdem gibt es einiges, worauf man sich am Osterwochenende freuen darf.

Ein idyllischer Spaziergang - verbunden mit Besinnung und Andacht

Es ist ein besinnlicher Spaziergang, den Wolfratshauser Bergwald hinauf zur idyllisch gelegenen Dreifaltigkeitskapelle. Dort schmückt die Kolpingfamilie Wolfratshausen seit 2004 Jahr für Jahr das Heilige Grab, an dem die Besucher der kleinen Kapelle innehalten können. 15 Jahre lang nutzten Gläubige zwischen Karfreitag und Ostermontag diese Möglichkeit zur Entschleunigung und Andacht – bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie: Im vergangenen Jahr musste die lieb gewonnene Tradition ausfallen.

„Wir haben für dieses Jahr alle Hebel in Bewegung gesetzt, um es wieder zu ermöglichen“, berichtet Karin Stammler von der Kolpingfamilie Wolfratshausen auf Anfrage unserer Zeitung. Mit Erfolg: Unter Beachtung strenger Hygiene-Regeln können Gläubige die Dreifaltigkeitskapelle an den Ostertagen besuchen. Zu den Regeln gehört, dass nur eine begrenzte Zahl an Gästen gleichzeitig in das kleine Gotteshaus gelassen wird – mit Maske versteht sich, und nur für einen kurzen Zeitraum, um allen Wartenden den Zutritt zu ermöglichen.

Alleine in der Kapelle? Die Ansteckungsgefahr ist gering

„Es ist eine schöne Tradition, die wir unbedingt erhalten wollten“, erklärt Stammler mit Blick auf die viele Arbeit, die die Kolperer investieren. Und – „das sagt zumindest mein Menschenverstand“ – ein kurzer Besuch mit wenigen anderen Betenden in der Kapelle stelle in ihren Augen nur ein geringes Infektionsrisiko dar.

Pfarreien planen flexibel, „das haben wir alle gelernt“

Eine ähnliche Möglichkeit der Besinnung – einen Kinderkreuzweg mit Begleitmaterial – offeriert die Pfarrgemeinde Dietramszell in diesem Jahr. Kinder können den Weg bis Maria Elend gemeinsam mit ihren Eltern gehen. „Solche zusätzlichen Angebote zum üblichen Gottesdienst-Programm bieten viele, fast alle Pfarreien im Moment an“, sagt Dekan Thomas Neuberger. Auch digitale Angebote seien inzwischen „für die meisten eine Selbstverständlichkeit“. Trotzdem: Neuberger ist froh, dass nach aktuellem Stand an Ostern Präsenzgottesdienste möglich sind. Die Pfarrei plant dennoch flexibel, „das haben wir alle im vergangenen Jahr gelernt“. So ist an einen zusätzlichen Osternachtgottesdienst gedacht, um nicht zu viele Menschen auf einmal zu versammeln. „Die großen Feierlichkeiten, zum Beispiel am Palmsonntag, werden wir draußen begehen“, sagt Neuberger, „weil wir wissen, dass dieser Termin vielen Menschen wichtig ist und wir mit sehr vielen Besuchern rechnen.“

Lesen sie auch: Im vergangenen Jahr mussten die Ostergottesdienste ausfallen - die Kirchen wurden erfinderisch

Die traditionellen Ratschen bleiben heuer stumm

Ruhiger als gewohnt geht es am Karfreitag und -samstag in der größten Stadt im Landkreises zu: Die Ratschenboum der Eghalanda Gmoi, die das Osterwochenende üblicherweise mit traditionellem Krach einläuten, bleiben in diesem Jahr zu Hause. „Anders geht’s einfach nicht“, bedauert Vereinschef Helmut Hahn. Die Gruppen, die gemeinsam durch die Stadt ziehen, stammen „eigentlich nie“ nur aus zwei Haushalten und ein Sicherheitsabstand oder stundenlange Maskenpflicht „sind nicht umzusetzen“.

Lange hat Hahn überlegt, ob eine Ersatzveranstaltung möglich wäre – „wir könnten mit ein paar ehemaligen Ratschenboum zumindest auf dem Karl-Lederer-Platz laufen“ – letzten Endes zerschlugen sich auch diese Pläne wegen der steigenden Infektionszahlen und des Versammlungsverbots. Es ist das zweite Mal in Folge, dass die Tradition – seit 1947 wird dieser Brauch in Geretsried zelebriert – pausieren muss.

Der Kirchenbesuch ist nicht vergleichbar mit dem Besuch eines Theaters oder einer Kulturveranstaltung“

Florian Gruber, evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen

Ob dieses Schicksal auch den Gottesdiensten der evangelischen Kirche in Wolfratshausen droht, ist nicht sicher. „Wir werden uns noch mit allen Beteiligten abstimmen, ob und wie wir die Gottesdienste durchführen können“, sagt Pfarrer Florian Gruber. Er selbst ist froh, dass es kein landesweites Verbot für die sakralen Feiern gibt: „Der Kirchenbesuch ist nicht vergleichbar mit dem Besuch eines Theaters oder einer Kulturveranstaltung.“ Gruber sieht Gottesdienste als einen „Dienst an der Gesellschaft“, der aufrecht zu erhalten ist – und zwar am besten in Präsenzform. „Es ist nicht möglich, das eins zu eins ins Videoformat zu übertragen“, so der Seelsorger.

Lesen Sie auch: Dekan Thomas Neuberger hat in einem Interview mit unserer Zeitung über die Fastenzeit während der Corona-Pandemie gesprochen

Tabu-Thema in der Osterpredigt: Die Pandemie

In den vergangenen Monaten stellten dennoch viele Pfarreien und Kirchengemeinden ganze Predigten oder kurze Denkanstöße ins Internet. Der Dietramszeller Dekan Thomas Neuberger spricht in diesem Zusammenhang von einer „guten, zusätzlichen Möglichkeit“. In seiner Predigt möchte Neuberger, der den Pfarrern in Ausbildung des Bistums als Predigtberater zur Seite steht, ein Thema möglichst umschiffen: „Ich versuche seit etwa zwei Monaten, die Pandemie nicht mehr zu thematisieren.“ Natürlich, zu den Kartagen und dem Auferstehungsfest ließen sich viele Parallelen zur Corona-Pandemie ziehen, aber Neuberger findet „es wichtig, dass die 45 oder 60 Minuten im Gottesdienst sich mal nicht mit dem allgegenwärtigen Thema beschäftigen“. Im Alltag seien die Menschen ohnehin ständig mit der Thematik konfrontiert. dst

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare